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Project Zomboids plötzlicher Steam-Erfolg war überfällig

Quo vadis, Project Zomboid? Nach kriminellen Rückschlägen und verbissenem Durchhaltevermögen ereilt das Hardcore-Survivalspiel der späte und unerwartete Erfolg.

von Christian Just,
07.01.2022 15:34 Uhr

Wir alle lieben gute Außenseiter-Geschichten. Der kleine Amateurclub, der plötzlich im Finale des DFB-Pokals steht, der Nerd als gefeierter Klassenliebling oder das hässliche Entlein, das zum wunderschönen Schwan heranwächst.

Sie alle stehen für Hoffnung, eine spannende Entwicklung, ein Quäntchen Ausgleich in einer sonst oft ungerechten Welt. Das spielerisch irre komplexe, aber visuell minimalistische Survival-Rollenspiel Project Zomboid könnte genau so ein Underdog sein. Hinter der pixeligen Fassade rattert eine hochintelligente Maschine, die immer mehr Spieler in ihren Bann zieht.

Zuletzt spielten – scheinbar wie aus dem Nichts – 65.000 Zombiefreunde gleichzeitig auf Steam, obwohl das Spiel nach über zehn Jahren Entwicklung eigentlich ein Paradebeispiel für überambitionierte Early-Access-Leichen sein müsste!

Heute ergründen wir die urplötzliche Faszination für PZ in dieser Jahre andauernden Steam-Odyssee. Nicht nur ein krimineller Schlüsselmoment spielt dabei eine entscheidende Rolle, sondern auch eine Wandlung der Spielerschaft im Allgemeinen.

Wovon handelt PZ überhaupt?

Okay, jetzt beschießen wir euch erstmal mit kalten Rahmenfakten. Project Zomboid will eine Zombieapokalypse so realitätsnah wie möglich darstellen. Das ufert in extrem komplexes und vielschichtiges Gameplay aus. Auch deshalb eignet sich die spartanische Grafik, um Hardware-Ressourcen zu sparen.

Mal gucken? Hier seht ihr einen aktuellen Trailer:

Project Zomboid - Neuer Trailer stellt euch den Survival-Geheimtipp vor 1:52 Project Zomboid - Neuer Trailer stellt euch den Survival-Geheimtipp vor

Spieler müssen alleine oder auf Multiplayer-Servern in einer riesigen Spielwelt ums Überleben kämpfen. Große Horden Untoter und gnadenloser Realismus, der oft zu chaotischen Kettenreaktionen führt, machen Project Zomboid immer wieder aufs Neue herausfordernd.

Beispiel gefällig? Wir brechen ins Nachbarhaus ein, da unser Charakter dringend Antibiotika braucht. Das Türschloss klackert verschlossen, also schlagen wir halt eine Scheibe ein. Schwerer Fehler! Ein Alarm schrillt ohrenbetäubend, gefolgt von einem vielstimmigen Zombiestöhnen aus allen Himmelsrichtungen. Panisch springen wir durch das kaputte Fenster. Blut fließt in Strömen aus unseren Unterarmen, hinterlässt eine Pfütze unter unseren Füßen. Mit ein paar Planken und Nägeln versuchen wir noch, das offene Fenster zu verbarrikadieren, als uns die schon lange zombifizierte (und hungrige) Bewohnerin von hinten in den Nacken beißt. Wir überwältigen sie zwar, aber wir wissen auch: Gegen die Kratzer vom Glas wären wir angekommen, aber ein Biss endet unweigerlich im Tod, gefolgt von einem Dasein als Zombie. Sehr düster, aber das ist Project Zomboid. Das, und vieles mehr.

Project Zomboid simuliert sogar Langeweile, der wir durch Radiohören begegnen können. Project Zomboid simuliert sogar Langeweile, der wir durch Radiohören begegnen können.

Rollenspiel-Mechaniken wie das mühsame Trainieren von Skills, komplexe Charakter-Builds, selbsterhaltende Landwirtschaft, umfänglicher Basenbau, simulierte Gemütsverfassung und Verletzungen, Angst und Betablocker, Niedergeschlagenheit und Antidepressiva. Ihr merkt es: Project Zomboid fasziniert mit Tiefgang und Anspruch. Aber ein Mainstream-Erfolg? Ja, die Spielerzahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Wie haben sich die Spielerzahlen entwickelt?

Das Survivalspiel tauchte erstmals als Techdemo 2011 in der Öffentlichkeit auf. Anno 2013, als Early Access noch neu und aufregend war, erschien Project Zomboid auch auf Steam. Die Alpha ließ bereits viel von der heutigen Komplexität erkennen. Die gleichzeitig aktiven Spieler hielten sich aber in einem überschaubaren Rahmen.

Im Schnitt waren zwischen November 2013 und Mai 2018 rund 1.200 Spieler aktiv. Eine eingeschworene kleine Gemeinde also, wie man es für ein minimalistisches Hardcore-Survivalspiel erwarten würde.

In den folgenden Jahren stiegen die Spielerzahlen zwar langsam, aber stetig. Zwischen Mai 2018 und November 2021 kletterten die Zahlen kontinuierlich bis auf über 8.500. Und dann knallte es: Der heißerwartete Build 41 ging live und ließ die Zahlen sprunghaft ansteigen. Im Dezember lag die Spitze bei 53.000, der Januar 2022 beginnt sogar mit 65.000 gleichzeitig aktiven Fans.

Bildquelle: Steamcharts.com Bildquelle: Steamcharts.com

Warum eine lange Early-Access-Phase vorteilhaft für den Verkaufserfolg sein kann, haben wir im Report mit den DayZ-Entwicklern und weiteren Experten besprochen:

Großer Report über Hype und Enttäuschung   43     8

Spiele im Early Access

Großer Report über Hype und Enttäuschung

Auf Seite 2 gehen wir auf die Gründe für den späten Erfolg von Project Zomboid ein.

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