State of Decay: Schwere Vorwürfe gegen Entwicklerstudio Undead Labs

Im Studio hinter dem Survivalspiel State of Decay sollen Sexismus und Mobbing zur Tagesordnung gehören, wie mehrere Teammitglieder berichten.

von Géraldine Hohmann,
04.04.2022 18:11 Uhr

Undead Labs sieht sich derzeit mit schweren Vorwüfen konfrontiert. Das Studio hinter dem Zombiespiel State of Decay arbeitet aktuell dritten Teil seiner Survival-Reihe und ist seit 2018 eine Tochterfirma von Microsoft. Laut einem Bericht von Kotaku, bei dem 12 ehemalige und derzeitige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt wurden, kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Fällen und Sexismus und Diskriminierung im Team.

Das wird Undead Labs vorgeworfen

Laut der Mutterfirma Microsoft wurden 2021 zahlreiche neue Mitarbeiter bei Undead Labs eingestellt, von denen 42 Prozent weiblich oder divers waren und 29 Prozent einer ethnischen Minderheit angehörten. Die von Kotaku befragten Teammitglieder berichten aber, dass dieses diverse Team nicht genug zu einer inklusiven Unternehmenskultur beigetragen hätte: »Es hat sich in den letzten sechs Monaten verbessert, aber das Studio stellte eine Menge diverser Talente ein, die es nicht angemessen unterstützte.« Ein anderer ehemaliger Mitarbeiter erzählt im Interview:

»Als ich mein Bewerbungsgespräch hatte, wurde mir die Idee eines sich wandelnden Studios verkauft, das Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion zu seiner Top-Priorität machte. Tatsächlich zeichnete die Führungsebene dieses Bild für Microsoft, während Frauen immer wieder ignoriert, nicht ernst genommen, unterbrochen und beschuldigt wurden.

Die Meinung von Frauen wurde völlig abgelehnt, selbst für extrem simples Coding- oder Spielewissen. Niemand hörte ihnen zu, selbst Frauen in Führungspositionen wurden ignoriert, unterbrochen und für Probleme verantwortlich gemacht.«

Ein männlicher Mitarbeiter soll während eines Meetings sexistische Kommentare gemacht haben wie: »Du siehst heute nicht so hübsch aus wie sonst« und »Ich bin überrascht, dass ein Mädchen wie du diesen Job hat.«

Es sollen spezielle Meeting-Regeln aufgestellt worden sein, um derartiges Verhalten zu verhindern, die allerdings nicht geholfen hätten. Einige der Befragten beschuldigen außerdem Studiochef Philip Holt der Vetternwirtschaft im Unternehmen, da er mehrfach gute Freunde zu gehobenen Positionen verholfen haben soll. Zudem soll Holt zwei Mitarbeiterinnen aus ihrer Führungsposition gedrängt haben, indem er zwei Männer über ihnen in der Hierarchie einstellte und ihre Jobs so obsolet machte.

Zum Vorwurf der Vetternwirtschaft äußerte sich Microsoft gegenüber Kotaku mit einem Statement: »Es gibt einen strengen und standardisierten Einstellungsprozess bei Undead Labs für alle potenziellen Neueinstellungen, mit Sichtbarkeit und einer Prüfung durch mehrere Studio-Mitglieder.«

Einer der Befragten erzählt gegenüber Kotaku: »Es gab keine sichtbare Intervention oder Unterstützung von Microsoft. Aus meiner Perspektive wurde nichts besser, die Dinge wurden nur noch immer schlimmer.«

Im Falle der Ori-Macher Moon Studios entschied sich Microsoft kürzlich, die Zusammenarbeit zu beenden, nachdem dem Entwickler Diskriminierung, Sexismus und Rassismus vorgeworfen wurde.

Wenn ihr euch mit diesem komplexen Thema noch tiefer befassen wollt, empfehlen wir euch unseren umfangreichen Report, der sich dem Thema Sexismus in der Spielebranche angenommen hat:

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