Bethesda hat es momentan nicht leicht. Mit der Starfield-Erweiterung Shattered Space wollte das amerikanische Entwicklerstudio Ende September endlich die große Wende für sein Weltraum-Rollenspiel einläuten und das verspielte Vertrauen bei der Community zurückholen.
Doch dieses Vorhaben darf man getrost als gescheitert betrachten. Auf Steam sind die Rezensionen für das Addon größtenteils negativ, auch unser Tester Tillmann Bier bemängelte, Shattered Space biete einfach viel zu wenig Inhalte und lege in puncto Story sogar eine traurige Bauchlandung hin:
Doch auch schon vor dem Release von Shattered Space war Bethesda weit von seinen alten Stärken entfernt. Praktisch alle inhouse entwickelten Spiele der letzten Jahre waren zum Start von Bugs geplagt, den traurigen Höhepunkt erreichte die Fehler-Seuche bei Fallout 76, das anfangs quasi als unspielbar galt.
Und obwohl sich die Lage sowohl bei Fallout 76 als auch allen anderen Bethesda-Rollenspielen mit der Zeit deutlich besserte, wird die Community niemals müde, mit aller Häme über die Bugs in Bethesda-Titeln herzuziehen. Davon zeugen Hunderte von Compilation-Videos auf YouTube:
Link zum YouTube-Inhalt
Bugs sind unvermeidlich
Bruce Nesmith kann die Aufregung um die Bugs allerdings nicht so recht nachvollziehen. Der Entwickler ist ein Bethesda-Urgestein und hat bereits an Oblivion, Fallout 3 und 4 mitgearbeitet. Bei Skyrim war Nesmith sogar leitender Spieldesigner. Mit fast 30 Jahren Erfahrung in der Videospiel-Industrie kennt er sich bestens mit der technischen Funktionsweise von Rollenspielen aus.
Im Interview mit dem britischen Magazin VideoGamer hat der Bethesda-Veteran erklärt, dass es bei Spielen dieser Größenordnung und Komplexität zwangsläufig Bugs gebe:
Wenn Entwickler ein Spiel veröffentlichen, kennen sie die meisten Fehler. Das sind keine Geheimnisse. Klar, hin und wieder gibt es einen Bug, bei dem man denkt: Heilige Scheiße, ich wusste nicht, dass das passieren würde, aber meistens weiß man es.
Bethesda-Spiele sind so groß, so komplex, weil man so viele funktionierende Elemente hat, die versuchen, miteinander zu interagieren, dass eine fehlerfreie Veröffentlichung praktisch unmöglich ist. Es gibt kein Spiel auf dem Markt, das frei von Fehlern ist.
Die Frage sei, wie man als Entwickler darauf reagiert. Wollen wir das Spiel sechs weitere Monate liegen lassen, um es zu polieren?
Allerdings gibt Nesmith zu bedenken, dass das Endprodukt auch dann nicht perfekt sei: Irgendwann muss man einfach die Entscheidung treffen, zu veröffentlichen, auch wenn man noch eine lange Liste mit 700 bekannten Fehlern hat.
Jede Verschiebung habe nämlich einen Preis.
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Warum Bethesdas »Community-Liebe« seit 10 Jahren Geld kostet
Eine andere Erwartungshaltung der Spieler
Früher sei das nicht weiter schlimm gewesen, da Spiele wie Oblivion wegen ihrer großen spielerischen Freiheit revolutionär gewesen seien. Da stört es die Spieler nicht weiter, wenn ein NPC dauernd gegen die Wand rennt und sie vergeben dir, dass dein Spiel noch einige Macken hat.
Die Erwartungshaltung der Spieler sei heute allerdings eine deutlich andere als vor 18 Jahren. Die Kunden von heute würden häufig makellose Produkte ohne einen einzigen Bug erwarten. Das sei so schlichtweg nicht umsetzbar. Nesmith gibt aber zu, dass die Bethesda-Produkte ein wenig mehr Feinschliff
vor ihrem Release vertragen könnten. Und vielleicht könnte auch ein ehrlicheres Marketing helfen, die Erwartungen der Spieler zu managen.
Vielleicht sollten wir mit den unvermeidlichen Bethesda-Bugs also endlich Freundschaft schließen und aufhören, uns darüber aufzuregen? Einige der Glitches sind zudem ja ganz lustig und lassen sich exploiten, um innerhalb der Spiele gewisse Vorteile zu erlangen - wir erinnern uns nur mal an die sichtbaren Händler-Truhen bei Skyrim.
Auf der anderen Seite wäre es jedoch wünschenswert, wenn Bethesda bei seinem nächsten Großprojekt, The Elder Scrolls 6, nicht die Bugs aussitzt, weil sie sich sowieso nicht vermeiden lassen. Stattdessen sollte das Studio gerade in diesem Wissen auf den letzten Entwicklungs-Metern nochmal alle Kräfte mobilisieren, um uns einen möglichst störungsfreien Ausflug nach Hammerfell zu gewährleisten.

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