Vielfalt statt Frust
So viel Freiheit und Flexibilität machen die Kämpfe zum Highlight von Rise of the Ronin. Wer will, arbeitet sich tief in Kombos und Kampfstile ein oder geht jeden Konflikt taktisch an - auf den höheren Schwierigkeitsgraden wird das dann zum Muss. Beispielsweise könnt ihr euch oft schleichend nähern und Gegner lautlos ausschalten, um nicht überrannt zu werden. Per Gleiter und Greifhaken nutzt ihr zudem das Gelände für euch und greift von oben an.
Bei vielen Missionen stehen euch zudem eure Gefährten als KI-Begleiter zur Seite. Ihr wechselt direkt im Kampf fließend zu ihnen, was euch neue Waffen und strategische Möglichkeiten eröffnet - sowie eine zweite Chance, wenn ihr sterbt. Wahlweise dürft ihr hier auch bis zu zwei andere Spieler oder Spielerinnen hinzuholen, direkt in der Open World können sie euch aber nicht begleiten. Der Koop beschränkt sich auf das Missionsgebiet.
Gebt ihr trotz allem den Löffel ab, sind die Checkpoints aber sehr fair gesetzt - ihr beginnt meist direkt vor dem Kampf erneut und müsst nicht die Mission wiederholen. Ihr verliert nur Karma, das ihr in Fähigkeitenpunkte umwandeln könnt. Sterbt ihr erneut, ist es futsch, allerdings verdient ihr euch ohnehin überall in der Welt mehr als genug Punkte, sodass das kaum ins Gewicht fällt.
Als einzige wirkliche Kritik an den Kämpfen bleibt die maue Gegnervielfalt. Da Rise of the Ronin auf ein historisches Setting setzt, begegnen euch keine Monster oder Sagengestalten. Ihr seid auf menschliche und tierische Widersacher beschränkt, die zwar trotzdem ein großes Repertoire an Angriffen und Waffen auffahren, aber eben nicht mit Riesenschlangen oder flammenden Dämonenrädern vergleichbar sind.
Habt ihr viele Feinde vor euch, könnt ihr sie erstmal aus der Distanz mit Pfeil und Bogen (lautlos) oder mit Gewehr (laut aber effektiv) bearbeiten. Oder ihr schleicht und schaltet sie nacheinander aus der Nähe aus.
Ein zugängliches Soulslike
Rise of the Ronin verfügt über insgesamt vier Schwierigkeitsgrade, von denen ihr einen als Endgame nach der Hauptgeschichte freischaltet. Der normale und harte Schwierigkeitsgrad eignet sich für Veteranen, die schon Nioh oder Sekiro gemeistert haben, während Anfänger über die Story-Variante gnädiger an das Spielprinzip herangeführt werden.
Zusätzlich bietet Rise of the Ronin noch viele weitere Anpassungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel automatische zusätzliche Angriffe oder eine Zielhilfe. Wer will, kann sich also mehr Spielraum für Fehler zugestehen, ohne viel bei der eigentlichen Spielerfahrung einzubüßen. Denn selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad müsst ihr Konter und Kampfstile lernen - nur nicht perfektionieren.
Einsteiger-Soulslike mit optischen Schwächen
Wie sehr euch Rise of the Ronin begeistern kann, steht und fällt also mit den Kämpfen und damit, wie sehr euch das ungewöhnliche Szenario begeistern kann. Bei dem müsst ihr allerdings ebenfalls ein Auge zudrücken. Denn das Samurai-Spiel bietet zwar wirklich vielseitige und hübsch anzusehende offene Areale, kann aber nicht mit aktuellen PS5-Titeln mithalten.
Selbst ein PS4-Spiel wie Ghost of Tsushima stiehlt ihm optisch die Show, was Detailgrad und Atmosphäre der Spielwelt angeht - falls ihre eure Erinnerung auffrischen wollt, findet ihr hier den Test unserer GamePro-Kollegen zu Ghost of Tsushima. Eine PC-Version ist inzwischen aber auch angekündigt.
Trotzdem ist Rise of the Ronin keineswegs hässlich: In Yokohama reihen sich westliche Bauten neben japanische Tempelanlagen, während ihr in Edo Felder aus weißen Blumen durchstreift oder sogar Orte wie Ueno oder Asakusa besucht, die man aus dem modernen Tokio kennt - inklusive ihrer Schreine und anderer Wahrzeichen.
Äste voller Kirschblüten wiegen sich im Abendrot, der Regen peitscht auf Geishas im bestickten Kimono herab, die hastig Schutz suchen und Fackel tragende Banditen schleichen nachts durch die Reisfelder. Wetter- und Zeitenwechsel sorgen trotz allem für Stimmung und die einzelnen Schauplätze sind interessant und vielfältig gestaltet - gerade Rüstungen, Waffen und Charaktere bestechen zudem mit viel Sinn für Details.
Die Entwickler geben sich sichtlich Mühe, das meiste aus ihrer Welt herauszuholen, können die technischen Schwächen aber nicht ganz verbergen.
Von den drei Grafik-Modi empfehle ich den auf FPS ausgelegten, weil er die Kämpfe am flüssigsten darstellt. Die anderen beiden ruckeln im Gefecht leider und machen optisch kaum einen Unterschied - nicht mal die Raytracing-Variante. Die Umgebungen wirken meist seltsam steril und gleichförmig und gerade in der Ferne nimmt der Detailgrad deutlich ab.
Einen PS5-Augenschmauß habt ihr also nicht vor euch, aber dafür ein spielerisch bombastisches Action-Rollenspiel, dass der Open-World-Konkurrenz zumindest in diesem Bereich die Show stiehlt. Gerade, wenn ihr bislang Soulslikes gegenüber aufgrund der Schwierigkeit skeptisch wart, könnte Rise of the Ronin die perfekte Einstiegsdroge sein. Denn Team Ninja bemüht sich sichtlich um ein breiteres Publikum, ohne dabei die Vielfalt und Eleganz einzubüßen, die die fordernden Kämpfe überhaupt erst so magisch macht.
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