No Man's Sky ist 2020 so viel mehr als nur Wiedergutmachung

Durch das gewaltige Origins-Update wird No Man's Sky vier Jahre nach Release ein anderes Spiel. Elena klärt, warum der Erfolg der Weltraum-Sandbox 2020 so wichtig ist.

von Elena Schulz,
25.09.2020 06:33 Uhr

»Es gibt jetzt die Sandwürmer.« Dass dieser Satz mir im Morgen-Meeting ein begeistertes Quieken entlockt, irritiert nicht nur meine Kollegen, sondern auch mich selbst. Aber die Sandwürmer stehen eben für einen Traum. Und für gebrochene Versprechen.

Sie brachten mich schon in den ersten Trailern zu No Man's Sky zum Staunen. Ich wollte sofort meinen Raumanzug anziehen und einen Fuß auf einen fremden Planeten setzen, der in Staub und sengender Hitze erstickt. Nur um dann eine solch fremdartige Kreatur durch den Sand brechen zu sehen, unter dem noch unzählige weitere Geheimnisse auf mich warten.

Aber zum Release wartete da eben immer nur der gleiche Sand - höchstens mal in einer anderen Farbe. Vier Jahre später ändert das gigantische Origins-Update das und fügt neben den Sandwürmern noch zig abwechslungsreichere Planeten, Kreaturen oder Pflanzen hinzu, die endlich das größte Problem des Universums angehen: Seine umfangreiche, aber durch die prozedurale Generierung eben auch gleichförmige Basis. Für Elena schafft Hello Games damit den Schritt über die Wiedergutmachung hinaus - und deutet eine ebenso strahlende Zukunft für No Man's Sky an.

Update: Inzwischen hat GameStar No Man's Sky erneut getestet. Der Nachtest zum Origins-Update ändert auch die Wertung der Weltraum-Sandbox. Den Artikel findet ihr hier:

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Die Autorin: Als Trainee hätte Elena fast gedroht, das Handtuch zu werfen, wenn sie noch einen blöden gleichförmigen Planeten nach Plutonium absuchen muss. Heute ist sie froh, dass sie das damals nicht gemacht hat. Zum einen, weil sie durch ihren Job bei der GameStar jetzt hinausposaunen kann, warum Sandwürmer eine tolle Sache sind - übrigens auch in der echten Welt: Wisst ihr eigentlich, wie niedlich Röhrenaale sind?! Zum anderen, weil No Man's Sky für sie eben noch die Kurve gekriegt hat und heute ein so viel besseres Spiel ist.

Warum mich das Origins-Update so glücklich macht

Multiplayer, Basenbau, ein neues Crafting-System, eine Story-Kampagne, Exosuits, riesige Frachter, Fahrzeuge, VR und, und, und. Lange vor Origins fütterten die Entwickler ihr Weltraum-Universum über Patches mit zig neuen Inhalten. Schon dadurch wurde No Man's Sky ein deutlich besseres Spiel.

Aber so viel Spaß ich auch mit all diesen Features hatte - irgendwie wackelte das Fundament darunter trotzdem noch. Stellt euch das mal vor wie ein Gemälde: Leidet die Skizze schon unter einer falschen Perspektive, sieht die Landschaft später auch schief aus. Egal, wie viele detailliert gepinselte Blumen, Bäume oder Häuser noch obendrauf kommen. Das Origins-Update überarbeitet jetzt aber genau diese Basis.

No Man's Sky Origins - Trailer zeigt die Inhalte des unfassbar gigantischen und kostenlosen Updates 1:54 No Man's Sky Origins - Trailer zeigt die Inhalte des unfassbar gigantischen und kostenlosen Updates

Und das ist wichtig: Denn das Erkunden dieser gewaltigen Galaxie ist für mich der Kern von No Man's Sky. Bauen, Craften, Handeln oder Kämpfen kann ich in zig Sandboxes, aber ein schier unendliches Universum zum Entdecken erlebe ich sonst nirgends so lebendig. Wenn mir jetzt auf meiner Reise plötzlich exotische Kreaturen wie fliegende Riesenkäfer begegnen oder ich an einem kilometertiefen Abgrund stehen kann, dann kehrt dieses Staunen, diese sprachlose Begeisterung aus den ersten Trailern endlich zurück.

Und Origins verspricht mir so viel mehr: Ich will jetzt sofort tief in außerirdische Ozeane tauchen, Zeuge von Blitzeinschlägen, Vulkanausbrüchen oder Meteoritenschauern irgendwo im All werden, mysteriöse Alienbauten erkunden und all diese Wunder mit meinen Freunden teilen. Die Entwickler haben damit für mich nicht nur ihr Versprechen von damals eingelöst, sondern die Erwartungen sogar übertroffen.

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Aber all diese Patches waren teil eines unausgesprochenen Vertrages zwischen Spielern und Entwickler. Hello Games hat viele schwerer Fehler begangen, die sie damit ausbügeln wollten. Bei Origins haben wir diesen Punkt für mich aber längst überschritten. Schon No Man's Sky Next entsprach beim Test 2018 für mich größtenteils dem, was die Spieler zum Launch erwartet hatten.

Aber das gewaltige Origins-Update erscheint trotzdem kostenlos, beseitigt weiter Probleme und fügt neue Inhalte hinzu. Für 2020 sind sogar noch zwei weitere Patches geplant. No Man's Sky hat sich vom Patch-Projekt zum Service-Modell gewandelt. Und das vor allem mit Herz und Durchhaltevermögen statt Marketing-Kalkül oder einem Plan zur Gewinnmaximierung, was mich besonders freut.

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Wie geht es mit No Man's Sky weiter?

Aber einen Plan für die Zukunft braucht Hello Games trotzdem. Denn mit kostenlosen Updates lässt sich kein Geld verdienen. Dass No Man's Sky im Game Pass verfügbar ist und dort laut Sean Murray eine Million neue Spieler überzeugen könnte, hilft dem Weltraum-Abenteuer sicher - vor allem wenn Microsoft dadurch die Partnerschaft verlängert. Und dank Origins ist auch der Platz in den Steam-Topsellern wieder gesichert - während der Spielerhöchststand er letzten 30 Tage bei rund 5.000 liegt, ist er jetzt wieder auf fast 20.000 angestiegen.

Vielleicht kann Hello Games sich in Zukunft also von Patch zu Patch retten und ähnlich wie bei Overwatch und Path of Exile einen fließenden Übgang zu No Man's Sky 2 schaffen. Oder sie etablieren irgendwann doch noch irgendeine Form von kostenpflichtigen DLCs oder verlangen Geld für tentakelschwingende Alienraumschiffe und Raumanzüge im Master-Chief-Look. Bis es soweit ist, stürze ich mich aber einfach weiter in die endlosen Weiten und freue mich, dass ich mich so sehr in diesem Spiel geirrt habe.

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