Open World als ultimative Wikinger-Erfahrung
Dass der genannte Gameplay-Loop nur in der Theorie zutrifft, merken wir bereits nach wenigen Stunden. Sobald wir Holz, Steine, später Zinn- und Kupfererz, Knochen, Eisen und so viel mehr sammeln, rattern die freigeschalteten Rezepte für Konstruktionen und Gegenstände nur so durchs Bild. Schnell treten Biom-Hatz und Bosskämpfe in den Hintergrund, und Valheim mutiert zur ultimativen romantisieren Wikinger-Erfahrung:
Die anfängliche Hütte bauen wir zum Langhaus um, draußen entsteht ein Ferch für gezähmte Wildschweine, später gesellen sich Wölfe und sogar Elche dazu. Ein Stück weiter legen wir Beete für Karotten, Rüben und Zwiebeln an, denn über unseren Feuern hängt nicht mehr nur ein simpler Fleischgrill, sondern es gibt auch Suppenkessel und Met-Fermentierer.
In Kohlemeilern verbrennen wir Holz zu Kohle, die wir mit abgebauten Roherzen in den Schmelzofen geben. Aus den erhaltenen Barren fertigen wir an der Schmiede neue Rüstungen und Waffen, mit denen wir uns die Welt weiter zu eigen machen. Zwischen all dem summen die Bienen und produzieren Honig – und hier beschreiben wir nur unsere Hauptbasis. Die Außenposten in den einzelnen Biomen stehen dem in nichts nach.
Dazu kommen unzählige Möglichkeiten zum Gebäudebau: Balken und Dächer in verschiedenen Schräge-Varianten, Mauern, Zäune, Verteidigungsanlagen, Boote und wahnsinnig viele Deko- und Zierelemente. Im Hohen Norden finden wir unter anderem neue Rezepte für 67-Grad-Dächer und sogar eine Zugbrücke.
Weil jedes Biom neue Baustoffe einführt und damit neue Baumöglichkeiten schafft, liegt da auch die wahre Motivation für den Spielfortschritt. Freischalten, Bauen und Dekorieren fühlen sich in Valheim über die gesamte Spielzeit so unheimlich belohnend an, dass wir die teils knüppelharten Kämpfe gegen Feinde wie Skelette, Raubtiere, Drachen, Draugr die neuen Gammeltrolle sowie die Bosse eher in Kauf nehmen, als aktiv suchen.
Eine strukturierte Spielweise gerät aber schnell zur Pflicht: Zum einen sollte man ohnehin nicht überstürzt durch die Biome hasten, zum anderen verliert man gerade zum Ende hin bei den vielen Freischaltungen eines Bioms leicht den Überblick.
Der Hohe Norden: Das letzte Biom
Welche Neuigkeiten der finale Abschnitt des Spiels mitbringt, erwähnen wir im Text immer wieder, allerdings verzichten wir aus Spoilergründen auf eine allzu detaillierte Beschreibung. Wie in den anderen Biomen gibt es sehr viel zu entdecken, natürlich auch neue Ausrüstungungs-Sets. Außerdem zündet Valheim zum Schluss nochmal die Atmosphäre-Bombe, indem es uns durch dicken Schnee stapfen und verschneite Dörfer erkunden lässt.
Volles Potenzial erst im Koop
Bis zu zehn Spielerinnen und Spieler treiben ihr Unwesen auf einer Karte. Dazu öffnen wir entweder unsere Solo-Welten für Beitritte von außen oder wir mieten direkt dedizierte Server. Wer Valheim als gemeinsames Abenteuer und Heldenreise begreift, profitiert ungemein vom Koop-Aspekt.
Ebnen und fruchtbar machen können wir nur in rundem Layout. Bei rechteckigen Beeten kommt es immer zu optischem Überhang. Die Liste rechts wird im Laufe des Spiels immer länger und unübersichtlicher. Außerdem müssen wir zum Craften alle Materialien immer dabei haben. Ablegen in der Kiste links zählt nicht.
Die Erkundung, die Spezialisierung auf Nah- und Fernkampf, später auch Magie und das Experimentieren mit unterschiedlichen Waffengattungen wie Schwertern, Äxten, Keulen, Speeren, Bögen, Armbrüsten samt unterschiedlichen und wegen entsprechenden Gegner-Resistenzen wichtigen Schadensarten macht in der Gruppe unheimlich viel Spaß.
Außerdem verleiht Valheim auf fast schon einmalige Weise ein Gefühl des ruhigen Miteinanders. Es macht einfach Freude, wenn wir unsere Hauptbasis oder die Außenposten in den einzelnen Biomen ausbauen und dekorieren, mit Floß oder Langboot die Karte erkunden oder einfach nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet uns für die Hirschjagd schleichend durch den Wald bewegen.
In keinem solcher Momente kommt auch nur der Hauch des Gefühls auf, irgendwas zu verpassen. Im Gegenteil: Gewollte Entschleunigung gehört fest zur Spielphilosophie von Valheim.
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Survival-Hit Valheim startet durch: Version 1.0 lässt euch den tiefen Norden erforschen
Angenehm verzeihende Survival-Mechaniken
Wer Valheim deshalb in die Cozy-Ecke stellt, schaut sich spätestens bei den späteren Kämpfen um. In den ersten beiden Biomen, auf den Wiesen und im Dunkelwald, mag das noch zutreffen. Im Sumpf, im Gebirge und auf den Ebenen geraten Kämpfe und Gegner sukzessive anspruchsvoller.
Die Nebellande, die Aschelande und schließlich der Hohen Norden gehören zum Endgame-Gebiet. Allerspätestens hier sollte man sich mit Kampfstilen, Ausrüstungsboni, Nahrungs-Buffs und Gegnerschwachstellen beschäftigen. Wie in einem Action-Adventure bietet die Open World mit Dungeons, verlassenen Dörfern und versteckten Kisten großes Entdeckungs- und Belohnungspotenzial.
Valheim gehört zurecht zu den Survival-Spielen, allerdings mit einer angenehmen Mechanik. Neben der Lebensleiste verfügt unsere Spielfigur über einen Ausdauerbalken. Beim Sprinten, Springen, Bauen, Jäten, Boden ebnen, kämpfen und Schwimmen geht uns die Puste aus. Greifen uns Feinde an oder nehmen anderweitig Schaden, schrumpfen unsere Lebenspunkte.
Allerdings verhungern wir nicht, wenn wir nicht essen. Stattdessen gewinnen wir durch Nahrung nur: Von einfachem Grillfleisch bis zu Broten, Pasteten und sogar Köttbullar bietet uns Valheim eine riesige Nahrungsauswahl. Die Gerichte bereiten wir in unterschiedlichen Kochstationen, Erweiterungen und Öfen zu. Das alles zahlt immens auf den ganzen Wohlfühl-Loop und das Dorfleben-Gefühl ein.
Jedoch bringt Nahrung genau wie die vielen verschiedenen Met-Arten auch handfeste Vorteile. Jedes Gericht gibt entweder einen Buff auf Lebenspunkte, Ausdauer oder in kleinerem Maße auf beides. Weil mit den richtigen Mahlzeiten Gesundheit und Ausdauer in teils schwindelerregende Höhen steigen, trägt die Auswahl und Kombination der richtigen drei gleichzeitig essbaren Mahlzeiten mindestens genauso viel zum Kampferfolg bei wie Waffen und Rüstungen.
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