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Super Blood Hockey im Test - Meister Blöder und sein Puckmuckl

Seit gut zehn Jahren weinen Eishockeyfans jeden Winter Eiswürfelchen, weil die NHL-Reihe nicht mehr für den PC erscheint. Grund genug für uns, eine mögliche Alternative und massenhaft Gegner zu checken: Wir ließen uns vom der Indy-Puckschubserei Super Blood Hockey aufs Glatteis führen.

von Harald Fränkel,
25.01.2018 10:50 Uhr

Laufen die Spieler von Super Blood Hockey in unsere Herzen oder auf dünnem Eis?Laufen die Spieler von Super Blood Hockey in unsere Herzen oder auf dünnem Eis?

Während der Asien-Ozeanien-Meisterschaft der U20-Eishockeyjunioren anno 1998 schoss das südkoreanische Team gegen Thailand durchschnittlich alle 39 Sekunden ein Tor. Am Ende stand das 92:0-Rekordergebnis auf dem Spielberichtsbogen. Der Torhüter des Verlierers ist wohl im Anschluss zum Unterwasserhockey gewechselt, weil da Pipi inne Augen nicht auffällt. Aber ehrlich: Was ist schon ein 92:0? Nix! Ein Fliegenschiss! Im Vergleich zum 254:17 jedenfalls, mit dem Super Blood Hockey derzeit auf Steam für Furore sorgt, wobei das Ergebnis sich auf die positiven bzw. negativen Bewertungen bezieht (Stand bei Redaktionsschluss). Super, da kommt Freude auf, denn die Schwarmintelligenz hat ja immer Recht!

Gewalt ist eine Lösung

Optisch erinnert das vorliegende Indie-Werk an den NES-Titel Ice Hockey von 1988. Klar, Super Blood Hockey kann wegen des arcadelastigen Spielprinzips kein Ersatz für eine NHL-Simulation sein. Das soll es aber auch nicht! Es generiert anders Spaß, durch Chaos und Anarchie: Wenn der PC-Besitzer eine Massenschlägerei anzettelt etwa, diese gewinnt und zur Belohnung in Überzahl spielen darf. US-Präsident Donald Trump würde das wohl als »alternative« Eishockeyregeln bezeichnen. Einer der Gegner ist danach jedenfalls für gewisse Zeit unpässlich. Während der Rest weitermacht, liegt der Loser luschig auf dem Eis herum, einen Sprühregen feinsten Pixelbluts produzierend.

Game-over-Sequenz: Wer ein WM-Spiel vergeigt, wird anschließend hingerichtet - egal welches Team. Im Bild: die Variante für Nordkorea.Game-over-Sequenz: Wer ein WM-Spiel vergeigt, wird anschließend hingerichtet - egal welches Team. Im Bild: die Variante für Nordkorea.

Die ersten ein bis drei Stunden, die man mit Super Blood Hockey verbringt, bescheren PC-Besitzern putzig animierte Pummelchen, die schnell und dennoch unkompliziert über den Bildschirm wuseln. Passen, schießen, checken, that's it! Es entsteht tatsächlich das Gefühl, auf Eis unterwegs zu sein, weil die Akteure beim Kurvenfahren und Bremsen immer einen Tick weiter schlittern als gewollt. Sie eiern quasi ein bisschen wie eine Kuh auf dem Eis herum - was in diesem Fall aber positiv gemeint ist. Im Zusammenspiel mit den Remplern, bei denen die Pixelfiguren immer wieder lustig durcheinanderpurzeln, ergeben sich spaßige Bilder. Die Ohren erfreuen sich indes an charmanten Retro-Klängen.Doing! Zinggg! Piep! Pfeif!

Super Blood Hockey - Screenshots ansehen

Geschichten aus Deppenhausen

Die übersichtlichen Menüs sind liebevoll gestaltet, gerahmt von einem 4:3-Fernseher inklusive VHS-Rekorder. Beim amüsanten, als Training inklusive Duschszene angelegten Tutorial erklärt der Coach die Steuerung und glänzt mit launigen Weisheiten: »Ziel immer dorthin, wo der Torwart nicht steht!«

Wer sich dann an eine erste WM-Playoff-Runde mit den acht vorhandenen Teams wagt (Deutschland ist dabei, die Schweiz und Österreich nicht), den belohnt Super Blood Hockey - je nach Abschneiden - mit einer landestypischen Sieges- oder Game-Over-Sequenz. Auf Versager wartet hingegen eine phantasievolle Hinrichtung. Alles fein! Bis zu dem Punkt, wenn man sich länger mit dem Spiel befasst hat und das Kartenhaus der ungetrübten Glückseligkeit plötzlich zusammenbricht.

Szene aus dem witzigen Tutorial: Mannschaftskollegen bringen dem Spieler in der Dusche bei, wie er Gegnern richtig die Fresse poliert.Szene aus dem witzigen Tutorial: Mannschaftskollegen bringen dem Spieler in der Dusche bei, wie er Gegnern richtig die Fresse poliert.

Keiner erwartet, dass ein 7,99-Euro-Titel die schnellste Mannschaftssportart (Polo-Spieler: Klappe halten!) perfekt simuliert. Aber eine künstliche Intelligenz über dem Gefrierpunkt dürfte schon sein. Wer bei Super Blood Hockey in Führung geht, kann sich aber z.B. hinter dem eigenen Tor verschanzen, um das Ergebnis zu verwalten. Da das Thema »Forechecking« im Taktikhandbuch der computergesteuerten Kufenflitzer ausgelassen wurde, versucht maximal einer der Gegner, an den Puck zu gelangen (wenn überhaupt). Geschieht das, fährt man im Kreis herum und die Intelligenzbremse chancenlos hinterher. Sieht humorig aus, wie bei einem Fangspiel im Kindergarten Ehingen-Deppenhausen, deutet aber auf ein KI-Desaster hin.

Die pummeligeren Spieler sind sogenannte Enforcer, die ihre schmächtiger gebauten Mitspieler mithilfe harter Checks schützen sollen.Die pummeligeren Spieler sind sogenannte Enforcer, die ihre schmächtiger gebauten Mitspieler mithilfe harter Checks schützen sollen.

Dumm gelaufen - im Wortsinn

Würde Super Blood Hockey verfilmt, »Meister Blöder und sein Puckmuckl« wäre ein guter Titel. Die eigenen Akteure laufen sich bei 2-auf-0-Situationen, wenn also ein Angreiferduo nur noch den Keeper überwinden müsste, selten sinnvoll frei. Statt auf einen Querpass zu lauern, lungern sie lieber hinter dem Kollegen oder sonst wo rum.

Der Gegner stellt ähnliche Aussetzer zur Schau, wenn er etwa einen Meter vor dem Tor zurückpasst. Die eigenen Mannen rennen grundsätzlich alle blindlings nach vorne. Bei daraus resultierenden Kontern ist der Mensch wiederum auf die Dämlichkeit der KI-Knalltüten angewiesen, denn einholen kann er sie nicht: In Super Blood Hockey läuft jeder Spieler gleich schnell, egal ob 120-Kilo-Verteidiger oder 80-Kilo-Stürmer und egal, ob er den Puck führt oder nicht.

Jedes Team hat eine charakteristische WM-Siegessequenz. Die der Deutschen, die wir lustig finden, wollen wir nicht spoilern.Jedes Team hat eine charakteristische WM-Siegessequenz. Die der Deutschen, die wir lustig finden, wollen wir nicht spoilern.

Super Blood Hockey ist für ein paar Stunden ein unterhaltsamer Titel, kurioserweise aber eher für Nicht-Sportspielfans. Warum? Weil Genreliebhaber die Schwächen zu schnell entlarven. Der magere Umfang (kein Liga-Modus, keine Online-Funktion, nur acht Mannschaften) fällt angesichts des fairen Preises noch wenig ins Gewicht. Viel zu viele Tore, die nur durch Glück fallen, fünf Schwierigkeitsgrade, die sich alle gleich anfühlen und ein Teamaufstellungs-Feature, das sich nicht spürbar auswirkt, ist gerade bei einem Eishockeyspiel dies: Scheibenkleister.

Selbst in Drittelpausen spritzt bisweilen das Blut: Wer nicht rechtzeitig in die Kabine kommt, den bestraft die Eisbearbeitungsmaschine.Selbst in Drittelpausen spritzt bisweilen das Blut: Wer nicht rechtzeitig in die Kabine kommt, den bestraft die Eisbearbeitungsmaschine.

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