Wer einen OLED-TV zu Hause hat, weiß, wie hervorragend ein Film, eine Serie oder Spiele aussehen können. Mit 4K und HDR sind wir doch eigentlich ziemlich gut bedient und haben erst einmal ausgesorgt.
Oder?
Keine Frage: Wir leben im Heimkino und beim Spielen in einer verdammt guten Zeit. Aber haben wir das Ende der Fahnenstange bei der Bildqualität bereits erreicht?
Die Antwort darauf ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nein. Dennoch würde ich gerne meine Kristallkugel anschmeißen und eine Prognose für TVs in den kommenden zehn Jahren wagen.
Zuerst ein Blick zurück
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel sich in einer Zeitspanne von zehn Jahren tut, lasst uns kurz einen Blick zurück werfen.
Was hat sich seit 2014 bei TVs verändert? Viele Dinge haben sich zum Positiven geändert:
✅ TVs wurden immer smarter
✅ 4K- und 8K-Auflösungen kamen hinzu
✅ HDR hat sich als Standard durchgesetzt
✅ Streaming-Dienste haben die DVD/Blu-ray geschlagen
Es gab aber auch Technologien auf dem absteigenden Ast:
❌ 3D findet im Heimkino nicht mehr statt
❌ Plasma-TVs werden nicht länger hergestellt
❌ Lineares Fernsehen hat an Bedeutung verloren
Daraus ergibt sich: Innerhalb weniger Jahre können Technologien auftauchen, stark an Beliebtheit gewinnen oder gänzlich verschwinden. Eine Garantie auf Erfolg gibt es nicht.
Dann lasst uns mit diesem Wissen nun endlich in die Zukunft schauen.
Das könnte sich bis 2034 verändern
Auf dem Zettel für die Zukunft stehen einige vielversprechende Technologien, die auf den Kopf stellen könnten, was wir bisher für gut oder wichtig befunden haben.
Nachstehend präsentiere ich euch meine Thesen und eine Einordnung dazu.
Wir werden noch bessere Bildqualität sehen
Mini-LED, QLED und OLED sehen knackig aus, keine Frage, besonders im Vergleich zu alten LCD- oder Plasma-Geräten – und damals dachten wir bereits, wir hätten gute Bildqualität.
OLED wird uns noch jahrelang begleiten. Am Horizont werfen allerdings bereits neue Bildschirmtechnologien ihre Schatten voraus.
QDEL oder Quantum Dot Electroluminescent: Auf der CES gab es einen ersten Prototypen von Sharp zu bestaunen und internationale Kollegen zeigten sich begeistert. Die Vorteile von QDEL sind:
- Quantum Dots konvertieren Licht in Farbe. Dazu brauchen sie eine externe Lichtquelle, etwa eine Hintergrundbeleuchtung.
- Quantum Dots in QDEL leuchten von allein. Jeder Pixel hat drei Subpixel: Rot, Grün und Blau. Klingt einfach, aber in der Vergangenheit stellten blaue Pixel Hersteller vor ein Problem, da diese weniger hell leuchten.
- QDEL kann leicht produziert werden und zwar zu ähnlichen Konditionen wie LCD. OLED-Fabrikhallen müssen immer klinisch rein gehalten werden, was in einem höheren Produktionsaufwand mündet und sich im Preis niederschlägt.
PeLED oder Perowskit Light Emitting Diode: An dieser Technologie wird derzeit am belgischen Forschungszentrum Imec geforscht. Im Rahmen des Projekts namens »Ultra-Lux« haben Wissenschaftler Leuchtdioden vorgestellt, die auf dem Mineral Perowskit basieren.
Das Perowskit in einem PeLED-Display würde als Halbleiter fungieren und könnte dazu führen, dass Panels bedeutend höhere Stromdichten verarbeiten als OLEDs. Laut einem Artikel von Nature Photonics, ist es Forschern gelungen, einen Bildschirm herzustellen, der bereits bis zu 1.000 Mal heller strahlt als heutige OLED-Displays.
Neben QDEL und PeLED wird derzeit auch noch an PHOLED geforscht. Das sind phosphoreszierende OLEDs.
Momentan ist es so, dass elektrischer Strom in OLEDs zu rund 25 Prozent in Licht und 75 Prozent in abgestrahlter Hitze umgewandelt wird. Bei PHOLED würde der Strom zu 100 Prozent in Licht umgemünzt, was in einer deutlich höheren Spitzenhelligkeit münden würde.
Zum aktuellen Zeitpunkt ist keine der Paneltechniken für den Massenmarkt bereit. Allerdings dauerte es auch nur rund drei Jahre, als aus dem 2013 vorgestellten OLED-Prototyp von Sony eine neue TV-Technologie wurde, die heute LCD den Rang abläuft.
Und bis 2034 ist ja noch ordentlich Zeit.
8K wird weiterhin eine Nische bleiben
Kurz und gut: 8K-Auflösung wird erst relevant, wenn Fernseher sich auf die 100 Zoll zubewegen. Dann erkennt man wirklich einen Unterschied.
Freilich, 8K-TVs haben heute auch schon Vorteile wie besseres Upscaling und ein technisch gesehen besseres Bild, aber es gibt immer noch so gut wie keinen Content.
Mit der Blu-ray auf dem absteigenden Ast (wobei das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist) und der gedrosselten Bildqualität bei Streaming wird sich wahrscheinlich auch so schnell niemand finden, der 8K-Fans mit Content füttern möchte.
Wobei sich in Sachen Streaming durchaus etwas ändern könnte.
Unkomprimiertes Streaming wird kommen
Ein neuer Weltrekord wurde erreicht: In Japan ist es Forschern gelungen, eine Internetgeschwindigkeit von 402 Terabit pro Sekunde zu erreichen.
Natürlich ist das ein Unikum, aber es bedeutet auch, dass die Decke nach oben offen ist. Die Bandbreite in unseren Heimen (über kurz oder lang auch in Deutschland) wird immer größer werden.
Was das bedeutet: Bessere Qualität beim Streaming. Momentan werden Bild- und Audiodaten komprimiert, worunter die Qualität am heimischen TV leidet.
Über kurz oder lang wird das wegfallen und wir werden mit nativer 4K-Auflösung in HDR beglückt werden.
Fernseher werden weder durchsichtig noch faltbar
Ebenfalls auf der CES 2024 zu sehen waren TVs, deren Formfaktor ein wenig avantgardistisch anmutete. Die Kisten sehen seit dem Aufstieg von Flachbildschirmen aber auch wirklich alle gleich langweilig aus (finden zumindest manche).
Transparente Fernseher von Samsung und LG sorgten für offene Münder. Schaut euch dieses Video an, dann wisst ihr, warum.
Link zum YouTube-Inhalt
Der Fernseher wirkt wie eine Glasscheibe. Das ist cool, keine Frage. Um den das schwarze Loch im Wohnzimmer loszuwerden, bietet Samsung seit Jahren eine Art Bildschirmschoner-Modus auf seinen TVs an (womit nicht jeder glücklich ist).
Ich glaube nicht, dass sich das durchsetzen wird. Bereits auf der IFA 2016 zeigte Panasonic ein solches Modell und mehr als eine Machbarkeitsstudie ist das nicht, egal wie viele Ausstellungsstücke für große Augen sorgen.
Ausklappbare TVs von C-Seed sehen auf jeden Fall imposant aus.
Außerdem spart so eine Konstruktion Platz, was noch relevant werden wird, wenn unsere TVs immer weiter wachsen (was sie auch tun werden, dafür muss ich nicht einmal in die Glaskugel schauen). Allerdings hat der Fernseher von C-Seed zwei Haken:
- Das Aufklappen mittels Motor dauert anderthalb Minuten.
- Das verbaute Micro-LED-Panel ist verdammt teuer.
Demnach wird sich auch dieser Paradiesvogel nicht durchsetzen können. Im täglichen Gebrauch oder für unser aller Geldbeutel ist der nämlich nicht gemacht.
Apropos Micro-LED …
Micro-LED wird (noch) keine Rolle spielen
Diese Woche konntet ihr bei uns folgenden Artikel lesen:
- Samsung und LG machen einen Rückzieher: Für den größten OLED-Nachfolger sieht es gerade schlecht aus
Gemeint ist Micro-LED. Beide koreanischen Tech-Riesen haben ihr Investment in die Technologie geschmälert. Micro-LED-Panels sind teuer in der Herstellung, aber die Technik hat sich in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt.
Ich finde Micro-LED hervorragend. Seit ich die Technik auf der CES 2018 live gesehen habe, war mir klar, dass so die Zukunft von TVs aussehen wird, vor allem wegen der modularen Bauweise, die nahezu jede Bildschirmdiagonale möglich macht. Man will sich zu Hause vergrößern? Kein Problem, einfach Module dazukaufen und anschließen (so zumindest meine Wunschvorstellung)!
Innerhalb der nächsten zehn Jahre rechne ich allerdings nicht mit erschwinglichen Micro-LED-TVs. Seit 2018 gibt es keine signifikanten Sprünge nach vorn und das wird sich mit weniger Investment nicht ändern.
Vielleicht muss aber nicht erst Micro-LED kommen, um die TV-Welt ganz auf den Kopf zu stellen.
Fernsehen könnte sich komplett verändern
Obacht, für diese These lehne ich mich ein wenig weiter aus dem Fenster.
Genau wie sich Streaming in den letzten zehn Jahren schrittweise zu vermeintlichem Pay-TV entwickelt hat, so könnte Fernsehen 2034 ganz anders aussehen.
Und das dank Apple.
Die Apple Vision Pro startete im Februar mit großen Erwartungen. Völlig egal, wie sich die Brille in einem Test geschlagen hat, eines haben die meisten Reviews gelobt: Das Schauen von Filmen.
In einem Artikel zu Apple Vision Pro kam ich zum Fazit, dass die Brille technisch bereits mit unseren heutigen Heimkinos mithalten kann (und vor allem 3D-Liebhaber ein freudiges Jauchzen entlockt).
Offen bleibt, wie viele Iterationen die AR/VR-Brille erhalten wird, aber mit weiterem App-Support und HDMI-Anschluss für Zuspieler sowie stetig besser werdender Technik, könnte die Vision Pro als sekundärer »TV« in einer fernen Zukunft ein Leben führen.
Dazu muss Apple allerdings Farbe bekennen und seine Vision Pro auch in Zukunft stetig weiter verbessern, wären da nicht diese Gerüchte, in Cuprtino hätte man das Projekt bereits eingestellt (via t3n).
Um es auf einen Punkt zu bringen: 2034 sitzen wir vor einem TV, der vermutlich kein OLED mehr ist. Das Bild ist hübscher, nicht nur wegen neuer Bildtechnologien abseits von Micro-LED, sondern auch wegen nativ aufgelöstem Streaming. Es wird aber immer noch ein 4K-Fernseher sein, der weder falt- noch rollbar oder durchsichtig ist.
Wer weiß, vielleicht haben wir 2034 aber auch ganze Videowände zu Hause oder sitzen mit VR-Brillen gemeinsam auf der Couch?
Wir sprechen uns in zehn Jahren wieder!







Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.