Wenn ihr Space Marine 2 gespielt habt, seid ihr auf sie getroffen: Heerscharen stummer, staubgefüllter Space-Marine-Rüstungen (die Rubric Marines) und mächtige Zauberer, die scheinbar grundlos das Recidious-System ins Verderben stürzen wollen. In der Welt von Warhammer 40.000 sind sie die Krieger der Thousand Sons – Space Marines mit der ikonischen gelb-blauen Rüstung und ägyptisch anmutendem Kopfschmuck.
Sie sind eine der zahllosen Verräter-Legionen, die den Dämonen des Chaos verfallen sind und seitdem einen von Oberschurke Horus angezettelten Burderkrieg gegen die Menschheit kämpfen. Und man kann sie auch einfach als Gegner, als Bösewichte behandeln und es dabei belassen. Doch dann entgeht einem ein wichtiges Detail.
Denn die tragische Geschichte der Thousand Sons unterscheidet sich in einem ganz fundamentalen Punkt von all den anderen Chaos-Legionen: Sie sind die einzige Fraktion, die den Imperator streng genommen nie verraten hat! Wie kommt das?
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Total War: Warhammer 40K sprengt alles!
Magisches Paradies des Wissens
Die Thousand Sons waren vor dem großen Verrat durch Horus und der Entstehung der Chaos Space Marines ein fortschrittlicher Orden voller Wissenschaftler und Gelehrter – fest entschlossen, das Imperium zu beschützen. Sie schufen mit Prospero eine utopische Heimatwelt, in der Denker, Forscher und Psioniker (die Magier des 40K-Universums) höchstes Ansehen genossen.
Magnus, ihr Anführer und Primarch (ein direkter Nachfahre des mächtigen Gottimperators), hatte sich es zum Ziel gesetzt, mithilfe psionischer Kräfte die Galaxie zu erkunden und zu entschlüsseln. Seinem Fokus auf Psikräfte begegneten andere Orden (vor allem die Space Wolves) jedoch mit großem Misstrauen und bezichtigten die Thousand Sons sogar der Hexerei.
Das führte so weit, dass der Imperator persönlich der Nutzung von Psi-Kräften einen Riegel vorschob. Trotz dieses Verbotes und ihrer Außenseiter-Rolle, blieben die Thousand Sons treue Diener des Throns.
Das Blatt wendet sich
Dann kam der Verrat von Horus. Dieses Kapitel ist eines der wichtigsten und tiefgreifendsten in der gesamten Warhammer-Lore. So wichtig, dass es dazu eine 64-teilige Buchreihe gibt.
Extrem verkürzt dargestellt: Der Primarch Horus hintergeht 10.000 Jahre vor den Ereignissen in 40K den Imperator und es kommt zu einem gigantischen Bürgerkrieg (oft als Die Horus-Häresie oder Der Große Bruderkrieg bezeichnet), in dessen Verlauf die Orden der Space Marines in Loyalisten und Abtrünnige unterteilt werden.
Magnus von den Thousand Sons sieht genau diesen Verrat jedoch dank seiner Psi-Begabung voraus und will den Imperator warnen. Er hat kein Interesse an Verrat, im Gegenteil. Da interstellare Kommunikation blockiert ist, projiziert er seine Seele direkt nach Terra (also auf die Erde, wo der Imperator sitzt).
Er stößt auf eine künstliche Barriere, die den kaiserlichen Palast schützt. Ein anonymer Einflüsterer bietet ihm die nötige Macht an, um die Barriere zu durchbrechen und seine Nachricht zu überbringen. Weil er keinen anderen Weg sieht, nimmt Magnus an.
Seine Warnung wird durch dieses gewagte Manöver zum Desaster, löst völliges Chaos aus und gefährdet die Existenz von Terra selbst. Weil sich der Thousand-Sons-Anführer damit über das Psi-Verbot hinwegsetzte, beauftragt der Imperator den Orden der Space Wolves mit seiner Festnahme. Magnus erkennt seinen Fehler an und will die Strafe des Vaters demütig annehmen.
Tödliches Missverständnis
Doch die Space Wolves werden wiederum manipuliert. Ihr neues Ziel: Magnus töten und seine Heimatwelt ausradieren! Aus einem Disziplinarverfahren wird plötzlich die Todesstrafe.
Es kommt zum Angriff. Die Thousand Sons stehen mit dem Rücken zur Wand.
Erst als die Space Wolves die Bibliotheken von Prosperos in Brand setzen, die Zivilisten gnadenlos abschlachten und der Orden zu fallen droht, greifen die Thousand Sons zu den Waffen.
Sie kämpfen nicht in als Aufständische wie die Horus-Anhänger, sondern zur reinen Selbstverteidigung und werden dadurch dennoch zu Verrätern. Magnus glaubt bis zum Schluss daran, der Imperator habe seinen Tod befohlen.
Um seine Leute vor der Auslöschung zu bewahren, verkauft Magnus seine Seele endgültig an den anonymen Einflüsterer, der sich nun als Chaos-Gott Tzeentch entpuppt, und teleportiert die Überlebenden in den Warp - die Heimat des Chaos.
Erst dort verfiel der Orden endgültig den dunklen Mächten (und verloren dabei ihre Körper). Die Tragödie zeigt, dass die Thousand Sons nie rebellieren wollten. Sie wurden von ihrem Vater missverstanden, von ihren Brüdern gehasst und von den Mächten des Chaos in eine Ecke gedrängt, aus der es kein Entkommen gab.
Dunkles Schicksal
Der Weg der Thousand Sons war ein ganz besonderer unter allen Space-Marine-Orden. Er war gepflastert mit Loyalität, verbotener Wissenschaft und einer verhängnisvollen Kette von Missverständnissen, die von den Dunklen Göttern meisterhaft orchestriert wurde.
Dieser Weg zeigt auf, dass im düsteren Universum von Warhammer 40K die Grenze zwischen Gut und Böse oft nur eine Frage der Perspektive und des Timings ist.
Wenn ihr also in Space Marine 2 wieder auf diese vermeintlich urbösen Legionen trefft, denkt einfach daran, dass sie das Endprodukt einer jahrtausendealten Tragödie sind. Sie erzählen die Geschichte eines Sohnes, der seinen Vater retten wollte und dabei alles verlor, was ihm lieb und teuer war.
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