ESO: Greymoor - Zum Glück gibt's im neuen Skyrim keine Drachen!

Meinung: Dass The Elder Scrolls Online: Greymoor bewusst auf Drachen verzichtet, hält Dimi für die beste Story-Entscheidung. Denn sie schafft Raum für besseres Storytelling.

von Dimitry Halley,
17.01.2020 00:01 Uhr

Ausgerechnet in The Elder Scrolls Online: Greymoor wird's keine Drachen geben - und da ist gut so. Ausgerechnet in The Elder Scrolls Online: Greymoor wird's keine Drachen geben - und da ist gut so.

Bevor jetzt wegen der Überschrift jemand mit Tierschutz kommt: Nein, natürlich bin ich nicht pauschal gegen Drachen! Spätestens seit Dragonheart habe ich ein großes - Achtung - Herz für feuerspeiende Flugbestien (und Dennis Quaid) - und außerdem freut mich ja gerade, dass ich in The Elder Scrolls Online: Greymoor keine Drachen mehr umbringen muss. Denn die haben die Skyrim-Geschichte schon damals ironischerweise viel bodenständiger, viel lahmer gehalten, als sie hätte sein müssen.

Bei allen verdienten Lobpreisungen war die Hauptquest von The Elder Scrolls 5: Skyrim nämlich die größte Schwäche des Spiels. Wir sind das auserwählte Drachenblut und müssen den bösen Oberdrachen erledigen. Das war's. Klassischer geht es kaum, da rollt selbst Nibelungen-Siegfried mit den Augen. Und ja, ich weiß, theoretisch gab's auch das politische Ringen zwischen Kaiserlichen und Nord, doch das fand eben abseits der Main Quest statt. ESO: Greymoor schenkt sich diese altmodische Drachentöter-Mär, um eigene, düstere Pfade zu beschreiten. Cool!

In Himmelsrand verschwinden Bewohner, die Story dreht sich um Vampire, Werwölfe, rückt die Untiefen von Schwarzweite in den Mittelpunkt und soll deutlich ernster als die letzten ESO-Addons werden. Die Erweiterung knüpft thematisch an Dawnguard und am alten Morrowind-Addon Bloodmoon an.

Die Vampir- und Werwolf-Clans waren immer schon ein viel zu unverbrauchtes Story-Reservoir in Tamriel - ESO: Greymoor bezeichnet sich als »Gothic«, als ein Mix aus nordischer Himmelsrand-Mythologie und Dracula. Da bin ich sowas von an Bord.

Der Autor: Dimi »Der Drache« Halley hat prinzipiell kein Problem mit fliegenden Bestien. Selbst als das Rogue-Squadron-Studio im Jahr 2007 statt eines neuen X-Wing-Spiels lieber Lair entwickelte, hielt er das für eine tolle Idee (und wurde dann wie alle anderen eines besseren belehrt). Drachen können spannend sein, thematisch scheinen sie aber ähnlich wie Zombies ziemlich »auserzählt«. Wer jetzt noch Drachen-Geschichten auf die große Bühne bringt, braucht wirklich verrückte Ideen - dass die ESO-Entwickler hier nicht mit der eigenen Lore brechen können und stattdessen neue Pfade beschreiten wollen, kann er nur unterschreiben.

Mut zu verrückten Ideen!

Die Sache ist die: Ich finde die Elder-Scrolls-Saga immer dann am besten, wenn sie sich von klassischen Fantasy-Themen löst. Deshalb fühle ich mich in den Aschenländern von Morrowind viel wohler als im klassisch europäisch-mittelalterlichen Cyrodiil. Ich wünsche mir noch mehr Mut zu verrückten Ideen!

Die Kampagne von The Elder Scrolls Online: Greymoor thematisiert die Untiefen von Schwarzweite. Die Kampagne von The Elder Scrolls Online: Greymoor thematisiert die Untiefen von Schwarzweite.

Klar, theoretisch ließe sich auch mit Drachen eine spannende, innovative Geschichte erzählen. Aber in der Praxis, sprich im Rahmen der Tamriel-Lore erlauben Drachen kaum Ausbrüche aus dem Fantasy-Allerlei: Entweder sind sie böse - oder Freunde.

Beides hatten wir in Skyrim (Paarthurnax und Alduin). Um wirklich neue Pfade zu beschreiten, hätte es schon eines spannenderen Twists bedurft. Vielleicht waren Drachen früher Menschen, die durch Verderbnis zu Monstern wurden? Oder aus der Verderbnis der Menschen erschaffen wie so mancher Chaos-Gott bei Warhammer?

Diese Freiheiten erlaubt das Story-Universum von Tamriel nicht. Das verraten uns auch die Entwickler von ESO: Greymoor im Interview. Eigentlich existieren die fliegenden Bestien im Zweiten Zeitalter von Tamriel überhaupt nicht (ESO spielt knapp 1.000 Jahre vor dem Original-Skyrim), ihr Auftreten im Addon Elsweyr bildete also bereits die Ausnahme.

Kein reingequetschter Fan-Service

Statt also irgendwie Drachen als Fan-Service ins neue Skyrim-Kapitel zu quetschen, beschreiten die ESO-Entwickler offenbar andere, neue Pfade. Die Greymoor-Story baut den Vampir-Mythos aus und verspricht sogar eine Questreihe, die sich 1.000 Jahre später auf die Geschehnisse von The Elder Scrolls 5: Skyrim auswirkt. Solche Verbindungen klingen nach viel sinnvollerem Fan-Service, weil hier die Chance besteht, den Kanon von The Elder Scrolls um wirklich neue Perspektiven zu erweitern.

Und das halte ich für die richtige Idee, denn jeder von uns hat in den letzten 15 Jahren sicher irgendeines seiner Lieblings-Franchises an undurchdachtem Fan-Service scheitern sehen. Aber schreibt mir gerne, falls ihr's anders seht.

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