Silksong - ein Name, dem Spielefans momentan nicht entrinnen können. Gefühlt überall wird über den Indie-Hit berichtet. Das Sequel zu Hollow Knight dominiert auf Social Media, wird in Nachtschichten von Magazinen auf Herz und Nieren getestet (auch von uns) und zwingt andere Publisher dazu, ihre Titel kurzfristig zu verschieben.
Warum ist Silksong so ein Phänomen? Ich analysiere für euch das Fundament des gigantischen Hypes. Als Experte habe ich eine klare Meinung: An der Qualität des Spiels selbst liegt es nicht.
Die drei Säulen des Hypes
Es ist keine neue Beobachtung in der Spielebranche, dass Qualität und Hype eines Spiels selten Hand in Hand gehen. In Zeiten von Social Media, Influencern und Streaming sind die kommerziellen Erfolgsfaktoren für einen Titel ganz andere als noch vor zehn Jahren, vor allem im Indie-Segment.
Wer Glück hat und ein gutes Release-Timing erwischt, wird zum Star. 2025 ist das vor allem dem Koop-Kletterspiel Peak gelungen, das zum Liebling vieler Twitch-Streamer avancierte und sich durch den resultierenden Hype millionenfach verkauft hat.
Jetzt also Silksong. Das Spiel, das wie kaum ein anderes in den vergangenen Jahren als Synonym für riesigen Hype stand. Spätestens seit unserem GameStar-Test wissen wir: Silksong ist fantastisch, aber kein Meisterwerk. Kein Spiel, das rein qualitativ die enorme Menge an Staub wert ist, den es aufwirbelt.
Woran liegt der Hype denn dann? Ich nenne euch die drei maßgeblichen Faktoren.
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Das lange Warten hat sich gelohnt - Hollow Knight Silksong ist zum Verlieben
Die Wartezeit
Beginnen wir mit dem offensichtlichsten Grund: Auf Silksong mussten wir über sechs Jahre lang warten. Hinzu kommt, dass das Entwicklerduo Team Cherry in dieser halben Dekade auf Kommunikation mit den Fans in etwa so viel Lust hatte, wie unsereins auf eine Weisheitszahn-OP. Durch die Funkstille und die scheinbar endlose Warterei entstand im Laufe der Jahre eine enorme Erwartungshaltung an das Spiel.
Silksong - das war dieser sagenumwobene Titel, auf den gefühlt alle
warteten. Der Videospiel-Messias, der eines Tages vom Himmel herabsteigen wird. Spätestens bei der nächsten Nintendo Direct. Oder den Game Awards. Oder dem Summer Game Fest. Oder der nächsten Nintendo Direct. Oder …
Der Fan-Treff auf Reddit wurde selbst eine kleine Berühmtheit und zum Quell unzähliger Memes. Immer, wenn Silksong erneut verschoben wurde, vergrößerte sich die Erwartungshaltung noch etwas mehr. Die Enthüllung des Release-Termins war dann ein gelöster Pfropf und der angestaute Hype ergoss sich über das Internet.
Der Vorgänger
Die lange Wartezeit wurde zum Katalysator des zweiten Hype-Faktors: der geniale Vorgänger. Das als Kickstarter-Kampagne gestartete Hollow Knight erschien im Februar 2017 und verkaufte sich zunächst ordentlich. Bis 2019 gingen über eine Million Exemplare über die virtuelle Ladentheke, die Mund-zu-Mund-Propaganda war sehr positiv. Hollow Knight mauserte sich zum Publikumsliebling.
Jahr um Jahr verging. Kein Silksong war in Sicht. Der Hype um das Spiel wuchs und dadurch auch das Interesse am Vorgänger. Zwischen 2019 und 2025 verkaufte sich Hollow Knight weitere 14 Millionen Mal, also um ein Vielfaches besser, als vor dem ganzen Rummel um Silksong.
Um die Wartezeit zu überbrücken, wurde Hollow Knight rauf und runter gespielt. Der Effekt: Der Hype um Silksong wuchs und wuchs, weil der Vorgänger so gut war. Fans malten sich aus, wie viel besser das Sequel bestimmt noch werden würde.
Der Preis
Nur wenige Tage vor dem Release von Silksong ließ Team Cherry die Marketing-Bombe platzen: Das inhaltlich riesige Spiel wird nur 20 Euro kosten. Die dritte und abschließende Hype-Säule war somit errichtet.
Statt den offensichtlichen Weg zu gehen und aus dem Ansturm mit einem saftigen Verkaufspreis von 50 Euro aufwärts Kapital zu schlagen, entschieden sich die Entwickler anders. Die offizielle Begründung: Jeder solle Silksong spielen können, auch Fans mit knappen Finanzen.
Ob Wahrheit oder nicht, die Wirkung setzte voll ein: Silksong erschien am 4. September 2025 und der Trubel war immens. Alte Fans schlugen sofort zu, potenziell neue Fans ebenfalls. Viele neugierige Spieler kauften sich den Titel, um mal reinzuschauen
- kostet ja nur 20 Euro!
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Hollow Knight Silksong: 10 Minuten Gameplay aus unserer Testversion
Silksong ist zu nah an die Sonne geflogen
Die lange Wartezeit, der populäre Vorgänger, der niedrige Preis - alle drei maßgeblichen Faktoren für den Hype haben nichts mit Silksongs spielerischen Qualitäten zu tun.
Wenig überraschend geschieht nun das, was fast jedem hochgepuschten Spiel blüht: Silksong kann die unrealistisch hohen Erwartungen nicht erfüllen. Negative Kritik kommt auf. Die Wachsflügel des Indie-Ikarus beginnen zu schmelzen.
Zu schwer, zu anders, zu kompliziert - viele negative User-Reviews auf Steam und Co. beschweren sich vor allem über den heftigen Anspruch von Silksong. Der im Vorfeld mit bergeweise Vorschusslorbeeren überhäufte Liebling ist plötzlich der Buhmann, der Fans falsche Versprechungen gemacht haben soll.
Aber hat Silksong das wirklich? Auch zu dieser Frage habe ich eine klare Meinung samt passender Analyse parat. Denn ich sage: Nein, Silksong ist nicht zu schwer. Der Fehler liegt ganz woanders!
Mein Fazit klingt wie der Schlusssatz eines Märchens: Und die Moral von der Geschicht': Zu viel Hype verträgt sich nicht.
Silksong ist ein sehr gutes Spiel geworden, das seinen angekratzten Ruf dank kostenloser DLCs in Zukunft wahrscheinlich noch stark verbessern wird. Der erhoffte Mega-Hit ist jedoch nicht entstanden und sowohl die Entwickler als auch wir leidenschaftlichen Fans haben einen Teil dazu beigetragen, dass die Erwartungshaltung einfach zu hoch war, um sie erfüllen zu können.
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