The Anacrusis: Warum der Koop-Shooter mein erster E3-Geheimtipp ist

Meinung: Auf den ersten Blick mag der Koop-Shooter bloß wie ein buntes Left 4 Dead wirken. Sören ist jedoch davon überzeugt, dass das Spiel den Nerv der Zeit treffen und ein Erfolg werden könnte!

von Sören Diedrich,
11.06.2021 16:30 Uhr

The Anacrusis setzt auf einen farbenfrohen Look mit überraschend geringem Gewaltfaktor. The Anacrusis setzt auf einen farbenfrohen Look mit überraschend geringem Gewaltfaktor.

Zugegeben, die meisten Titel hatten es im Nachgang des Summer Games Fest schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Zu mächtig war der Gameplay-Reveal von Elden Ring! Dabei wurden gestern viele interessante Titel gezeigt, die großes Erfolgspotenzial haben - für mich sticht vor allem The Anacrusis heraus.

Auf den ersten Blick werden viele Leute denken, dass es sich bei The Anacrusis bloß um einen weiteren Titel handelt, der das Spielprinzip von Left 4 Dead kopiert. Und wenn die zahlreichen Nachahmer des Valve-Klassikers bislang eine Sache gemeinsam haben, dann das: Sie sind, zumindest gemessen an der eigenen Erwartungshaltung, allesamt gefloppt.

Sören Diedrich

Der Autor: Sören (@DiedrichSoren) tobt sich privat schon seit vielen Jahren mit Begeisterung in der Indie-Szene aus. Denn was diesen Titeln hier und da an Produktionsqualität fehlen mag, wird meist durch Leidenschaft und viel Herzblut wettgemacht - und das spürt man als Spieler! Er befürchtet, dass auch in diesem Jahr wieder viele Kleinode im Rahmen der E3-Berichterstattung untergehen, und hat einen Tipp aus der eigenen Praxis auf Lager: Legt euch ein Mal im Jahr ein Indie-Spiel zu, dass euch normalerweise nie interessieren würde. Das erweitert den Gaming-Horizont!

World War Z, State of Decay oder die Monsterjagd Evolve - sie alle wollten der nächste große Multiplayer-Hit werden, konnten die Spieler aber nur für kurze Zeit nach Release an sich binden. Einzig das blutrünstige Killing Floor kann sich einer relativ beständigen Community erfreuen.

Schlechte Vorzeichen auf dem Papier also für The Anacrusis. Doch warum halte ich es nach näherer Betrachtung trotzdem für möglich, dass der Survival-Shooter das Schicksal seiner Vorgänger nicht teilen wird, sondern sich zu einem waschechten Überraschungshit mausern könnte?

Der farbenfrohe Survival-Koop-Shooter im Ankündigungstrailer 1:09 Der farbenfrohe Survival-Koop-Shooter im Ankündigungstrailer

Gute Gründe für einen Erfolg

Das Spielprinzip kurz umrissen: The Anacrusis schickt euch und eure drei Teammitglieder auf ein verlassenes Raumschiff. Mit Weltraum-Tourismus ist es aber leider nicht weit hin, denn überall wimmelt es nur so vor Aliens, die euch an den Kragen wollen. Mit einem umfangreichen Waffenarsenal könnt ihr dem extraterrestrischen Viechzeug zeigen, was ihr davon haltet.

Es gibt kein festes Klassensystem. Vielmehr setzen die Entwickler auf ein modernes Perk-System, dessen Boni sogar allen Gruppenmitgliedern zugutekommen. Klingt fast schon zu einfach, oder?

Wird es aber nicht. Denn eine KI analysiert im Hintergrund in Echtzeit eure Strategie sowie euer Verhalten und lässt die Aliens so spawnen, dass sie euch in den Rücken fallen oder gar umzingeln. Außerdem kreiert die KI auch besonders starke Boss-Aliens und darf ebenfalls darüber bestimmen, an welchen Stellen hilfreiche Items droppen. So soll sich jeder Spieldurchgang neu anfühlen.

Das klingt zwar durchaus spaßig, aber nicht gerade nach einem Hit. Woher kommen also mein Optimismus und Interesse für das Spiel? Das erkläre ich euch anhand von vier Gründen, die das Potential von The Anacrusis zusammenfassen:

The Anacrusis - Screenshots ansehen

Grund Nr. 1: The Anacrusis ist bunt und keine Splatterorgie

Bereits auf den ersten Blick besticht The Anacrusis durch seinen farbenfrohen Look mit Retro-Charme. Sowohl Charaktere als auch das Design der Monster und der Raumstation könnten aus einem Hippie-Film der 70er-Jahre stammen.

Werfen wir einen Blick auf die Multiplayer-Kracher der vergangenen Jahre, fällt auf: Fall Guys, Valheim, Among Us, Overwatch, Valorant - alle haben eine knallige Farbpalette. Offenbar trifft diese Optik den Geschmack der aktuellen Zocker-Generation. Ein gutes Omen für The Anacrusis!

Die Entwickler haben bereits betont, dass man absichtlich auf eine sehr niedrige Gewaltdarstellung setzt, um möglichst viele Spieler anzusprechen.

Grund Nr. 2: The Anacrusis hat kaum Konkurrenz

Wie ich weiter oben bereits anmerkte: Der Markt für Koop-Shooter nach dem L4D-Prinzip ist aufgrund der früheren Misserfolge nicht gerade hart umkämpft. Einzig Back 4 Blood steht noch für dieses Jahr an. Wenn The Anacrusis in gutem Zustand erscheinen und bei der Zielgruppe richtig vermarktet werden sollte, kann sich das Spiel in diesem Genre breit aufstellen, ehe es weitere Konkurrenz erhält.

Apropos Konkurrenz: Wenn ihr auf Survival-Elemente in Spielen abfahrt und auf der Suche nach neuen Titeln seid, lege ich euch unsere große und stets aktuelle Übersicht ans Herz:

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Grund Nr. 3: The Anacrusis ist ein Indie-Titel ohne großen Publisher im Nacken

Gerade bei Multiplayer-Titeln ist es wichtig, sich zunächst um eine treue Stamm-Community zu kümmern, ehe man große Expansionspläne verfolgt und die Monetarisierung vorantreibt. Spiele wie Among Us und Fall Guys haben bewiesen, dass zum Start weniger oft mehr ist.

Das junge Studio Stray Bombay begeht nicht den Fehler und wirft schon im Vorfeld der Veröffentlichung mit Begrifflichkeiten wie Season Pass, DLCs oder gar Lootboxen um sich - zumindest bislang nicht. Eine Freiheit, die das Team bei großen Publishern wahrscheinlich nicht hätte, wo Multiplayer-Titel oft auf den kurzfristigen Profit getrimmt werden.

Grund Nr. 4: The Anacrusis wird Mods unterstützen und setzt auf die Community

Diese Besonderheit der Steam-Version halte ich für eine der größten Stärken des Spiels. Eine frühe Einbeziehung der Community, das Schaffen und Pflegen eines »Wir«-Gefühls, solche Dinge sorgen im Idealfall für eine langanhaltende Popularität.

Mods sorgen dafür, dass sich ein Spiel auch abseits der offiziellen Inhaltsupdates weiterhin frisch anfühlt. Besonders viel Potential sehe ich im Zusammenhang mit der Boss-KI im Hintergrund. Welche fiesen und herrlich abgedrehten Inhalte dadurch entstehen könnten!

Es kann noch viel schiefgehen!

Die Entwickler pflegen obendrein einen eigenen Discord-Channel, um noch näher mit den Spielern zu interagieren. Auch hier gilt: Wer sich aufrichtig für seine Zielgruppe interessiert, hat gute Chancen auf Erfolg!

Natürlich kann ich mich auch täuschen und The Anacrusis wird binnen kürzester Zeit in Vergessenheit geraten. Viel kann bis zum Release im Herbst noch schiefgehen: Das Spiel muss den guten Ersteindruck bestätigen, Spaß machen und im technisch sauberem Zustand erscheinen. Ein Bugfest würde das vorzeitige Aus bedeuten.

Die nächsten Monate bis zum Release werden also entscheidend sein. Das Spiel hat meiner Meinung nach aber genügend Potenzial, um sich mit breiteren Schultern zu vermarkten.

Wie lautet eure Meinung zu The Anacrusis und dessen Zukunftsaussichten? Habt ihr Interesse an der Alien-Hatz oder befürchtet ihr, dass der Titel das Schicksal seiner früheren Genre-Kollegen teilen wird?

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