GameStar Plus Logo
Weiter mit GameStar Plus

Wenn dir gute Spiele wichtig sind.

Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe für Rollenspiel-Helden, Hobbygeneräle und Singleplayer-Fans – von Experten, die wissen, was gespielt wird. Deine Vorteile:

Alle Artikel, Videos & Podcasts von GameStar
Frei von Banner- und Video-Werbung
Einfach online kündbar

Seite 2: Vom Hassspiel zum Fan-Liebling - Das Jahr der Comebacks

Die grenzenlose Fantasie einer Community

Eine noch dramatischere Kehrtwendung hat das Schicksal von No Man's Sky genommen, das wohl die meisten Spieler, die den Release im Sommer 2016 noch neugierig beobachteten, heute längst abgeschrieben haben. Ihre Kritik an dem Space-Erkundungsspiel mit den unzählbar vielen, zufallsgenerierten Planeten ist schnell zusammengefasst: Zu viele leere Versprechungen, keine klaren Aufgaben, nichts Sinnvolles zu tun. No Man's Sky wurde von der Spielepresse weltweit als bestenfalls mittelmäßiges Spiel bewertet, während die Gaming-Welt auf YouTube immer und immer wieder die Versprechungen von NMS-Mastermind Sean Murray mit dem tatsächlichen Spiel kontrastierte.

Werbung oder Wahrheit: No Mans Sky - Ein weiter Weg zur Wahrheit 25:05 Werbung oder Wahrheit: No Man's Sky - Ein weiter Weg zur Wahrheit

Und während sich immer wieder neue Kolumnen und Video-Essays über No Man's Sky ärgerten, zog sich Sean Murray mit seinem Entwicklerteam Hello Games fast völlig aus dem Internet zurück. Von den Ankündigungen zu neuen Updates und Bugfixes abgesehen, verfielen die Entwickler in absolutes Schweigen. Und ausgerechnet auf diesem Nährboden wuchs im Laufe des zurückliegenden Jahres eine der faszinierendsten Communities der modernen Videospielwelt heran: Diese Spieler verstehen die Ziellosigkeit von No Man's Sky als spielerische Freiheit und spielen in diesem gigantischen Sandkasten ihr ganz eigenes Rollenspiel.

Zum einen wären da die Archäologen von No Man's Sky zu nennen, die einzelne Planeten dieses Universums erforschen, die verschiedenen Alien-Kulturen zu dokumentieren und nach einem roten Faden in der zufallsgenerierten Unendlichkeit zu finden. Dann gibt es da noch eine ganze Reihe an Hobby-Zoologen, die die Tier- und Pflanzenwelt in den unterschiedlichen Galaxien kategorisieren und beispielsweise auf Youtube archivieren.

Das Logo der Archäologen von No Man’s Sky, die koordiniert ganze Planeten und ihre Geschichten erforschen. Das Logo der Archäologen von No Man’s Sky, die koordiniert ganze Planeten und ihre Geschichten erforschen.

Neben diesen recht kleinen Forschergruppen haben sich Spieler auch zu zahlreichen Kolonien zusammengeschlossen, die sich via Reddit und Discord organisieren und koordiniert auf verschiedenen Planeten Stützpunkte errichten. Doch noch mehr als das: Sie entwickeln einen eigenen Kunststil, verteilen virtuelle Flyer mit den neusten Nachrichten aus den Kolonien an ihre Mitglieder und führen sogar Kriege gegen andere Spielergruppen. Eine der ältesten Kolonien ist dabei das "Galactic Hub", das nicht nur auf eigene Faust einen rudimentären Multiplayer erfunden hat, sondern auch maßgeblich an einer Schnitzeljagd beteiligt war, die Hello Games im Herbst 2016 veranstaltete.

Der Galactic-Hub-Bürger Thomas war bei dieser Jagd dabei: "Eines Tages haben die Entwickler 17 alte Hörkassetten an ausgewählte Spieler verschickt, die einen Code enthielten.

Und noch während wir darüber rätselten, meldete sich einer unserer Admins und sagte: 'Ich habe einen Brief von Hello Games bekommen, wir sollen nach New York kommen!'" Der Brief, den der Admin erhalten hatte, lotste ihn und einige Freunde in ein Hotelzimmer der amerikanischen Großstadt, wo sie einen Aktenkoffer fanden. Darin enthalten: Noch mehr mysteriöse Botschaften, noch mehr Codes, noch mehr Geheimnisse, über die sich die Spieler teilweise bis heute ihren Kopf zerbrechen - und die Phantasie der kleinen, aber leidenschaftlichen Community anregt.

Das steckt im Atlas-Update 1.3:So hat sich No Mans Sky verändert

Getragen wurde diese unermüdliche Faszination an No Man's Sky dabei von den wenigen, aber dafür enorm umfangreichen Updates "Path Finder" und "Atlas Rising": Die erweiterten das Spiel um neue Fahrzeuge, Raumschiffe, den Basenbau, eine komplett frische Storyline, ein Grafik-Update und einige andere Neuerungen, die etwas frischen Wind in das Rollenspiel der Community brachten - und nicht zuletzt dem ewigen Vorwurf der Kritiker entgegneten, die No Man's Sky eine leere Spielwelt und zu wenige, interessante Features ankreideten.

Das “Galactic Hub" ist die größte Spielerkolonie von No Man’s Sky und hat zahlreiche Basen in den Sternensystemen errichtet. PC-Spieler nutzen dabei auch eine Vielzahl von Mods, um ihre “Hauptstädte" ein wenig interessanter zu gestalten. Das “Galactic Hub" ist die größte Spielerkolonie von No Man’s Sky und hat zahlreiche Basen in den Sternensystemen errichtet. PC-Spieler nutzen dabei auch eine Vielzahl von Mods, um ihre “Hauptstädte" ein wenig interessanter zu gestalten.

Sowohl For Honor als auch No Man's Sky gehören sicherlich nicht an die Spitzen der Top-Listen dieses Jahres und doch haben beide Titel ein ganz besonderes Comeback geschafft: Sie konnten viele ihrer ehemaligen, größten Kritiker davon überzeugen, dass sie eben nicht den Titel als "Hassspiel" verdient haben. Beide Spiele strahlen eine Faszination aus, die sicherlich nicht jedem gefallen kann, aber die sie in ihren ganz eigenen Nischen zum Liebling zweier leidenschaftlichen und phantasievollen Community gemacht hat.

Auch ein Ärgernis für viele: So schlimm ist der Denuvo Kopierschutz wirklich (Plus)

2 von 2


zu den Kommentaren (33)

Kommentare(33)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.