Roblox ist kein simples Spiel für Kinder, sondern eine gewaltige Plattform, auf der monatlich mehr Spieler aktiv sind als auf Steam (Roblox: 380 Millionen User pro Monat, Steam: 132 Millionen User pro Monat). Etwa 40 Prozent dieser User auf Roblox sind unter 13 Jahre alt und das macht die Plattform zu einer beliebten Umgebung für Pädokriminelle.
Der YouTuber Schlep, der selbst seit 14 Jahren zur Roblox-Community gehört, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese missbräuchlichen User aufzuspüren, zu stellen und die Fälle der Polizei zu übergeben. Jetzt wurde er aber von der Plattform gebannt und erhielt Post von ihrer Rechtsabteilung.
Abmahnung wegen unerlaubter und schädlicher Aktivitäten
In einem YouTube-Video fasst er die Ereignisse zusammen. Nachdem er und sein Team seinen Angaben nach im letzten Jahr für die Festnahme von sechs Pädokriminellen in Roblox gesorgt haben, wurden seine Accounts gebannt und er erhielt eine Abmahnung.
Link zum YouTube-Inhalt
Künftig darf er kein neues Roblox-Konto mehr eröffnen. Sollte er sich darüber hinwegsetzen, will das Unternehmen juristisch gegen ihn vorgehen. Die vollständige Abmahnung hat Schlep über Twitter/X geteilt. Darin wird ihm Folgendes vorgeworfen:
- Teilnahme an simulierten Gesprächen über Kindesgefährdung
- Weitergabe oder Abfrage personenbezogener Daten
- Anweisung von Nutzern, Gespräche außerhalb der Plattform zu führen
Indem er und sein Team sich als Kinder ausgegeben haben, um Cybergroomer in Gespräche zu verwickeln und deren persönliche Daten zu sammeln, um sie an die Polizei weiterzugeben, hat er gegen die Plattform-Richtlinien verstoßen.
Informationen & Hilfe bei Cybergrooming
Cybergrooming bezeichnet das gezielte Ansprechen von Minderjährigen im Internet mit sexuellen Absichten - und ist in Deutschland strafbar.
Das Bundeskriminalamt informiert darüber, wie Täter vorgehen, wie man die Gefahren erkennt und welche Schritte man unternehmen kann, wenn man betroffen ist. Die Seite bietet praktische Tipps für Kinder, Eltern und Fachkräfte, um Prävention und Schutz zu gewährleisten.
Statt in Eigenregie zu handeln, hätte Schlep laut Roblox die dafür vorgesehenen Kanäle zum Melden verdächtiger Aktivitäten nutzen sollen. Seine Methoden »beeinträchtigen jedoch aktiv die etablierten Sicherheitsprotokolle von Roblox und setzen die Benutzer von Roblox einem erhöhten Risiko aus.«
Roblox' Umgang mit »selbsternannten Ordnungshütern«
Am selben Tag veröffentlichte Roblox-Sicherheitschef Matt Kaufman einen Blogpost auf der Webseite des Unternehmens. Darin spricht er unter anderem über den Umgang mit »selbsternannten Ordnungshütern« [Anm.: im Original »Vigilante Groups«]:
Strafverfolgungsbehörden sind am besten in der Lage, potenzielle Straftaten zu untersuchen. Daher möchten wir sicherstellen, dass alle Verstöße auf Roblox über die entsprechenden Kanäle gemeldet und bearbeitet werden. Leider gibt es Fälle, in denen Gruppen selbsternannter Ordnungshüter oder Einzelpersonen gegen unsere Richtlinien verstoßen, um Nutzer in eine Falle zu locken oder die Plattform anderweitig selbst zu kontrollieren.
Obwohl diese Gruppen scheinbar das Wohl der Öffentlichkeit im Sinn haben, handeln sie tatsächlich auf eine Weise, die anderen schaden könnte [...]. Aktionen von Gruppen selbsternannten Ordnungshütern erhöhen das Risiko, dass mehr Nutzer Kriminellen ausgesetzt werden, und können die Strafverfolgung sowohl von Roblox als auch von Strafverfolgungsbehörden verzögern.
Jedes Konto, einschließlich der Konten von Bürgerwehren oder Einzelpersonen, das gegen unsere Richtlinien verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen, die gegebenenfalls bis zur Entfernung und Sperrung reichen können. Wir setzen unsere Richtlinien in Übereinstimmung mit unseren Gemeinschaftsstandards und allgemeinen Nutzungsbedingungen durch. [...].
Die Aktionen dieser Gruppen, die darauf ausgerichtet seien, »sensationslüsterne Social-Media-Inhalte« zu kreieren, führen dazu, dass Verdächtige länger auf der Plattform verbleiben.
Auf Anfrage von PCMag betonte ein Roblox-Sprecher, dass diese Politik insbesondere Gruppen mit »Profitmotiv« betreffe, die Unternehmen mutmaßlich nicht die nötigen Informationen liefern, um Maßnahmen zu ermöglichen.
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Schleps Inhalte auf Youtube
Schlep selbst ist aktiv auf Roblox, seitdem er acht Jahre alt war. Er sei damals ebenfalls von Cyber-Groomern bedrängt worden, weshalb er sich im Erwachsenenalter dazu entschied, gegen User wie diese vorzugehen. Mittlerweile zählt sein YouTube-Kanal mehr als 620.000 Abonnenten.
In seinen Videos zeigt er, wie er und sein Team Cyber-Groomer in die Falle locken, indem sie in Chats behaupten minderjährig zu sein.
Dafür arbeitet Schlep mit umstrittenen »Hunter Groups« wie EDPWatch und Predator Poachers zusammen, die sich mit den Tätern treffen und sie konfrontieren. Vor den Treffen stimme sich Schlep mit den örtlichen Behörden ab, und habe so in der Vergangenheit bereits für Festnahmen gesorgt.
Er selbst ist erschüttert von Roblox' Vorgehen und bestreitet jegliches Fehlverhalten. Obwohl die Plattform fundamental für seinen Lebensunterhalt ist, plant er nicht, mit neuen Accounts zu Roblox zurückzukehren.
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