Wie schwer ist The Ascent?
Kleinere Gegnergruppen verlangen nicht viel taktisches Gespür von uns ab. Haben wir es hingegen mit einer Gegnerhorde oder stärkeren Gegenspielern zu tun, müssen wir von der Ausweichrolle, Deckungsmöglichkeiten und unseren Fähigkeiten Gebrauch machen.
Unsere Test-Version von The Ascent hatte nur einen Schwierigkeitsgrad. Dieser war zwar herausfordernd, aber stets fair. So behalten wir nach unserem Tod beispielsweise unseren Fortschritt und müssen nicht wie etwa in Diablo erstmal zurück zu unserer Leiche finden. Dies nutzen wir vor einem Bosskampf zu unserem Vorteil, können bei einem Levelaufstieg Skillpunkte verteilen, unsere Waffen oder Augmentationen austauschen und dann einen erneuten Anlauf starten. Mittlerweile könnt ihr aus drei Schwierigkeitsgraden wählen und diese auch jederzeit im Spiel umstellen.
In den meisten Fällen sind auch die Checkpoints gut gesetzt, sodass wir kurz vor einem Bosskampf spawnen. Sterben wir allerdings auf dem Weg zu einer Mission, setzt uns das Spiel gerne mal ein ganzes Stückchen zurück. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als den langen Weg erneut abzulaufen. Manchmal haben wir Glück und treffen bereits besiegte Gegner nicht nochmal an, manchmal laufen wir aber wieder einer starken Feindgruppe in die Arme.
Hier stoßen wir auf ein weiteres Problem von The Ascent. Haupt- und Nebenquests haben immer eine Level-Empfehlung. Treten wir mit unserem Level-15-Charakter allerdings die Level-13-Mission an, kommt es häufig vor, dass wir auf unserem Weg zum Ziel auf Scharen von Level-20-Gegnern stoßen. Level-Empfehlungen und der tatsächliche Schwierigkeitsgrad von Quests und Gebieten passen also häufig nicht zusammen. Das führt stellenweise zu unnötiger Frustration, wenn man von starken Gegnern zermürbt wird.
Eine andere Mission, die uns Level 5 vorschlägt, endet überraschend in einer Sackgasse. Es stellt sich heraus: Um diese Quest abschließen zu können, müssen wir zunächst die Level-23-Hauptquest weiterspielen und in ein neues Gebiet vordringen. Mit dem Oktober-Patch #3 wurde zumindest dieses Problem behoben. Nebenquests sind jetzt erst verfügbar, wenn ihr sie auch wirklich abschließen könnt. Das bezieht sich allerdings nur auf Spielstände, die nach dem Patch neu angelegt wurden. In bestehenden Spielständen müsst ihr euch weiterhin mit dieser Odyssee herumschlagen.
Wenn die Reise zur Qual wird
Apropos Odyssee: Die offene Welt von The Ascent und die Detailverliebtheit der Entwickler wecken in uns den Wunsch, die Umgebungen zu erkunden. Umso nerviger ist es, dass die Fortbewegung in der Spielwelt regelrecht zu einer Qual wird. Unser Charakter joggt im Schneckentempo minutenlange Laufwege ab - eine Sprinttaste gibt es nicht. Die Ausweichrolle schafft ein wenig Abhilfe und so kullern wir die meiste Zeit durch die verdreckten Straßen.
Um von einem Gebiet ins andere zu reisen, stehen in The Ascent zudem zwei Schnellreisesysteme zur Verfügung: das Taxi und die U-Bahn. Die Reise mit der U-Bahn ist kostenlos, allerdings ist die Anzahl der U-Bahn-Stationen limitiert.
Das Taxi hingegen kostet 1.000 Ucreds und bringt uns an den gewünschten Zielort. Na ja, fast. Denn die Schnellreise funktioniert nur innerhalb einer Ebene. Die vertikale Welt von The Ascent hat allerdings drei.
Befinden wir uns also im Konzernbereich auf der höchsten Ebene und wollen zurück in das Hub-Gebiet Cluster 13, rufen wir ein Taxi und lassen uns auf der Hauptstraße absetzen. Von dort aus laufen wir erstmal paar Minuten zum Aufzug und fahren auf die mittlere Ebene. Erst hier könnten wir nun ein Taxi nehmen, um nach drei Ladebildschirmen endlich in unser Wunschgebiet zu gelangen.
Darüber hinaus bietet die Welt abseits von Kisten mit Ucreds, gelegentlichen Waffen-Upgrades und sporadischen Skill-Punkten auch kaum Anreiz, selbst den letzten Winkel der Welt zu erforschen. Die unübersichtliche Karte und die verbuggte Navigationshilfe geben unserer Erkundungstour noch den Rest. Dabei ist die Welt von The Ascent doch so schön anzusehen.
Cyberpunk-Klischees statt ergreifender Dystopie
Während The Ascent bei Grafik, Atmosphäre und den Twin-Stick-Kämpfen in die Vollen geht, zeigt sich das Spiel bei der Story zurückhaltend. Nachdem die große Konzerngruppe The Ascent aus unerklärlichen Gründen bankrott gegangen ist, kämpfen unterschiedliche Konzerne und Gruppierungen nun um die Vorherrschaft. Wir finden uns als sogenannter Indent, ein Vertragsarbeiter, in der Rolle eines Laufburschen wieder und werden von Arbeitgeber zu Arbeitgeber weitergereicht.
Besonders am Anfang erscheint die Story recht wirr und undurchschaubar. Erst der umfangreiche Kodex verschafft Klarheit. Darin finden wir Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Orten, Charakteren und Gegnern und gewinnen erst dadurch ein tieferes Verständnis für die Welt. Wir erfahren beispielsweise, dass die Arkologie ein gewaltiger Gebäudekomplex ist. In den unteren Ebenen leben die armen Arbeiter und Indents, auf den höheren Etagen bräunen sich die Superreichen in echtem Sonnenlicht.
Die Story selbst schafft es aber nicht, uns in die dystopische Welt von The Ascent hineinzuziehen. Der Plot ist vorhersehbar und nimmt das gesamte Spiel über nur wenig an Fahrt auf. Das Finale ist abgesehen vom Bosskampf unspektakulär. Auch die Charaktere sind derart eindimensional, dass nicht einmal diese die Story tragen können.
Die Nebenquests stechen ebenfalls nicht durch grandioses Storytelling hervor. Die meiste Zeit erledigen wir Aufträge für NPCs und schleppen wahlweise ein Paket, Ucreds oder Steroide von A nach B. Die wenigen spannenden Ansätze von Nebenquests verlaufen sich meist im Nichts. Etwa als wir eine Leiche ausfindig machen sollen und dabei auf mysteriöse Experimente von Wissenschaftlern stoßen.
Klar, ein Action-Rollenspiel könnte auch mit einer groben Rahmenhandlung ohne Tiefgang auskommen. Allerdings legt The Ascent einen Fokus auf die Story, indem es uns einen ausführlichen Kodex, Cutscenes und sogar vertonte Charaktere präsentiert - damit allerdings eher seine Schwächen unterstreicht: Die Geschichte bedient sich herkömmlicher Cyberpunk-Klischees und kann im direkten Vergleich mit der dichten Atmosphäre nicht mithalten.
Statt uns den Charakteren und dem Geschehen näher zu bringen, unterstreichen die Cutscenes zudem die steifen und ausdruckslosen Animationen und Charaktermodelle. In der Wahnsinnskulisse wirken diese einfach fehl am Platz.
An dem sonst so fantastisch inszenierten Flair kratzt auch die Tatsache, dass wir uns ohne jegliche Konsequenzen durch die Spielwelt schießen können. Verirrt sich unsere Kugel dabei in den Kopf eines Unschuldigen, bekommen wir einen Anruf unserer Chefin. Das war's. Es gibt keine Gesetzeshüter, die wir dadurch auf uns hetzen. Wir müssen keine Strafe zahlen. Und irgendwann achten wir schon gar nicht mehr darauf, ob in den Massenschlachten auch Zivilisten in unsere Schussbahn stolpern. Doch das nimmt der Welt einen großen Teil ihrer Glaubwürdigkeit.
Die deutsche Sprachausgabe
The Ascent hatte bereits zu Release deutsche Texte. Sowohl der Kodex, als auch Quests und Dialoge wurden übersetzt. Direkt zum Release und auch noch mehrere Monate danach gab es noch viele Übersetzungsfehler und die Sprache sprang scheinbar beliebig zwischen Englisch und Deutsch hin und her. Mittlerweile sind die gröbsten Fehler ausgebessert. Die Nebenquest-Dialoge sind nun sogar (auf Englisch) vertont. Hin und wieder springen aber immer noch kleinere Übersetzungsfehler ins Auge.
Wer aktuell die Übersetzungspatzer umgehen und auf Englisch spielen möchte, steht vor einem Problem: Denn die Sprache lässt sich nicht ohne weiteres einfach ändern.
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