Widerspricht New World seinem eigenen Open-World-Konzept?

Das MMO New World verspricht große Boss-Gegner mitten in der Open World. Doch nicht an jedem Kampf könnt ihr mal eben so im Vorbeigehen teilnehmen.

von Géraldine Hohmann,
19.05.2020 12:40 Uhr

Der Spriggan soll einer der am schwersten zu bezwingenden Gegner in New World werden. Er bekommt eine eigene instaziierte Arena. Der Spriggan soll einer der am schwersten zu bezwingenden Gegner in New World werden. Er bekommt eine eigene instaziierte Arena.

Eigentlich klingt New World so spannend: Das MMO lockt mit einem gigantischen Spielplatz, auf dem wir unsere Abenteuer erleben. Bossgegner, Events und legendärer Loot verstauben nicht in eigens instanziierten Dungeons - nein, wir begegnen ihnen überall, mitten in der Open World. Einfach reinspringen, entdecken, kämpfen, cool.

Doch wer genauer hinschaut, merkt: Ganz ohne Widersprüche scheint dieses Konzept nicht zu funktionieren. Die spannendsten PvE- und PvP-Features finden dann doch abgetrennt von der Open World statt.

Also doch keine Open World aus einem Guss? Und ist das überhaupt ein Problem?

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Disclaimer: New World befindet sich noch in der Alpha-Phase. Features befinden sich also im stetigen Wandel. Es werden noch immer Tester für die Closed Alpha zugelassen, die mit ihrem Feedback Einfluss auf die Zukunft des MMOs nehmen können.

Was ist bei New World passiert?

Um gegen World of Warcraft und Co. eine Chance zu haben, setzt New World vor allem auf eines: seine Open World. Statt wie in klassischen Themenpark-MMORPGs von Dungeon zu Dungeon zu pilgern, macht New World seine Welt selbst zum Dungeon.

Überall auf der Insel warten große Bossgegner auf euch, die ihr an Ort und Stelle plattmacht - sofern ihr euch durch die Schichten immer härterer Feinde kämpfen könnt, die sie umgeben. Die Entwickler selbst beschreiben das als Zwiebelprinzip. Das verspricht viele Freiheiten: Unterwegs schließt ihr euch spontan mit anderen Spielern zusammen, um gemeinsam einen oder zwei Bosse zu legen und zieht dann wieder allein eurer Wege.

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Der neu vorgestellte Endgame-Content der Amazon Game Studios scheint diesem Konzept zu widersprechen: Der Spriggan ist einer der mächtigsten Gegner der Open World, soll aber seine eigene instanziierte Arena bekommen - und er ist nicht der einzige, der von der offenen Welt abgeschirmt wird.

Das wahre Herzstück von New World sind die Massenschlachten. Für PvE-Spieler sind das die Invasionen, PvP-Fans erleben sie in Form des Kriegsmodus. Und auch die sind sehr klar von der offenen Welt abgegrenzt - vor einer Schlacht müssen potenzielle Teilnehmer sich anmelden.

50 Spieler werden vom Vorsteher eures Gebiets beziehungsweise zufällig gewählt und anschließend in den geschlossenen Bereich teleportiert, in dem die Schlacht stattfindet. Technisch gesehen befindet sich diese Bereiche zwar auf der Map, sie sind aber abgeschirmt vor Zuschauern oder Abenteurern, die sich vielleicht spontan dem Kampf anschließen wollen. Also rein praktisch eine Instanz. Wieso machen Entwickler das?

Warum machen die Entwickler das?

Game Director Scott Lane erklärt uns, dass es vor allem ums Balancing geht:

"Krieg und Invasionen sind nicht instanziiert, aber auf 50 Spieler (50 vs. 50 im Krieg) limitiert. Die Spielerzahlen sind aus unterschiedlichen Gründen limitiert. Wenn wir die Zahlen nicht begrenzen würden, hätten Gruppen mit mehr Spielern einen erheblichen Vorteil. Wir hatten nicht das Gefühl, dass das Spaß machen würde und es würde kleinere Kompanien vom Versuch abhalten, selber Land zu besitzen und zu verteidigen."

In den Massenschlachten erklären wir anderen Fraktionen den Krieg - oder verteidigen unser eigenes Land vor ihnen. In den Massenschlachten erklären wir anderen Fraktionen den Krieg - oder verteidigen unser eigenes Land vor ihnen.

Diese Vorsicht kommt nichts aus dem Nichts: Bis zum Dezember 2019 war das PvP in New World noch wesentlich stärker in die Open World integriert - in der ersten Alpha-Phase konnte jeder Abenteurer nach eigenem Gutdünken andere Spieler oder Gruppen in der Welt zum Kräftemessen herausfordern. Das Feedback der ersten Tester fiel jedoch wenig begeistert aus: Stärkere Spieler machten teilweise Jagd auf Anfänger und hielten PvE-Fans davon ab, die Welt zu erkunden.

Die Mehrheit schien sich viel mehr für die Welt, die Story und die Missionen von New World zu interessieren als die PvP-Sandbox, die es damals noch war. Die neue PvE-Ausrichtung und die negativen Erfahrungen mit Open-World-PvP könnten also ebenfalls zu der Entscheidung beigetragen haben, Massenschlachten so kontrolliert wie möglich ablaufen zu lassen.

Ist das problematisch?

New-World-Expertin Géraldine Hohmann: New World tanzt auf vielen Hochzeiten. Es will PvE- und PvP-Spieler gleichermaßen begeistern, die Open World zum Dreh- und Angelpunkt von allem machen, gleichzeitig Massenschlachten und Endgame-Content in abgeschirmten Bereichen kontrollieren. Und seinem Alleinstellungsmerkmal trotzdem treu bleiben.

Kein Wunder, dass New World bei so vielen Vorsätzen schon mehrfach den eigenen Kurs korrigieren musste - teilweise sogar sehr grundlegend. Das führt nicht nur zu Verwirrung, es lässt auch Raum für Sorgen, ob New World sich in dieser langen Findungsphase zu sehr zerfasern könnte.

Dass Engame-Content wie der Spriggan in eigene Arealen stattfinden - das ist zu verschmerzen. Und auch separate Massenschlachten stehen der Open World nicht unbedingt im Wege. Im schlimmsten Fall aber existieren die beiden Konzepte nur stillschweigend nebeneinander her, ohne zusammen ein tolles MMO zu formen, in dem verschiedenste Spielertypen ein gemeinsames Abenteuer erleben.

Die Entwickler adressieren das auf ihrer Website als eines ihrer größten Ziele. PvE-Spieler sollen zum Beispiel durch Handwerksberufe die PvP-Kämpfer in Massenschlachten unterstützen, ohne selbst daran teilzunehmen. Wenn die Entwickler weiterhin genau zuhören, was ihre Community sich wünscht, könnte dieser Spagat sogar gelingen. Denn neben dem Risiko liegt in New World auch die Chance, PvE- und PvP-Spieler im selben großen MMO zu vereinen - wo sie gemeinsam aus unterschiedlichen Perspektiven die selbe Mission verfolgen.

Ein Bossgegner allein markiert nicht den Untergang des Open-World-Konzepts. Und Kontrolle großer Spielerzahlen ist gerade bei einem MMO enorm wichtig, weswegen das Abschirmen der Massenschlachten auch die richtige Entscheidung für New World sein kann. Doch das wird sich erst mit der Zeit zeigen. Amazons Großprojekt befindet sich bis zum Release am 25. August noch im stetigen Wandel - und wahrscheinlich auch weit darüber hinaus.

Wenn ihr wissen wollt, welche Erfahrungen unser MMO-Veteran Heinrich Lenhardt bereits im Anspiel-Event von New World machen konnte und wo er noch Verbesserungspotenzial sieht, dann findet ihr seinen Bericht in unserer großen Plus-Preview:

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Die Kollegen von Mein-MMO erklären euch außerdem ganz genau, wie der mächtige Spriggan und seine PvE-Arena funktioniert. Alle weiteren Infos rund um Release, Beta-Keys und Gameplay lest ihr in unserem großen New-World-Hub.

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