»Wir kamen nicht mal selbst auf die Server«: Das sagen die Wolcen-Entwickler zum holprigen Launch

Wolcen ist spielerisch ein Hit, wird aber zum Release von technischen Problemen geplagt. Die Entwickler erklären, wie sie damit umgehen und wie es mit dem Action-RPG weitergeht.

von Elena Schulz,
02.03.2020 14:36 Uhr

Das Studio hinter Wolcen hat mit uns über Bugs, Server-Probleme, Content-Updates und mehr gesprochen. Das Studio hinter Wolcen hat mit uns über Bugs, Server-Probleme, Content-Updates und mehr gesprochen.

Stellt euch vor, ihr entwickelt ein großartiges Spiel und zum Release funktioniert es einfach nicht. So erging es den Entwicklern hinter Wolcen: Das Action-Rollenspiel überzeugt bei uns im GameStar-Test spielerisch auf ganzer Linie, macht zum Launch aber vor allem durch ein Technik-Desaster von sich reden: Bosse sind unbesiegbar, Speicherstände gehen verloren und die Spieler sind sauer.

Wir haben mit Studio-CEO Daniel Dolui ausführlich im Interview mit GameStar Plus über Wolcens technische Probleme und den Umgang damit, aber auch die Zukunftspläne des Entwicklers gesprochen. In diesem Artikel findet ihr die wichtigsten Punkte aus der GameStar-TV-Folge zu Wolcen. Das vollständige Video könnt ihr euch hier anschauen:

Wolcen-Entwickler über Pannen-Launch: Das lief schief - und so geht's weiter PLUS 23:51 Wolcen-Entwickler über Pannen-Launch: Das lief schief - und so geht's weiter

Wie konnte der Release so schiefgehen?

»Wie kann man so etwas nicht kommen sehen?«. Diese Frage geistert gerne durchs Internet, wenn es um überlastete Server oder offensichtliche Bugs geht, die es irgendwie in die finale Version von Spielen schaffen. Ganz so eindeutig fällt die Lage dann oft aber doch nicht aus, wie Dolui uns gegenüber erklärt:

"Eine Sache, die wir anfangs wirklich unterschätzt haben, war, wie viele Menschen gleichzeitig spielen würden. Wir waren auf hohe Spielerzahlen vorbereitet, doch zum Launch gingen sie regelrecht durch die Decke. Das hat unsere Server überlastet. Wir haben getan, was wir konnten, um die Serverkapazität zu steigern. Schon in den ersten Stunden nach Release haben wir da eine Menge Arbeit reingesteckt, aber es hat leider nicht gereicht, weil die Spielerzahlen immer weiter und weiter stiegen. Dann kam irgendwann der Punkt, an dem wir merkten, dass neue Bugs auftraten, die wir nie zuvor gesehen hatten, weil sie von den hohen Spielerzahlen verursacht wurden."

  • Hohe Spielerzahlen von teils 100.000 oder mehr im Vergleich zu 1.000 bis 2.000 in der Beta überlasteten die Server und verursachten gleichzeitig Bugs, die den Entwicklern bislang unbekannt waren, weil noch nie so viele Menschen Wolcen auf einmal gespielt hatten.
  • Die Entwickler konnten aufgrund der Überlastung nicht einmal selbst auf ihre Server zugreifen. Deshalb war es ihnen auch nicht möglich, bestimmte Bugs zu reproduzieren und zu beheben.
  • Das Patch-System funktionierte nicht richtig: Es kamen immer mehr neue Spieler dazu, die zusätzlich zu den bereits vorhandenen Spielern die neue Version per Update erhielten. Das zerschoss aber allen das Spiel und löschte Charaktere, ohne dass die Entwickler den Grund kannten. Deshalb mussten die Offline-Phasen verlängert werden, um Datenbankeinträge wiederherstellen zu können.
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Wie gingen die Entwickler mit den Problemen um?

  • Wolcen Studio sah sich gezwungen, das Action-Rollenspiel zeitweise offline zu nehmen, um die Fehler überhaupt erst zu identifizieren.
  • Als die Server wieder erreichbar waren, begann die Kategorisierung der Schwierigkeiten: Bugs konnten durch die überlastete Datenbanken verursacht werden, teils aber auch aus Netzwerkprobleme resultieren oder sich aber nur als Nebeneffekte anderer Fehler herausstellen. Der ganze Prozess dauerte laut Entwickler über eine Woche.
  • Über den eigenen Discord-Server, Reddit und andere Plattformen, auf denen Wolcen diskutiert wird, sammelte das Studio Feedback zum Spiel. So fanden die Entwickler auch heraus, welche Änderungen die Spieler am dringendsten wollten und konnte sie höher priorisieren.

Warum wurde Wolcen nicht erneut verschoben?

Wolcen wurde bereits einmal verschoben - von Januar auf Februar. Eine weitere Verschiebung hätte dem CEO zufolge aber wahrscheinlich wenig gebracht:

  • Der Entwickler habe darüber nachgedacht, allerdings sorgte schon die erste Verschiebung des Release-Datums für Wut bei den Fans und negative Kritiken. Das wollte das Studio nicht erneut riskieren.
  • Der Server-Bug wäre laut Dolui wahrscheinlich so oder so aufgetreten, weil das Studio ihn ja nicht auf dem Schirm hatte. Es wäre also womöglich durch den Ärger über den späteren Launch-Termin mit den selben Start-Schwierigkeiten noch schlimmer gekommen

Bugs und Abstürze - Warum also kein Testvideo zu Wolcen? 13:19 Bugs und Abstürze - Warum also kein Testvideo zu Wolcen?

Wie geht es mit Wolcen weiter?

Für Frust über den missglückten Launch war beim Entwicklerstudio keine Zeit. Stattdessen nahm man sich vor, die Probleme sofort anzugehen und alles andere dafür zurückzustellen.

  • Die ersten vier Monate nach Release soll nur am Polishing gearbeitet werden. Bugs werden verbessert und gefragte Komfort-Features wie zum Beispiel eine frei belegbare linke Maustaste (statt Auto-Attacke) sind geplant. Ursprünglich hätten in dieser Zeit schon neue Inhalte erscheinen sollen. Die stellt das Studio aber erst einmal zurück bis Wolcen rund läuft.
  • Später werden vollständig kostenlose Inhaltsupdates folgen. Dazu verraten die Entwickler noch nicht viel, versprechen aber regelmäßige Erweiterungen im Stil von Seasons und ein viertes Story-Kapitel. Wer sich wundert, dass die Geschichte von Wolcen so abrupt endet, kann sich also auf Nachschub freuen.
  • Auch das Endgame soll noch ausgebaut werden. Ob das Level-Cap erhöht wird, kann der Entwickler noch nicht verraten. Allerdings möchte man zusätzlich mit der eigenen Stadt arbeiten, die der Spieler verwalten darf. Die eignet sich ideal als paralleles Levelsystem, über das sich die Stufen der Stadt und damit auch der Fortschritt des Spielers abbilden lassen.
  • Ein Echtgeld-Shop wird kommen, hat aktuell aber keine Priorität. Wolcen Studio will dort ausschließlich kosmetische Items verkaufen. Schmucke Rüstungen sollt ihr euch aber auch beim Spielen verdienen können.
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