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Streets of Rage 4 im PC-Test: Genau so ein Spiel haben viele Actionfans seit 26 Jahren vermisst

Kann ein Spielkonzept 26 Jahre nach dem letzten Teil der legendären Prügelspiel-Reihe noch zünden? Aber sowas von! Wenn ihr denn wisst, worauf ihr euch einlasst.

von Kai Schmidt, Heiko Klinge,
04.05.2020 14:45 Uhr

Von links nach rechts laufen und ordentlich Backenfutter verteilen, das war's. Streets of Rage 4 beweist, dass simple Haudrauf-Action im Stil der 90er auch heute noch blendend unterhalten kann. Von links nach rechts laufen und ordentlich Backenfutter verteilen, das war's. Streets of Rage 4 beweist, dass simple Haudrauf-Action im Stil der 90er auch heute noch blendend unterhalten kann.

Wir hatten ja nichts damals. 3D kannten wir nur als weiße Vektorstriche vor schwarzem Hintergrund, unser Joystick besaß gerade mal eine Taste (mit Mikroschalter!) und Speichern ging in vielen Spielen nur, wenn man die Funktion per Action-Replay-Modul quasi ercheatete. Und in Prügelspielen durfte man erst weitergehen, wenn alle Gegner ihr Backenfutter bekommen hatten. War halt so, haben wir logisch nie hinterfragt.

Wer jetzt nostalgisch seufzt, der bekommt mit Streets of Rage 4 die unserer Meinung nach beste Liebeserklärung an die »gute alte Prügelspiel-Zeit« seit Jahren. Wer nach dem Lesen dieser Einleitung allerdings nur verständnislos mit den Schultern zuckt und sich fragt, wovon die offenkundig alten Autoren dieses Textes da gerade faseln, wird sich mit diesem durch und durch klassischen Beat 'em up deutlich schwerer tun. Dem Phänonem der Nostalgiebrille haben wir uns auch ausführlich in einem Plus-Report gewidmet:

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Warum wir so auf der Nostalgiewelle rumreiten: Weil Streets of Rage 4 beeindruckend konsequent und kompromisslos an den direkten Vorgänger anknüpft, und der hat inzwischen satte 26 Jahre auf dem Buckel. Auffälligster Unterschied ist noch die Grafik: Statt des sehr japanischen Pixel-Zeichenstils der Vorgänger präsentiert sich der vierte Teil in einem europäisch angehauchten Cartoon-Stil, der zunächst für Serienfans so gar nicht zu Streets of Rage passen will.

Was aber auf den ersten Blick beinahe wie ein billiges Flash-Spiel anmutet, offenbart schon nach den ersten paar ausgeteilten Ingame-Schlägen den perfekt herübergeretteten Geist der Vorgänger.

Streets of Rage 4 - Bilder aus der PC-Version ansehen

Wie entstand dieser Test?

Unser GameStar-Test zu Streets of Rage 4 basiert auf dem GamePro-Artikel des geschätzten Kollegen und Prügelspiel-Experten Kai Schmidt, der Streets of Rage 4 auf der PS4 Pro komplett durchgespielt hat. Co-Autor Heiko Klinge hat sich mehrere Stunden lang die PC-Umsetzung in der Windows-Store-Version angeschaut und den Artikel um entsprechende Infos angepasst und erweitert.

Warum eine niedrigere Wertung als bei GamePro?

Auch wenn wir uns mit den Kollegen super verstehen, sind wir nicht immer einer Meinung. Wir halten Streets of Rage 4 zwar ebenfalls für einen exzellenten Nostalgietrip in die Prügelspiel-Vergangenheit, finden aber schon, dass es sich auch mit modernen Beat 'em ups wie etwa Devil May Cry 5 (GameStar-Wertung: 83) messen muss. Entsprechend unterscheidet sich auch unser Wertungskasten von den Kollegen.

Nostalgiereise in die 90er

Streets of Rage 4 ist wie viele der scrollenden 90er-Jahre-Prügler im Grunde eine simple Angelegenheit: Ihr sucht euch einen Charakter aus, um von links nach rechts durch die Levels wandernd böses Gesindel zu verdreschen. Das kann schnell langweilig werden, wenn der Entwickler nicht für Abwechslung und Überraschungen sorgt.

Ganz der Tradition entsprechend schickt euch der vierte Teil auf der Jagd nach dem missratenen Nachwuchs von Serienbösewicht Mr. X durch zwölf thematisch unterschiedliche Levels, die mit rund 10 bis 20 Minuten nicht zu kurz und nicht zu lang sind. Einige davon sind mit umgebungsspezifischen Fallen gespickt, etwa Giftwolken sprühende Ventile in der Kanalisation, und immer wieder erwarten euch zusätzlich zur generischen Handlangerauswahl neue Gegnertypen. So trefft ihr beispielsweise in Chinatown auf Kampfsportmeister und müsst euch im Bürogebäude mit breitschultrigen Bodyguards herumplagen, die fieserweise schon mal ihre Kanone ziehen.

Um bei zehn Gegnern und fünf Fallen auf dem Monitor noch alles unter Kontrolle zu haben, empfehlen wir dringend ein Gamepad. Streets of Rage 4 erlaubt zwar eine freie Tastenbelegung, spätestens im Koop-Modus stoßt ihr damit aber an eure Grenzen. Ansonsten sind uns bei der PC-Umsetzung keinerlei Probleme aufgefallen, die Action lieft selbst auf unserem Mittelklasse-Rechner konstant flüssig.

Die PC-Menüs: Grafik Die Grafikeinstellungen von Streets of Rage 4 beschränken sich in der Windows-Store-Version auf ein Minimum, selbst die Auflösung ist vorgegeben – sie richtet sich nach eurem verwendeten Monitor (bis zu 4k).

Tastenbelegung Sowohl beim Gamepad als auch bei der Tastatur könnt ihr jede Taste frei belegen. Das Spiel erkennt automatisch, welches Eingabegerät ihr verwendet und passt entsprechend die Bildschirmanzeigen an.

Jede der vier zu Beginn auswählbaren Figuren spielt sich ein wenig anders. So ist Axel Stone ein guter Allrounder, mit dem auch Einsteiger schnell zurechtkommen. Die zierliche Cherry Hunter kompensiert schwächere Angriffe mit Agilität. Blaze Fielding liegt irgendwo dazwischen, und Floyd Iraia ist der langsame, aber dafür unglaublich starke Tank der Truppe. Im Lauf des Spiels schaltet ihr zudem noch Adam Hunter, der zusammen mit Axel und Blaze das Heldentrio des ersten Teils bildete, sowie weitere klassische Figuren frei.

Kostenlos für Game Pass Abonnenten

Streets of Rage 4 ist direkt zum Release im Xbox Game Pass enthalten, auf auf dem PC. Solltet ihr ein Abo besitzen, könnt ihr das Prügelspiel also ohne zusätzliche Kosten über den Windows Store oder die Xbox App runterladen. Das Spiel unterstützt Cross-Save und Crossplay, allerdings nur zwischen Xbox- und Windows-Store-Version. Mit der Steam- oder GOG-Version funktioniert dies nicht.

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Zwischen Kombo-Lust und Checkpoint-Frust

Das Spiel führt euch angenehm an seine Prügelmechaniken heran. Durch die ersten Abschnitte kommt ihr noch, indem ihr einfach draufloskloppt. Dann werden die Gegner zahlreicher und ihr experimentiert mit Combos, um ein höheres Rating nach Abschluss des Levels zu ergattern. Dazu kommen Special-Moves wie Axels Flammenschlag sowie die Möglichkeit, Gegnern besonders viel Energie abzuziehen, wenn ihr dafür etwas eigene Gesundheit opfert.

Und spätestens wenn ihr beim Bossgegner angekommen seid, der euch die Qualle aus dem Drömel prügelt, werdet ihr neugierig, was es mit den ominösen Sternen auf sich hat, die unter eurer Lebensleiste blinken. Das sind Super-Moves, die gleich mehrere Gegner auf einmal treffen. Kenner erinnern sich in diesem Zusammenhang an den ersten Teil, in dem ihr ein Polizeiauto zu Hilfe rufen konntet, das einen Flammenregen auf umstehende Gegner ballerte.

Streets of Rage 4 - Gameplay-Trailer: Eindrücke aus dem nostalgischen Prügelspiel-Sequel. 0:53 Streets of Rage 4 - Gameplay-Trailer: Eindrücke aus dem nostalgischen Prügelspiel-Sequel.

Doch auch die Bosse haben Super-Moves, und eine Polizistin, gegen die ihr antretet, haut euch genau dieses Polizeiauto aus dem ersten Teil um die Ohren. Die gute alte Peitschen-Lady ruft hingegen Handlanger herbei und putscht sie mit … na klar, mit Peitschenhieben auf.

Je weiter ihr im Spiel kommt, desto anspruchsvoller werden die Gegner - ab und zu werdet ihr auf normale Gegner treffen, die zuvor noch Zwischenbosse waren, gegen die ihr euch zuvor mit Ach und Krach behaupten konntet und die nun im Rudel auftreten. Wer hier also nicht ständig lernt und seine Kampftaktik anpasst, wird früher oder später scheitern. Und das kann durchaus frustrieren, da Streets of Rage 4 bewusst auf Checkpoints verzichtet. Wer also beim Endgegner eines Levels scheitert, muss komplett von vorn beginnen.

Spannend, aber potenziell frustig: Wer beim Bosskampf stirbt, muss den kompletten Level von vorn starten. Spannend, aber potenziell frustig: Wer beim Bosskampf stirbt, muss den kompletten Level von vorn starten.

Seht ihr mit den normalerweise zwei Leben (auf dem normalen Schwierigkeitsgrad) kein Land, greift euch das Spiel helfend unter die Arme: Opfert ihr eine gewisse Prozentzahl eurer Punkte, könnt ihr das Level nach einem Continue mit bis zu drei Leben und zusätzlichen Sternen erneut starten. Auch die Spielfigur dürft ihr vor jeder Runde wechseln, wenn ihr möchtet.

Gemacht für Couch-Koop

Halten wir fest: Streets of Rage 4 ist ein äußerst spaßiges Spiel, das nicht unfair wird und euch auch nicht mit Funktionen überfordert. Noch spaßiger wird das Geprügel aber, wenn ihr einen Gleichgesinnten - oder gar drei - für den zünftigen Couch-Koop wie in guten alten 16-Bit-Tagen vor den Fernseher zerrt. Erst in diesem Oldschool-Multiplayer blüht das Spiel genretypisch zu voller Stärke auf. Zur Not (oder wie aktuell bei Kontaktverbot) könnt ihr aber auch auf den Online-Modus ausweichen.

Die eingangs erwähnte Optik des Spiels könnte einige Spieler verschrecken, doch ihr solltet Streets of Rage 4 unbedingt eine Chance geben, wenn ihr auch nur ein Fünkchen Liebe für Brawler alter Schule in euch tragt. Zur Not dürft ihr im Optionsmenü mit den Grafikeinstellungen herumspielen, um etwa einen verpixelten Look zu erhalten, der zwar kein Ersatz für die Bildschirmkunst aus Segas 16-Bit-Zeit ist, aber euch vielleicht etwas über den Cartoon-Stil hinweghilft.

 Streets of Rage 4 variiert clever Level- und Gegnerdesign, sodass wir regelmäßig unsere Kampfstrategie anpassen müssen – im Rahmen der ebschränkten Möglichkeiten natürlich. Streets of Rage 4 variiert clever Level- und Gegnerdesign, sodass wir regelmäßig unsere Kampfstrategie anpassen müssen – im Rahmen der ebschränkten Möglichkeiten natürlich.

Dazu könnt ihr auch die Originalmusik der Klassiker aktivieren. Die neuen Stücke orientieren sich zwar daran, können aber nicht ganz an die Klasse eines Yuzo Koshiro heranreichen, der die Originalspiele vertonte und für den vierten Teil immerhin zwei Tracks beisteuerte. Doch auch wenn ihr die Originaltrilogie nicht kennt und euch all das Retrogequatsche nicht die Bohne interessiert, solltet ihr Streets of Rage 4 eine Chance geben. Es spielt sich wie der Rest der Reihe zeitlos gut und macht einfach Spaß.

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