Scum - Suizid als Feature: Diese Geschmacklosigkeit hat Scum nicht nötig!

Unser Autor findet, dass Scum schon genug Kontroversen hatte. Zumal im Kern ein gutes Spiel steckt, das kein Selbsttötungs-Feature als Eyecatcher braucht.

von Christian Just,
01.10.2018 14:56 Uhr

In der extremen Welt von Survivalspielen gehören harte Entscheidungen einfach dazu. Töten oder getötet werden, davon lebt das Genre unter anderem. Selbst Kannibalismus ist in manchen Titeln eine Alternative, wenn es keinen anderen Ausweg zu geben scheint. Die Begründung der Macher: Schließlich geht es Menschen in echten Überlebenssituationen auch nicht anders, ist also realistisch. Ich finde aber, das befreit Entwickler nicht von ihrer Verantwortung gegenüber den Spielern.

Für mich besteht beim Thema Suizid eine dieser Grenzen. Selbst seriöse Tageszeitungen berichten nicht über Selbsttötungen, weil sie Nachahmer befürchten. Denn wie der Werther-Effekt beschreibt, steigen die Suizidraten, weil sich Menschen von entsprechenden Nachrichten inspirieren lassen.

Dennoch erhält das Survivalspiel Scum von Gamepires und Croteam ein Suizid-Feature, wie es schon beim Vorbild DayZ Einzug hielt und uns auch dort zu einer kritischen Kolumne anregte. Wer sich in Scum selbst umbringt (und dafür gibt es aus spielerischer Sicht gute Gründe), wird mit recht drastischen Animationen »belohnt«.

Scum - Grausiges Update: Maske aus Menschenhaut & Suizid-Animationen

Ich frage mich: Hat Scum das nötig? In einem Spiel, das Stand jetzt Kannibalismus nicht bestraft und Körperfunktionen bis zum Gang auf die Toilette simuliert. Da sollten doch schon genügend Skandal-Argumente drin stecken, um selbst skandalhungrigste Marketingmenschen zufriedenzustellen, oder?

Dabei soll sich Gamepires bitte bloß nicht auf die »realistische Darstellung von Überleben« berufen. Diese Ausrede lasse ich nicht gelten, denn spätestens bei einer wissenschaftlich nachgewiesenen Gefahr für das Wohl von Menschen sollte Schluss sein. Und diese Gefahr gibt es einfach, siehe Werther-Effekt weiter oben. Nicht Zensur ist hier das große Schlagwort, sondern Verantwortung und Respekt.

Also empfehle ich den Entwicklern, nochmal tief in sich zu gehen und zu überlegen, ob es das wirklich wert ist. Es braucht nicht immer erst einen Shitstorm, um auf die Idee zu kommen, das Richtige zu tun.

Wenn ihr selbst über Suizid nachdenkt oder jemanden kennt, ist nichts wichtiger, als mit jemandem darüber zu sprechen. Wenn ihr euch nicht Freunden und Verwandten anvertrauen möchtet, könnt ihr euch anonym, rund um die Uhr und kostenlos an die Telefonseelsorge wenden unter 0800/111 0 111.

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