Red Dead Redemption 2
1:00
Red Dead Redemption 2: PC-Trailer verspricht noch mehr Grafikdetails als die PS4-Version
T. Obias (Tobias Kirchner): Okay, es geht los: Hier diskreditiere ich einmal im Schnelldurchlauf meine Fähigkeit, Spiele zu beurteilen. Red Dead Redemption 2 hat mich komplett kalt gelassen, obwohl ich es durchgespielt habe.
Klar, das hat einen ähnlichen Geschmack wie negative Kritiken auf Steam, über denen eine drei- oder vierstellige Zahl an Spielstunden prangt. Schließlich ist Red Dead Redemption 2 nicht mal eben an einem Wochenende erledigt – auch, wenn ich mir das damals gewünscht hätte. Warum habe ich mir das also trotz meiner starken Meinung angetan?
Ich wollte einfach verstehen, warum der Konsens zu Rockstars zweiten Western-Abenteuer so eindeutig ist. Ich konnte es aber über die gesamte Spielzeit nicht nachvollziehen. Mir ist Red Dead Redemption 2 nur als extrem beeindruckende Grafikdemo in Erinnerung geblieben.
Von der Geschichte blieb hingegen wenig hängen. Das Gameplay ist dominiert von stundenlangen Reitausflügen und immer gleich ablaufenden Shooter-Einlagen. Noch schlimmer war für mich aber ein im im Verlauf der Handlung immer wiederkehrendes dramaturgisches Element, was mich irgendwann komplett verrückt gemacht hat. Aus Spoiler-Gründen verzichte ich hier einmal auf konkrete Beispiele.
Hogwarts Legacy
1:19
Hogwarts Legacy schickt euch im fantastischen Trailer Eulenpost
J. Ohann: Für viele ist Hogwarts Legacy wohl ein wahr gewordener Traum: Endlich können wir selbst als Zauberschüler im wohl schönsten Hogwarts aller Zeiten Abenteuer erleben.
Als riesiger Potter-Fan, der mit den Büchern und Filmen aufgewachsen ist, war auch meine Vorfreude zum Release gigantisch. Und die ersten Spielstunden sind auch eine pure Liebeserklärung an die Potter-Welt, keine Frage. Als ich erstmals durch die eindrucksvolle Große Halle schreite oder das quirlige Magierdorf Hogsmeade besuche, bin auch ich verzaubert. Doch genau nach diesem magischen Einstieg hat es bei mir einfach nicht Klick gemacht.
Denn das Schloss und die Welt entpuppen sich schnell als erschreckend generische Open-World-Schablone. Statt magischer Geheimnisse füllt sich die Karte mit unzähligen, repetitiven Sammelaufgaben, langweiligen Rätseln und … Banditenlagern? Die Story plätschert derweil überraschend belanglos dahin, während mich die blassen Charaktere und öden Dialoge völlig kalt lassen.
Und auch die Welt schert sich nicht um mich. Dass ich als minderjähriger Schüler reihenweise Wilderer mit tödlichen Flüchen niederstrecke, interessiert in Hogwarts einfach niemanden. Das hat für mich die Immersion sowie die zugegeben wunderschöne Fassade des Spiels eingerissen. In meinen Augen ist Hogwarts Legacy leider nur ein steriles, formelhaftes Open-World-Produkt mit starker Lizenz, aber ohne echte Magie.
God of War (2018)
2:54
God of War: PC-Trailer zeigt erste Szenen aus dem PlayStation-Meisterwerk
P. Aul: Ich liebe God of War! Kratos’ erstes Abenteuer sieht selbst mit mehr als 20 Jahren Abstand noch toll aus, das Kampfsystem ist ein Schmackes-Hammer, die Handlung tut nach wie vor an genau den richtigen Stellen weh. Kurzgesagt: Das Ding (und sein direkter Nachfolger) ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele der PlayStation-2-Ära.
Das 2018 veröffentlichte Unterhaltungsprodukt gleichen Namens dagegen wirkt auf mich auch im vierten Anlauf noch wie eine (zugegebenermaßen eindrucksvolle) Animationsstudie, bei der den Entwicklern zwei Minuten vor Abgabe eingefallen ist, dass da auch noch ein Spiel rein sollte. Das Original begann mit einem der heftigsten Bosskämpfe aller Zeiten (gegen die Hydra), der nur vom Einstieg im zweiten Teil getoppt wurde (das Gefecht gegen den Koloss von Rhodos, der zu einem der besten Penny-Arcade-Comics überhaupt führte).
Das 2018er God of War dagegen lässt mich zu Beginn wieder und wieder und wieder und wieder auf die Viereck-Taste hauen, um einen Baum zu fällen. Nur um danach mit dem nervenden Kratos-Nachwuchs durch das knirschende Unterholz zu schleichen, um blaue Rehe zu jagen und mich währenddessen verzweifelt durch ein komplett überfrachtetes UI zu hangeln.
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einem Kollegen genau dieses Leid geklagt. Und seine Aussage war: »Du musst es nur etwa 20 Stunden spielen, dann wird das richtig gut!« Tja. Mag schon sein. Aber wenn ein Spiel 20 Stunden braucht, um seine Qualitäten zu zeigen, dann hat es meine Aufmerksamkeit nicht verdient. Genau aus diesem Grund habe ich auch den Nachfolger Ragnarök bis heute noch nicht angefasst. Und auch keine Absicht, das jemals zu ändern. Der neue Kratos ist einfach nicht mehr mein Kratos.
Disco Elysium
1:00
Disco Elysium: Launch-Trailer zur Final-Cut-Edition stellt neue Features und Quests vor
D. Enninger: Ok, Disco Elysium hat einen sehr eigenen Stil und ist definitiv kein Spiel vom Fließband. Eigentlich müsste ich das mögen, weil ich selbst manchmal auch ein ziemlicher Edgelord bin. Aber dieses Spiel ist sooo gewollt edgy, dass ich es kaum noch ausgehalten habe.
Da juckt es mich dann auch nicht, wie toll das Ganze geschrieben ist. Alles ist so kaputt und dreckig und klug und bedeutungsschwer, dass es auf mich ins Selbstverliebte kippt. Als hätten sich die Autoren beim Schreiben permanent auf die Schulter geklopft: Ja, klasse, das war jetzt wieder sehr abgefuckt.
Dazu wirkt dieser ganze Kult um das Spiel so performativ: Ich glaube, so toll finden viele Fans es gar nicht, sondern sind eher darauf aus, ihren exquisiten Spielegeschmack zu betonen. Schaut her, ich verstehe wahre Kunst und spiele Disco Elysium, während ihr Tölpel irgendwelche Ballerspiele zockt!
Spielerisch war da leider auch nichts, was das für mich aufgefangen hätte. Viel Lesen, viel Klicken, viel Herumlaufen. Wenn ich einem abgewrackten Mann beim Saufen und Sich-selbst-Zerlegen zuschauen will, lese ich lieber gleich Bukowski.
So, ihr habt es geschafft! Konntet ihr das Dauerfeuer an kontroversen Meinungen halbwegs ertragen und habt noch Lust, über eigene Hot Takes zu reden? Dann macht es euch in den Kommentaren gemütlich!
Denkt aber daran, zivilisiert zu diskutieren, auch wenn ein Thema wie dieses erwartungsgemäß für hitzigen Gesprächsstoff sorgt. Lasst euch gern über die Spiele aus, aber nicht über die Menschen, die sie mögen.
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