Sexismus-Debatte um Rust: Wer das verharmlost, macht sich mitschuldig

Der aktuelle Twitch-Skandal zeigt für Heiko, wie wichtig es auch 2021 ist, für ein respektvolles Miteinander einzustehen und vor allem einfach mal nur zuzuhören.

von Heiko Klinge,
13.01.2021 17:39 Uhr

Ich kann es echt nicht mehr lesen: War doch nur Spaß! Das ist halt das Internet! Die soll sich mal nicht so anstellen! Und noch weitaus Schlimmeres, was ich hier nicht zitieren möchte, bis hin zu widerlichsten Vergewaltigungswünschen.

Auf Twitter ist eine Sexismus-Debatte entbrannt. Entzündet hat sich das Ganze an einer gemeinsam Rust-Partie vieler prominenter deutscher Livestreamer, in deren Verlauf sich der männliche Teilnehmer daannyy gegenüber der weiblichen Streamerin Tinkerleo massiv und sexistisch im Ton vergriff. Die beiden führten später ein klärendes Gespräch, sie nahm seine Entschuldigung an, Thema erledigt … sollte man meinen.

Stattdessen wurde der dämliche Spruch nun als Hashtag und Meme missbraucht und ein rechtspopulistisches Trollnetzwerk attackierte auf Twitter gezielt Streamer, die sich öffentlich gegen Sexismus positionierten, darunter HandOfBlood oder PietSmiet.

Auf die ganzen Details gehe ich bewusst nicht ein, denn für den Kern meiner Kolumne tun sie nichts zur Sache. Mir geht es um etwas viel Grundsätzlicheres: Belästigung fängt dort an, wo für andere der Spaß aufhört - so einfach ist das. Jede Person hat individuelle Grenzen, diese gilt es zu respektieren. Und dafür braucht es nur etwas ganz Simples: Zuhören.

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Die Verantwortung der Privilegierten

Nur wer zuhört, kann auch verstehen. Gefühlt 90 Prozent der Debatte wird gerade wieder von Menschen geführt, die noch nie ein Opfer von Sexismus oder Cyber-Mobbing waren. Und ja, das gilt auch für mich. Als weißer, heterosexueller, gutverdienender Mann gehöre ich zu den Privilegierten dieser Gesellschaft. Zu denjenigen, die noch nie von echter Diskriminierung betroffen waren.

Mit welchem Recht soll ich mir also anmaßen zu beurteilen, was man »ja wohl noch sagen dürfe«, nur ein Witz sei und doch bitteschön niemand ernst nehmen könne? Als jemand, der noch nie ein Opfer von Sexismus war, kann ich schon per Definition nicht wirklich nachvollziehen, wie sich so etwas anfühlt. Aber was ich kann: zuhören, versuchen zu verstehen, mein eigenes Verhalten hinterfragen, Hilfe anbieten.

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Natürlich stehen hier Medienvertreter, Influencer und Prominente in einer besonderen Verantwortung. Mit ihren Reichweiten beeinflussen sie maßgeblich, wie eine Diskussion geführt wird. Mich frustriert, schockiert und beängstigt, wie viele auf Twitter die Geschehnisse rund um den Rust-Stream verharmlosen, sich darüber lustig machen oder sogar mit gezielten Provokationen Reichweite und Follower generieren.

Und es lässt mich noch mehr darüber nachdenken, wie es in dieser Hinsicht um GameStar.de steht und was wir alle gemeinsam noch mehr dafür tun können, dass sich alle auf unserer Website und in unserer Community willkommen fühlen.

Die Verantwortung von GameStar

Zur Wahrheit gehört nämlich auch: Fast ein Fünftel unserer Reichweite verdanken wir inzwischen Spielerinnen, in den Kommentaren und im Forum ist ihre Präsenz allerdings deutlich geringer. Dafür gibt es Gründe. Etwa sexistische Kommentare wie »Schuhe passend zum Gewehr. Oder andersrum. Und vor dem Kampf noch schnell zum Frisör!« Widerliche Äußerungen wie »Wäre die Alte nicht so hässlich, wäre das Beinespreizen sogar geil.« Selbst vor solch einer Direktnachricht wird nicht zurückgeschreckt: »Fick dich, du hässliche Schlampe. Verrecke!«

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Natürlich werden wir hier sofort aktiv, sperren die jeweiligen User und bringen juristische belangbare Fälle zur Anzeige. Gesehen werden solche Kommentare trotzdem, selbst wenn sie nur wenige Minuten online sind. Wir verstehen jede Userin, die sich in einem Klima, in dem solche Sprüche gemacht werden, unwohl fühlt. Und das ist kein Zustand, mit dem wir als Redaktion und auch als Community zufrieden sein können. Es liegt an uns allen, daran zu arbeiten, das zeigt das abschreckende Rust-Beispiel mehr als deutlich.

In unserem GameStar-Kodex haben wir uns zu diesem Thema eindeutig positioniert:

"Wir halten Werte wie Toleranz, Menschlichkeit und Respekt für die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens und unserer Arbeit. Hass auf Homosexuelle, Frauenfeindlichkeit oder rassistisch gefärbte Vorurteile - wer denkt, so etwas sei salonfähig, hat auf keinem unserer Kanäle etwas verloren. Wir wollen eine Plattform bieten für offene, freundschaftliche und respektvolle Diskussionen."

Wir wissen: Die überwiegende Mehrheit unserer Community sieht das genauso. Und wir arbeiten gemeinsam mit unserem Moderatorenteam jeden Tag daran, dieses Kredo in unseren Kommentaren auch um- und durchzusetzen. Aber wir wissen ebenfalls, dass wir es angesichts von rund 3.000 Kommentaren und Forenpostings pro Tag nie allein schaffen können. Sondern wir brauchen eure Hilfe, eure Zivilcourage, eure Empathie.

Heißt Neulinge willkommen! Führt gern kontroverse, aber stets respektvolle Diskussionen. Verhaltet euch anderen gegenüber so, als würdet ihr nicht in der (vermeintlichen) Anonymität des Internets kommunizieren, sondern euch im realen Leben bei einem Käffchen oder Bierchen gegenübersitzen. Zeigt Verständnis, falls sich jemand verletzt fühlt, hört zu und bittet um Entschuldigung - selbst wenn ihr es vielleicht auf Anhieb nicht verstehen solltet.

Letztlich verbindet uns doch alle die Leidenschaft für Spiele. Und das Schöne an unserem Hobby ist gerade, dass Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder Herkunft im wahrsten Sinne des Wortes keine Rolle spielen. Im Gegenteil: Kein anderes Medium macht es uns so einfach, Grenzen zu überwinden, aufeinander zuzugehen, - ja - sogar Fremde zu Freunden werden zu lassen. Das geht in Rust, und es geht erst recht auf GameStar.de.

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