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Camping Builder ist keine normale Aufbau-Simulation. Ihr seid gewarnt.

Steffi hat die Demo von Camping Builder durchgespielt. Was erstmal nach entspanntem Camping aussieht, wurde schnell zum Horrortrip mit Südsee-Flair.

von Stephanie Schlottag,
07.04.2022 17:45 Uhr

Wenn ich campen gehe, dann tue ich das gemeinsam mit mindestens zehntausend schwarz gekleideten, grölenden und meist langhaarigen Mitmenschen.

Geduscht wird ausschließlich mit Dosenbier (prickelt morgens schön auf der Kopfhaut). Abends schlummert man friedlich zu Blastbeats turmhoher Lautsprecher ein, die selbst aus zweihundert Meter Entfernung noch das Innere der Lungenflügel massieren. Und irgendwo hüpft immer eine beschwingte, bärtige Zahnfee im rosa Minikleid mit nichts drunter rum.

Ja, ich fahre gern und oft auf Metal-Festivals.

Die Autorin: Dass Steffi überhaupt an Camping Builder geraten ist, muss Schicksal sein. Sie kann mit den meisten Simulatoren nur so mittelviel anfangen und hat sich das Spiel blind aus einer Ideen-Liste für FYNG geschnappt. Campen findet sie nämlich halbwegs spannend (mit oder ohne Bier) und sie wollte doch nur eine ganz gemütliche Preview schreiben. Diese Närrin.

Aber es soll ja noch eine ganz andere Seite des Campings geben. So mit Ruhe und Entspannung in der ungestörten Natur, mit Vogelgezwitscher statt Growls. Klingt völlig absurd in meinen Ohren, aber ich erweitere meinen Horizont ja gerne, nicht nur musikalisch.

Und da passt Camping Builder wie der Ellenbogen zum Moshpit. Die spielbare Demo verspricht mir Sonnenschein am Tropenstrand, wo ich mir fröhlich mein eigenes Ferienressort aufbaue. Oh, wie naiv ich doch war!

Camping Builder sieht im Trailer harmlos aus, ist in Wahrheit aber ganz schön gruselig 1:30 Camping Builder sieht im Trailer harmlos aus, ist in Wahrheit aber ganz schön gruselig

Zwischen Müllsammler-Sim und Horror-Trip

Die ersten Minuten von Camping Builder bieten mir erstmal vertraute Anblicke: Graue Nebelschwaden, ein rauchverhüllter Himmel, vor mir sitzt eine ältere Dame am Lagerfeuer und redet angeregt mit sich selbst über das spirituelle Universum. Im Hintergrund: zusammengestürzte Bauwerke und Müll. So weit, so Festival.

Ist das Kunst oder kann das weg? Ist das Kunst oder kann das weg?

»Auf dich wartet hier viel Arbeit, mein Freund«, sagt die Dame und ich begreife, dass sie wohl die ganze Zeit mit mir gesprochen hat. Wie, Arbeit? Ich dachte, ich soll mich hier entspannen? Na gut, zwischen den Müllhaufen sonnt es sich bestimmt eh nicht besonders angenehm. Dann hören wir uns mal an, was Insel-Lady noch zu erzählen hat. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt, sie spricht nämlich finstere Drohungen aus.

Der letzte Besucher hier war wohl ein ziemlicher Drecksack im wahrsten Sinne, der den ganzen Müll hinterlassen hat. Und weil er sich der Insel gegenüber respektlos aufgeführt hat, wurde er von Mutter Natur (genannt Malu) bestraft – wie genau, erfahren wir nicht.

Sein Schicksal bleibt ganz meiner Fantasie überlassen und ich verstehe sofort: Hier wird Umweltschutz radikal durchgesetzt! Darauf deutet auch der verdächtig verlassene Trailerpark hin, den ich tief im Wald entdecke, als ich den Story-Pfad kurz verlasse. Heiliger Palmwedel.

Tatsächlich soll das eins der Grundprinzipien von Camping Builder werden: Wer im Einklang mit Pflanzen und Tieren lebt (also zum Beispiel neue Bäume pflanzt, nachdem man anderswo welche gefällt hat), wird mit schönem Wetter belohnt. Wer den Strand vollmüllt, riskiert dagegen dramatische Folgen. In der Demo geht das allerdings noch nicht, erst im fertigen Spiel darf man auch zur Umweltsau werden. Ich hätte aber eh zu viel Angst vor Insel-Lady.

Verlassene Anlage Irgendetwas hat hier gewütet, sogar die Bäume sind umgeknickt. Und keine Menschenseele mehr zu sehen.

Die Insel-Lady Laut Untertiteln heißt sie Kailani, aber ich habe zu viel Angst, um die Insel-Lady mit Namen anzureden.

Mit der Axt zum Alptraum in Pink

Also zücke ich einen Spieß, mit dem ich Flaschen, Dosen und Plastik aufpicke. Die vollen Müllsäcke wandern in praktischerweise bereitstehende Container – leider erklärt mir niemand, welcher Müll in welche Farbe gehört.

Vorsichtshalber entscheide ich mich für das mir eingedrillte deutsche System, also Plastik = Gelbe Tonne. Scheint richtig zu sein, denn plötzlich steht die Insel-Lady vor mir und sagt, dass ich mich sehr brav verhalte und bestimmt von Malu belohnt werde. Ich fürchte um mein Leben.

Als nächstes will sie, dass ich die alten Bungalows kleinhacke. Endlich wieder auf vertrautem Terrain! Sachen mit Äxten kleinhauen kenne ich, das gehört natürlich zu jeder Viking-Metalband. In Windeseile zerschmettere ich die Hütten zu Feuerholz, Odin will es so!

Aus den Überresten baue ich dann meine eigene Ferienanlage. Zumindest in der Demo funktioniert das einfach, indem ich Holz aufsammle und mittels Rechtsklick an die vorgegebenen Stellen packe. Später soll ich meine Wände auch in hübschen Farben bemalen, »damit sich die Gäste wohl fühlen«. Sekunde mal, Gäste?

Diese Axt ist plötzlich in meiner Hand aufgetaucht. Insel-Lady will wohl, dass ich bewaffnet bin. Diese Axt ist plötzlich in meiner Hand aufgetaucht. Insel-Lady will wohl, dass ich bewaffnet bin.

Insel-Lady hat wohl plötzlich Gefallen am Ökotourismus gefunden und säuselt mir entgegen, dass der Ozean gerade die ersten Besucher zu mir trägt. Ängstlich schnappe ich mir das Spray-Tool und will meinen Bungalow als Zeichen des Friedens grün färben. Geht leider nicht, also nehme ich Zahnfeerosa, die Zeit drängt!

Kaum habe ich fertig gemalt, soll ich Lampen aufhängen. Hier überfordert mich die unerwartet riesige Farbauswahl komplett und in meiner Panik entscheide ich mich einfach nochmal für Rosa. Was für ein Fehler. Ich habe einen Alptraum in Pink erschaffen, der so manches Bordell vor Neid erblassen lassen würde:

Panik-Pink Meine unverzeihliche Geschmacksverirrung lässt sich nicht rückgängig machen.

Oh je! Ich finde nett, dass Insel-Lady dieses Machwerk hier als Erfolg verbucht.

Zum Glück ist Insel-Lady offenbar farbenblind und lässt mir meinen Liebesnest-Bungalow durchgehen. Ich soll mich am Lagerfeuer einfinden und dort mit meinen Gästen feiern. Kurz bin ich sicher, dass ich die Mahlzeit darstelle, die über dem Feuerchen geröstet wird.

Zum Glück liege ich daneben. Begeistert stelle ich fest, dass die Touristen Instrumente mitgebracht haben. Ich mache mir vor dem Monitor ein lauwarmes Dosenbier auf, und schon fühlt es sich wieder ganz heimatlich nach Festival an. Schön hier.

Als langjährige Festival-Besucherin kann ich garantieren: Das ist In Extremo. Die spielen immer als Letztes. Als langjährige Festival-Besucherin kann ich garantieren: Das ist In Extremo. Die spielen immer als Letztes.

Während der 30 Minuten langen Demo habe ich geschätzt drei Tonnen Müll gesammelt, zwei Bungalows gebaut und die gnadenlose Insel-Lady überlebt. Am Ende wurde es sogar noch ganz gemütlich, mit Musik und Tanz. Vielleicht ist die Insel ja doch nicht so schlimm? Dachte ich so lange, bis mir in den letzten Sekunden eine schmeichelnde Stimme ein Vermögen bietet, wenn ich dafür den Wald niederbrenne. Cut, Spiel vorbei. Ich starre auf das Hauptmenü und hänge am Haken.

Dabei weiß ich immer noch nicht, was das eigentlich für ein Spiel wird, wenn es fertig ist. Aufbau-Sim mit Story-Anstrich? Oder doch eher Story-Adventure mit Bauelementen? Blanker Horror? In der Steam-Beschreibung ist wenig erhellend die Rede von Rätseln, die es zu lösen gilt, aber auch vom Verwalten meiner Ferienanlage. Es bleibt spannend! Auf jeden Fall will ich unbedingt wissen, wie es hier weitergeht.

Wann sich der Vorhang hebt, steht noch nicht fest. Camping Builder lässt sich bisher kein konkretes Release-Datum entlocken. Aber ich werde geduldig warten und die finsteren Geheimnisse der Insel-Lady aufdecken, verlasst euch drauf.

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