Wann hat das letzte Mal ein Stück Technik euer Leben so richtig bereichert? Das ist keine rhetorische Frage. Schreibt es in die Kommentare, nachdem ihr meine Kolumne gelesen habt, wenn ihr mögt.
Ich habe 2025 so viel neue Technik kennen- und vor allem liebengelernt, wie noch nie zuvor – und das nur, indem ich sie ausprobiert habe.
Meinen inneren Schweinehund habe ich ausgetrickst. Viel zu schnell habe ich Neuheiten abgetan und vorschnell geurteilt. Das soll mir nicht mehr passieren.
Aus diesem Prozess habe ich eine Erkenntnis gezogen, die ich mit euch teilen will.
Disclaimer: Dieser Artikel frönt der Neugierde und dem Ausprobieren. Die Schattenseiten der technischen Entwicklung – von Milliardären mit Meinungen bis zu den Gefahren der KI – klammere ich diesmal bewusst aus.
Probieren geht über Studieren
Mancher Spruch klingt echt abgedroschen – und gerade deswegen steckt oft viel mehr Wahres darin, als man glaubt. Ich habe dieses Jahr so viel unterschiedliche Technik ausprobiert wie noch nie – und neue Sachen über mich gelernt.
- Um Spaß an einem Foldable haben zu können, musste ich mein Hirn neu verkabeln, weil ich seit Jahrzehnten mein Handy mit einer Hand benutze. Monatelang habe ich mich zum Aufklappen gezwungen und freu mich jetzt erst so richtig über das große Display, das ich zuvor verschmäht habe.
- Ich dachte jahrelang, dass gemütliche Gaming- und Schreibtischstühle Polster brauchen – bis mich Mesh eines Besseren belehrt hat. Nicht nur ist es besser für meinen Rücken, im Sommer schwitze ich weniger. Win-win.
- Ist das nur ein schnöder Handventilator? Nein, es ist auch eine Powerbank, ein Föhn, eine Luftpumpe und mehr. Das spart mir bei Ausflügen und beim Camping teilweise mehrere Geräte.
- Per WhatsApp schicke ich mir auf einmal regelmäßig selbst Nachrichten, weil ich die Funktion so praktisch finde. Spontane Ideen für meine Bücher, Rezepte, die ich ausprobieren will oder wichtige Links: Es landet alles in meinem eigenen Chat mit mir.
- Als Gegenbeispiel: Nach jahrelanger Nutzung bin ich meine Apple Watch losgeworden und vermisse nichts. Im Gegenteil, ich glotze nicht dauernd drauf, um auch noch den letzten Ring zu schließen, oder mache mir Gedanken, wie gut ich letzte Nacht geschlafen habe.
- Ich durfte meinen ersten Thermomix testen und weiß jetzt, dass ich das Meiste in der Küche wohl auch weiterhin mit dem Messer machen werde. Die Küchenmaschine ist wahnsinnig praktisch – nur eben nicht für mich.
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Ich weiß, es ist ein Privileg, als Tech-Redakteur arbeiten zu dürfen. Wenn ich ein Stück Technik interessant finde, habe ich stets eine Möglichkeit, ein Muster anfordern zu können.
Ich will euch mit dem Artikel nicht zeigen, was ich alles Tolles in der Hand hatte. Ich will euch daran teilhaben lassen, was ich gelernt habe, gerade weil mir der Beruf es erlaubt.
Es gibt Möglichkeiten, wie man als »Normalsterblicher« ebenfalls (neue) Technik in die Finger bekommen und sich selbst ein Bild machen kann.
- Besucht den nächsten Elektrofachhändler eures Vertrauens. Ein neues Handy in die Hand nehmen oder einen Kopfhörer ausprobieren können, gibt einen guten ersten Eindruck.
- Nutzt Geld-zurück-Garantien. Viele von euch kennen das aus der Matratzenwerbung. Es gibt Hersteller, die bieten Probezeiträume für Technik an, um sie auszuprobieren.
- Nutzt das Widerrufsrecht. Das gilt, wenn ihr Ware nicht vor Ort (beispielsweise im Internet) gekauft habt. Per Gesetz dürft ihr die Ware innerhalb von 14 Tagen zurückgeben (Gesetzestext auf der Seite des Justizministeriums). Nur bitte missbraucht es nicht. Die Umwelt dankt's.
- Mietet Geräte an. Es gibt Online-Anbieter, die Technik für einen bestimmten Zeitraum vermietet; auch viele Stadtbibliotheken bieten einen solchen Service an. Gerade bei teuren Anschaffungen lohnt sich das.
- Besucht Messen. Auf der IFA in Berlin kann man in über 25 Hallen Technik anfassen und erleben. So verschafft ihr euch einen guten ersten Eindruck.
- Schnuppert bei Freunden und Verwandten. Euer Bruder hat sich einen neuen OLED gegönnt? Ladet euch zum Filmabend ein! Das Gleiche gilt für Apps, die ihr ausprobieren wollt. Womöglich könnt ihr euch das Gerät ja sogar ausleihen.
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Ich habe vor allem eine Erkenntnis gewonnen: Eine Meinung kann ich mir erst bilden, nachdem ich etwas ausprobiert habe. Viel zu schnell hatte ich Vorurteile, die sich gar nicht bestätigt haben.
Muss da am Ende gleich ein neues Falt-Handy bei rumkommen? Ganz sicher nicht. Nicht jede Technik ist für jeden gleichermaßen geeignet; unsere Lebensumstände sind unterschiedlich. Manchmal braucht man bestimmte Geräte auch einfach nicht, wie ich etwa einen teuren Thermomix.
Aber ich habe auch schon viele Ambilight belächeln sehen – bis sie es ausprobiert haben. Dann wollen sie es meistens behalten. Oder ich habe vor vielen Jahren mal einen elektrischen Bilderrahmen getestet und will so einen heute nicht mehr missen.
Zum Schluss möchte ich an eure Offenheit appellieren: Bleibt neugierig! Es gibt viel, das man bei Technik beachten muss und sollte, aber am Ende des Tages kann sie auch eine immense Bereicherung für unsere Leben sein – oder einfach nur Spaß machen.
Und wer wüsste das besser als jemand, der Technik zum Beruf hat?
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