Kleidung, die nach 10 Jahren nicht mehr passt
An den Grundpfeilern der Serie hat sich natürlich auch im Remake nichts geändert. Erneut kreuzt Sega eine offene Spielwelt voller optionaler Nebenaufgaben mit einem Brawler. Unser Held Kiryu kämpft oft. Sehr oft. Da ist die Übernahme des schnellen Kampfsystems aus Yakuza Zero eine willkommene Verbesserung. Unser Protagonist kann jederzeit zwischen vier Kampfstilen wechseln und serientypisch völlig übertriebene Moves vom Zaun brechen. "Brechen" ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn Kiwami geizt nicht mit Blut.
Hier werden hemmungslos Gesichter auf den Asphalt geschlagen, Knochen zum Splittern gebracht oder Kiefer um Backenzähne erleichtert. Das klingt brachial und das saftige Trefferfeedback lässt keine Zweifel: Mit Kiryu legt man sich besser nicht an!
Doch ausgerechnet bei den Prügeleien merkt man, dass das neue Kampfsystem und die alte Spielwelt nicht immer zusammenpassen. Oft stellen sich Kiryu Feinde in engen Korridoren und Räumen entgegen, die nicht genug Raum für die großflächigen Kampfstile geben. Die Einengung schränkt die strategischen Optionen ein.
Hinzukommt eine Steuerung, die grundlegend gut funktioniert, aber in den Gefechten merklich hinderlich bleibt. Mit "E" weichen wir aus, per WASD bewegen wir uns. Gleichzeitig wegducken und eine Richtung angeben wird da fast unmöglich. Auch dass die Kamera beim Drücken der Bewegungstasten mitschwingt und die Maus fast schon ignoriert, spricht nicht für die Steuerung. Immerhin dürfen wir die Tasten frei ändern. Dennoch merkt man besonders bei den längeren Bosskämpfen, dass ein Gamepad Pflicht ist und in der Serie eine große Entwicklung stattgefunden hat.
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Denn zum einen müssen wir hier oft Ausweichen und die Kamera richtig ausrichten. Zum anderen wurden die Bewegungen und Kampfmuster der Obermotze nicht an das moderne Kampfsystem angepasst, Kiryu ist ihnen überlegen und die Kämpfe werden zu stumpfem Gesundheitsbalken-Wegprügeln ohne Dynamik - sofern sich das Steuerungsproblem erledigt hat. Dies wäre ein Aspekt gewesen, bei dem sich Kiwami konsequent von seinen Altlasten hätte trennen müssen.
Neu in Yakuza Kiwami ist die Integration von Majima. Er ist bei den Fans einer der beliebtesten, weil durchgedrehtesten Charaktere. Er kann Kiryu nun überall und jederzeit über den Weg laufen, um von ihm herausgefordert zu werden. Man gibt dem Augenklappenträger nicht nur ordentlich auf's Fressbrett, sondern wetteifert auch in den zahlreichen Mini-Spielen mit ihm. Ob diese Neuerung der Dramaturgie hilft ist fraglich, doch Majima-Fans klatschen sicher aufgeregt in die Hände. Besiegt man ihn bei allen Aktivitäten, erhält man seine Movesets für Kämpfe.
Schöner Nebeneffekt: Auf diese Weise lernt man alle Nebenaktivitäten kennen. Und das ist absolut lohnenswert! Zwar ist nicht jedes dieser Minispiele ein Volltreffer. Rennen mit ferngesteuerten Autos oder Billard sind zum Beispiel nur auf dem Papier aufregend. Aber Karaoke oder das skurrile Wrestling-Spiel »Battle Bug Beauties: MesuKing« sind wiederum ein großer Spaß. Ja, Letzteres solltet ihr googlen. Das ist so bekloppt, dass wir es selbst kaum fassen konnten. Ausprobieren sollte man die Minispiele aber alle, zumal vor allem Bowling, Baseball, oder Darts - im Gegensatz zu den Kämpfen - stark von der Maus profitieren. Zielen fällt auf dem PC deutlich leichter, nimmt den Spielen aber nicht den Spaß.

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