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Oldschool-Rollenspiel Pathfinder: Kingmaker - Russische Geschichte und Pen-&-Paper-Sessions als Inspiration

Was zeichnet ein klassisches Rollenspiel aus Osteuropa aus? Wir befragen den Game Writer Alexander Mishulin zur Entwicklung von Pathfinder: Kingmaker und finden heraus, wie stark kulturelle Aspekte in das fertige Werk einfließen.

von Michael Cherdchupan,
10.09.2018 08:00 Uhr

Pathfinder: Kingmaker wird ein klassisches Rollenspiel. Doch was heißt das überhaupt? GameStar sprach mit dem Autor über russische Spiele, Inspirationen und spannende Pen-&-Paper-Abende.Pathfinder: Kingmaker wird ein klassisches Rollenspiel. Doch was heißt das überhaupt? GameStar sprach mit dem Autor über russische Spiele, Inspirationen und spannende Pen-&-Paper-Abende.

Auf den ersten Blick dominieren bei Pen-&-Paper-Rollenspielen nur die Daten und Zahlen. Es gibt zu großen Türmen gestapelte Regelbücher, hinter denen sich Meister mit einem hämischen Grinsen verstecken. Bevor es aber in das Abenteuer gehen kann, ist allein schon die Charaktererstellung ein Kraftakt. Einfach die höchstmöglichen Zahlen eintragen? Das klappt nicht.

Stattdessen gibt es auch hier viele Kleinigkeiten zu beachten, um der Tabula Rasa ein Gesicht zu geben. Aussehen, Herkunft, Kindheit - alles muss zu Papier gebracht werden. Plötzlich werden aus den bloßen Zahlen und ein paar Stichpunkten greifbare Personen. Es fühlt sich an wie eine Geburt. Und sollte der Avatar einmal sterben, wirkt der Charakterbogen wie eine alte, verblasste Fotografie.

Je mehr Held oder Heldin erlebt haben, desto abgegriffener ist das Stück Papier. Hell und dünn sind die Stellen, wo mit dem Radiergummi die mit Bleistift eingetragenen Werte nach oben korrigiert wurden. Viele Spieler verwahren ihre Helden in der Schublade. Und wenn sie sie viele Jahre später wieder hervorholen, erwachen die Abenteuer vor ihrem geistigen Auge wieder zum Leben.

Jetzt bei GameStar Plus lesen: Computerspiele in der DDR - Der verspielte Osten

Die US-Serie Stranger Things ist eine Hommage an Fantasy, Horror und Mystery aus den 80er Jahren. Darunter auch: Tabletop- und Pen-&-Paper-Rollenspiele. Die US-Serie Stranger Things ist eine Hommage an Fantasy, Horror und Mystery aus den 80er Jahren. Darunter auch: Tabletop- und Pen-&-Paper-Rollenspiele.

Melancholische Gedanken

Pen-&-Paper-Rollenspiele sind ein Gefühl. Wenn mehrere Personen an einem Tisch sitzen und spielen, sind sie vielleicht physisch da, aber ihr Geist hat sich längst aus dem Raum begeben. Gemeinsam durchstreifen sie fremde Lande, wandern durch Täler und über Gebirge, nehmen mysteriöse Aufträge von dubiosen Gestalten an und erkunden düstere Verliese.

»Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mich damals mit Freunden in der Moscow State University eingeschlossen und Dungeons & Dragons gespielt habe,« erinnert sich Alexander Mishulin. Er ist der Creative Director des Oldschool-Rollenspiels Pathfinder: Kingmaker, das im Test eine Traumwertung kassierte, und schwelgt in Erinnerungen, als wir ihn nach seinem persönlichen Bezug zum Genre fragen.

»Wir waren damals so wie die Jungs aus Stranger Things. Nur eben in Moskau.« Sein erster Kontakt mit RPGs war allerdings nicht auf dem Tabletop, sondern auf dem PC. »Anfang der 90er waren Heimcomputer in Russland nicht unbedingt weit verbreitet. Aber mein Vater besaß aus beruflichen Gründen ein paar Exemplare, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe.« Alexander grinst breit. »Mit anderen Worten: Ich habe ausgesprochen viel gespielt!«

Alexander Mishulin ist der Creative Director bei Owlcat. Die Serie Strangers Things erinnert ihn an seine ersten Erfahrungen mit Rollenspielen. Alexander Mishulin ist der Creative Director bei Owlcat. Die Serie Strangers Things erinnert ihn an seine ersten Erfahrungen mit Rollenspielen.

Mishulin hat um die Jahrtausendwende begonnen, Computerspiele zu entwickeln. Heute arbeitet er bei Owlcat. Das Studio nimmt ganze zwei Etagen in einem der zwei Hochhäuser ein, in denen die russische IT-Firma Mail.Ru Group ihren Hauptsitz hat. Mit etlichen Internetdiensten wie E-Mails, Landkarten oder Unternehmensverzeichnissen ist sie eine Art russisches Google. Videospiele vertreibt die Firma auch, zum Beispiel das in Deutschland von Crytek entwickelte Warface. Trotzdem wirkt Owlcat in dem Gebäude wie ein Sonderling.

Pathfinder: Kingmaker - Screenshots ansehen

Die Regale der offenen Büros sind vollgestopft mit allem möglichen Nerdkram. Ein Sammelsurium an Merchandise von bekannten Mechs, Anime-Figuren, Comichelden oder Film-Ikonen, die sich mit Skizzen und Bannern des eigenen Spiels vermengen. Alexander Mishulins sieht dabei tatsächlich aus wie der eines Spielmeisters.

Hier entdecken wir richtig fette Schinken: Bestiarien, Guides, Regelwerke. Manche von ihnen so dick und schwer, dass man damit jemanden erschlagen könnte. Autor Mishulin und seine Kollegen fühlen sich hier sichtlich wohl. Schließlich dürfen sie mitten im Herzen des Konzerns auf ihrer eigenen Nerd-Insel ihre Träume wahr werden lassen.

„Stolen Land“ des Adventure-Paths (im Deutschen „Geraubtes Land“) ist die Story-Grundlage für die Computerspielumsetzung. „Stolen Land“ des Adventure-Paths (im Deutschen „Geraubtes Land“) ist die Story-Grundlage für die Computerspielumsetzung.

Vermittlung von etwas schwer Greifbarem

Damit jedes einzelne Teammitglied im Bilde ist, wurde jedem zu Beginn der Produktion aufgetragen, sich intensiv mit der Adventure-Path-Kampagne der gleichnamigen Vorlage zu beschäftigen. Jede Abteilung der Produktion - egal ob Sound, Programmierung, Art oder Design - bekam auf diese Weise ein Gefühl für das, was später als Computerspiel umgesetzt werden sollte.

»Ein Regelwerk in ein Computerspiel umsetzen, das ist eigentlich ziemlich einfach«, erklärt Alexander Mishulin. »Das wurde schon viele Male vor uns gemacht und wir konnten davon lernen.« Die wirkliche Herausforderung sei der Transport des Spielgefühls eines Tabletop-Spiels. Gar nicht so trivial, denn am Computer sitzt man schließlich mit Maus und Tastatur vor einem Bildschirm, meistens sogar allein. Eine völlig andere Situation.

Klassische Rollenspiele mit komplexem Regelwerk haben sich rar gemacht. Pathfinder: Kingmaker ist momentan einer der wenigen Vertreter der sogenannten CRPGs.Klassische Rollenspiele mit komplexem Regelwerk haben sich rar gemacht. Pathfinder: Kingmaker ist momentan einer der wenigen Vertreter der sogenannten CRPGs.

Dieses spezielle Pen-&-Paper-Gefühl muss dann also über andere Wege vermittelt werden, etwa Mechaniken und dramaturgisch wichtige Szenen. Der Schreiberling Mishulin hat dafür ein Beispiel: »Anstelle einfacher Erholungsszenen haben wir das Camping eingeführt. Man muss erst einen richtigen Platz für die Nacht ausloten, sein Lager aufschlagen, Jäger wegschicken, eine Wache aufstellen und nebenher Unterhaltungen führen. Das ist nicht exakt so wie in der Vorlage, aber wir konnten dadurch dieses spezielle Gefühl vermitteln und den Fokus stärker auf unsere Begleiter legen.«

In Pathfinder: Kingmaker wird es noch weitere solcher Beispiele geben. Der Transfer vom Brett zum digitalen Spiel ist also nicht bloß eine Adaption von Büchern voller Zahlen, sondern es bedarf einer emotionalen Übersetzung ins jeweilige Medium.

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