Der Kinostart einer neuen Comicverfilmung war selten so spannend und selten so wichtig. Mit dem Erfolg von Superman steht und fällt ein ganzes Film-Universum, nachdem DC jahrelang Marvel hinterhereiferte und dabei spektakulär auf die Schnauze flog.
Und dafür ist jetzt ausgerechnet der Regisseur verantwortlich, der Marvel mit Guardians of the Galaxy vor mehr als zehn Jahren einen seiner größten Überraschungshits bescherte: James Gunn.
Die Erwartungen sind entsprechend hoch, denn Gunn liefert stets zuverlässig Unterhaltung auf höchstem Niveau ab: Bei der GotG-Trilogie, The Suicide Squad, Peacemaker und Creature Commandos überschlagen sich Kritiker, aber auch Fans vor Lob - vollkommen zu Recht.
In James Gunns Brust schlägt ein großes Herz für die kleinsten Underdogs, jetzt widmet er sich aber dem größten DC-Helden. Und wer darum bangt, dass sich der Filmemacher alleine schon damit, aber auch die Verantwortung für ein komplettes Kino-Universum übernommen hat, darf jetzt beruhigt aufatmen.
Denn nach meinem Kinobesuch kann ich guten Gewissens festhalten: Endlich ist eine ernstzunehmende Alternative zum Marvel Cinematic Universe da!
Um was geht es in Superman?
Kurz vorab zur Story: Superman (David Corenswet) ist nicht gerade erst auf der Erde gelandet, sondern setzt sich schon seit mittlerweile drei Jahren für die Menschheit ein. Dieser Welt mangelt es auch sonst nicht an Superhelden, der gemeine Bürger hat sich mit dem gelegentlichen Monster am Himmel, das mit Hitzeblick und fliegenden Fäusten bekämpft wird, längst abgefunden.
Wer sich mit Superman aber definitiv nicht abgefunden hat, ist Lex Luthor (Nicholas Hoult). Wie gewohnt ist der Milliardär mit einer Vorliebe zu wahnsinniger Wissenschaft kein Fan von Kryptons letztem Sohn und setzt alles daran, den Mann aus Stahl in die Knie zu zwingen.
Die Handlung des Films dreht sich größtenteils um Luthors perfiden Plan und wie Kal-El diesen zu verhindern versucht. Gleichzeitig werden aber noch ein paar andere Themen angeschnitten. So zum Beispiel, wie Superman seinen Platz in der Welt und an der Seite von Lois Lane (Rachel Brosnahan) zu finden versucht. Wie seine Taten Mitmenschen und -Helden beeinflussen und was ich als Zuschauer für mich daraus ziehen kann.
Das geht zwar nicht immer super philosophisch in die Tiefe, muss es aber auch gar nicht. Denn die Action, der Charme, der Humor und vor allem die Liebe und der Respekt gegenüber jeder wirklich noch so kleinen Nebenfigur trösten über die ein oder andere Oberflächlichkeit mit Leichtigkeit hinweg.
Superman hat viel Herz und macht noch mehr Spaß - darauf stimmt schon der offizielle Trailer unmissverständlich ein:
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Green Lantern, Hawkgirl und Co.: Der Trailer zu Superman kommt mit geballter Superhelden-Power daher
Wie viel Vorwissen braucht ihr über das neue DCU?
Genau genommen hat das DCU längst begonnen. Schon Ende 2024 machte die animierte TV-Serie Creature Commandos (die ihr übrigens kostenlos bei YouTube schauen könnt) den Anfang. Superman legt nun aber im Kino los, auf den Filme wie Supergirl, The Brave and the Bold, Teen Titans und und und folgen sollen.
Puh, das klingt schon wieder nach einer ganzen Palette an Projekten, während noch nicht einmal der Erfolg des ersten Teils garantiert ist. Doch keine Sorge: Selbst wenn Superman scheitern sollte (wonach es nach ersten Prognosen aktuell nicht aussieht), kann das erste Abenteuer von David Corenswet als Mann aus Stahl für sich alleine stehen.
Und hier liegt eine der größten Stärken von Superman, denn der ist wie ein guter, alter, in sich abgeschlossener Film strukturiert. Mit klarem Anfang, Höhepunkt und Ende, der natürlich die Tür zu einem gigantischen Kino-Universum weit aufstößt, aber dabei nicht vernachlässigt, erstmal eine Geschichte zu erzählen.
Ganz im Gegenteil: Superman steht sehr viel mehr für sich alleine, als es mittlerweile viele Marvel-Projekte tun. Selbst beide Post-Credit-Szenen des Films verzichten auf den typischen Sequel-Bait, sondern verfolgen schlichtweg den Sinn und Zweck, Superman mehr Charakter zu verleihen.
Übrigens schadet es definitiv nicht, wenn ihr ein gewisses Maß an Vorwissen mitbringt. James Gunn verschwendet keine Zeit damit, das Schicksal von Krypton, Kal-Els Superkräfte oder die Hintergrundgeschichten prominenter Helden (wie zum Beispiel Guy Gardner oder Lex Luthor) zu erklären.
Für Comic-Fans sind das natürlich hervorragende Nachrichten, andere Zuschauer könnten sich von der schieren Menge an Eindrücken aber durchaus überfordert fühlen. Es reicht aber schon, wenn ihr in den letzten Jahren zumindest das ein oder andere DC-Projekt mitverfolgt habt, vor Superhelden gibt es mittlerweile eh kein Verstecken mehr.
Stärken und Schwächen von Superman
Was uns an Superman gefallen hat
- Der vielleicht menschlichste Mann aus Stahl: David Corenswet ist ein gottverdammter Charme-Bolzen. Die Rolle von Superman passt ihm wie angegossen, während seine Interpretation menschlicher und verletzlicher denn je wirkt. Das macht den letzten Sohn Kryptons charismatisch, aber vor allem sympathisch. Trotz eigener Fehler und unzähliger Rückschläge hält Kal-El an seinem unerschütterlichen Optimismus fest. Beneidenswert!
- Nicht noch eine Origin Story: Superman hält sich gar nicht erst damit auf, Kal-Els Vorgeschichte auf ein Neues wiederzukäuen oder jeden einzelnen Aspekt zu erklären. Stattdessen werde ich in ein Universum geworfen, aus dem ich jetzt eine Momentaufnahme präsentiert bekomme. Damit fühlt sich Superman erfrischend lebendig und komplex an und wer sich auch nur ein bisschen mit der Welt von DC auskennt, wird sich gleich wie Zuhause fühlen.
- Viele Helden, viele Schurken: Ganz im Gegensatz zu Zack Snyders Man of Steel gehören Superhelden in der Welt von Superman zum Alltag. Entsprechend viele mal mehr, mal weniger vertraute Gesichter lassen sich blicken - wie zum Beispiel Guy Gardner (Nathan Fillion), Mr. Terrific (Edi Gathegi) oder Maxwell Lord (Sean Gunn). Aber auch Normalsterbliche wie Lois Lane und Jimmy Olsen (Skyler Gisondo) kommen nicht zu kurz. James Gunn schafft es wie gewohnt, eine ganze Palette an Figuren zu jonglieren und das Kunststück, dass die sich auch wie echte Menschen anfühlen.
- Ein Film zum Wohlfühlen: Superman ist ein richtiger Gute-Laune-Abenteuer, das weniger tragisch als zum Beispiel Guardians of the Galaxy daherkommt. Trotzdem finden sich zwischen den brachialen Actionsequenzen und zahlreichen Lachern auch ein paar ruhige und herzzerreißende Momente, die vor allem erzählerische Tiefe mit sich bringen. James Gunn ist anders als bei The Suicide Squad oder Peacemaker nicht ansatzweise so fies und schwarzhumorig, was natürlich viel besser zu Superman passt.
Was uns an Superman nicht gefallen hat
- Ein bisschen viel Exposition: Weil Superman keine Zeit zu verlieren hat, triefen die Dialoge im ersten Drittel des Films vor überschwänglichen Erklärungen. Das kann schon mal für genervtes Augenrollen sorgen, einen besseren Kompromiss hat James Gunn aber offenbar nicht finden können. Doch keine Sorge: Sobald der Plot endlich mal so richtig rollt, kommen die Gespräche dann auch ohne Exposition aus.
- Viele Themen, wenig Tiefe: Superman reißt viele Themen und Ideen an und jongliert die auch ziemlich vorbildlich. Doch spätestens nach dem Kinobesuch dürfte es langsam dämmern, dass der ein oder andere Aspekt dabei maximal oberflächlich behandelt wurde. Irgendwie frustrierend, aber ebenso verschmerzbar. Denn Superman will vor allem unterhalten und mich gut gelaunt und optimistisch aus dem Kino entlassen. Und das klappt fairerweise ganz hervorragend.
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