Als wir uns zum Auftakt des Summer Game Fest in der Redaktion zusammengesetzt haben, um den Stream aus Los Angeles live für euch zu begleiten, stellte Natalie die eisbrecherische Frage: »Was für Wünsche habt ihr für die Show?«
Nach einem ebenso obligatorischen wie scherzhaften »Bloodborne 2«, warf ich dann auch noch das Remake zu Resident Evil: Code Veronica in den Raum. Und Schwupps: Kaum begann die Sause, da wurde mit Resident Evil Veronica jenes auch gleich angekündigt. Ich war also erwartungsgemäß glücklich.
Jetzt sind ein paar Tage ins Land gegangen, wir haben ein paar Infos mehr, wenn auch wenige. Wir spielen Veronica vollständig in Third Person und auch die Story wird laut Produzent Yoshiaki Hirabayashi so angepasst, dass sie besser zu den bisher erschienenen Neuauflagen und den letzten Einträgen der Reihe passt.
Veronica soll, ähnlich wie es beim Remake von Resident Evil 2 der Fall war, »dem Original treubleiben«, aber auch größere Änderungen erfahren. Was genau das heißt, erfahren wir aber wohl erst, wenn es so weit ist.
Eine Sache steht auf meiner persönlichen Liste für Änderungswünsche jedenfalls deutlich auf Platz 1 und nein, es ist nicht die Panzersteuerung.
Winzig kleine Spoiler-Warnung: Ich rede ab jetzt über einen Charakter und einige Begegnungen mit ihm, die während des Spielverlaufs auftreten. Natürlich nehme ich keine tiefer gehenden Story-Inhalte vorweg, aber wenn ihr wirklich gar nichts von der Geschichte in Veronica erfahren wollt, dann solltet ihr besser nicht weiterlesen.
Nur ich und du ... und dein Freund Steve
Ganz kurz zur Einordnung, in welchem Setting wir uns in Code Veronica befinden: Nach den Geschehnissen von Resident Evil 2 sucht Claire Redfield noch immer ihren verschollenen Bruder Chris. Ihre Suche führt sie zunächst zu den Umbrella-Laboren in Frankreich, wo sie allerdings erwischt und auf die abgelegene Gefängnisinsel Rockford Island verschleppt wird.
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Resident Evil: Veronica - Der Horror-Klassiker kehrt 2027 tatsächlich zurück
Bei ihrem Ausbruchversuch trifft sie schnell auf einen anderen Insassen: den 17-jährigen Steve Burnside, der aus anderen Gründen von Umbrella in den Knast gesteckt wurde. Schon bei der ersten Begegnung mit ihm lässt sich erahnen, wo die Reise mit dem jungen Burschen hingeht.
Claire traut Steve zunächst nicht und richtet die Waffe auf ihn, darauf entgegnet er: »Entspann dich, Hübsche« und zieht erstmal von dannen, weil er nicht will, dass Claire ihm im Weg rumsteht. So weit, so 17-Jährig.
Im Verlauf kreuzen sich unsere Wege aber immer wieder und langsam aber sicher zeichnet sich ab, welchen Archetyp von Charakter Steve verkörpert: den sich selbst überschätzenden Teenager, der immer einen cringen Spruch auf den Lippen hat und sich liebend gern als Held aufspielt. Dabei entwickelt er obendrauf die unangenehme Angewohnheit, Claire in einer Tour anzubaggern. An einer Stelle versucht er sie sogar zu küssen, während sie schläft. Nun ja ...
Teenager außer Kontrolle
Dadurch wird Steve für mich zu einem lästigen Übel. Statt mich zu freuen, dass es eine weitere gute Seele auf einer Insel voller Zombies und Wahnsinnigen gibt, schaudert es mich jedes Mal, wenn ich seine nervige Stimme in der Ferne höre.
Er zieht konstant dumme Dinge ab, wie beispielsweise das Entleeren eines kompletten MP-Magazins in die Luft, nur um seinen Punkt rüberzubringen. In einem Setting, in dem es auf jede Kugel ankommt, ist das einfach nur haarsträubend. Da hilft auch eine tragische Backstory nicht sonderlich.
Versteht mich nicht falsch: Nicht jeder Charakter in Spielen, Filmen und Co. muss sympathisch sein. Ich finde es im Gegenteil sogar sehr wichtig, dass Figuren vielschichtig sind, Ecken und Kanten zeigen und die Chance haben, eine Entwicklung hinzulegen.
Bei Steve ist diese Entwicklung aber eher marginal und wird von seinen verächtlichen Annäherungsversuchen so überschattet, dass sie mir letztendlich überhaupt nichts gibt.
Wenn ihr also denkt: »Solche Menschen gibt es eben und es ist nichts falsch daran, sie auch zu zeigen«, dann verstehe ich den Punkt. Aber wenn sich daraus am Ende kein Aha-Moment oder eine andere Auflösung ergibt, habe ich mich ganz umsonst durch derlei Unannehmlichkeit gequält. Und darauf würde ich im Remake gern verzichten.
Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass ich keine komplette Streichung von Steves Charakter fordere. Er darf gern nervtötend, geltungsbedürftig und meinetwegen sogar ein bisschen aufdringlich sein - er hat's ja auch nicht leicht, als Minderjähriger von einem tief bösen Konzern in einen Knast voll mit Zombies gesteckt zu werden. Ich finde sogar, dass Capcom damit eigentlich eine gute Grundlage hat, um eine echte Charakterentwicklung auszuarbeiten.
Ich wünsche mir nur, dass die im Remake dann auch passiert und vor allem Steves »Avancen« gegenüber Claire nicht unkommentiert stehen gelassen werden. Es ist eben keine liebenswerte Marotte, ständig Grenzen zu überschreiten.
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