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Seite 6: Counter-Strike: Die Geschichte - Rückblick: Der Taktik-Shooter wird 10 Jahre alt

Gastfazit

Christoph Burr ist Community-Manager beim ESL-Organisator Turtle Entertainment und spielt seit 10 Jahren Counter-Strike. In seinem Gastfazit hebt er Eigenheiten und Kuriositäten hervor, erinnert sich an Schummler-Clans und erklärt, warum CS noch immer so beliebt ist.

Christoph Burr: »Vor 10 Jahre hat wohl niemand damit gerechnet, dass sich Counter-Strike zum Multiplayer-Dauerbrenner entwickeln würde. Damals noch mit Pentium II im Hobbykeller von Freunden, heute millionenfach auf Highend-PCs daheim am Breitbandanschluss. Genauso wenig konnte ich mir Ende 99 vorstellen noch in 10 Jahren dieses Spiel zu spielen oder gar über das Hobby zum Beruf zu kommen. Als Daddel-Anfänger kam mir das Spielprinzip als Abwechslung zum hektischen Half-Life-Deathmatch oder anderen Shootern gerade recht. Auch wenn die Geiseln nicht dazu taugten wirklich befreit zu werden, es machte eben Spaß auf den Counter-Strike-Maps den Terroristen entgegen zu »rushen«.

Unvergesslich die Entdeckung des Scharfschützengewehrs AWP – Mit einem Schuss den Counter-Terrorist vom Dach auf cs_assault zu holen, war eine Revolution im Freundeskreis. Schnell als Feigling-Waffe verschrien, war es auch das Schießeisen, das über alle Versionen hinweg die meisten Änderungen erfuhr.
Der neue Demolition-Modus in Beta 4 war ein weiterer Höhepunkt. Auch wenn de_dust als Deathmatch-Rusher-Map wenig von einem typischen Taktik-Shooter hatte, sie war unbestritten beliebt und hat zum Erfolg von CS beigetragen. Die de-Maps waren für meinen Clan gleichzeitig auch der Einstieg in den eSport – CS hatte sich als Taktikshooter endgültig etabliert. Patch-Änderungen an den Spielmechaniken bedeuteten nicht nur persönliches Ärgernis sondern konnten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Taktiken mussten an die Karten angepasst werden, Änderungen an der Waffenhandhabung sorgten oft für Frust.

Man kann die Entwicklung von Counter-Strike in ein vor und nach der Version 1.0 teilen. Bis zur Einführung von Steam wurde daher auch immer wieder gerne auf die Beta 6.5 zurück gewechselt. »Früher in 6.5 war alles besser«, hieß es dann oft. Tatsächlich gab es mit der Beta 7 und der anschließenden 1er Versionen gravierende Änderungen. Veränderter Waffenrückstoß und neue Spielermodelle sorgten für viele Diskussionen in der Szene. Doch bis auf Kleinigkeiten hat sich bei Waffen und Figuren bis zur Version 1.6 wenig geändert.

Ab diesem Zeitpunkt wurde auch das Betrügen mehr und mehr zur Plage. Manch einer suchte sich sogar seine Hardware nach den Möglichkeiten, die sie ihm in Counter-Strike bieten würde aus. Es war nicht selten erstaunlich, wie sich vermeintliche Profis, die zuvor in Internetpartien ihren Gegnern haushoch überlegen waren, auf der Wochenend-LAN und mit dem wachsamen Auge der Mitspieler im Rücken versagten. Manche Teams nannten wir liebevoll Houdini-Clan – lauter kleine Zauberer.

Es begann die Zeit der Scripte. Für jede Bewegung gab es das passende Script: Bunny-Hop, Turn-Script, AWP-Script und selbstverständlich Kauf-Scripte. Config-Werte und Netsettings bestimmten das Gameplay und waren für manch einen Schuld am spielerischen Unvermögen. Ex_interp als Inbegriff einer bösen Config!

Mit Steam Mitte 2002 brachte Valve zunächst viele CS'ler zum Fluchen, doch selbst häufige Lags, Abstürze und Downtimes konnten den Siegeszug der Onlineplattform nicht stoppen.

Erst sehr spät wurde zum Thema, was Counter-Strike eigentlich prägte: Die Taktik. Demoplayer und vor allem Half-Life-TV rückten taktisches Vorgehen und Teamplay deutlich in den Vordergrund. Die Möglichkeit Spiele zu beobachten und zu übertragen, gaben der Szene einen erneuten Schub und wohl ein Hauptgrund wieso Counter-Strike immer noch lebt.

Mit 1.6 war die große technische Entwicklung im Spiel selber abgeschlossen, CS aber damit noch lange nicht am Ende. Weitere 6 Jahre hat sich das Spiel auf den Multiplayer-Servern gehalten, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der hübscheren Counter-Strike: Source-Alternative. Etliche Steam-Patches haben bis heute immer wieder für Änderungen gesorgt. Früher Bunny-Hop, heute Russenduck – auch nach 10 Jahren wird über CS und seine Eigenheiten diskutiert und den Folgetiteln erfolgreich Paroli geboten.
Viel hat sich geändert, aber CS ist und bleibt eben CS

Wir danken Christoph Burr für dieses ganz persönliche Gastfazit und freuen uns über Ihre Kommentare zum Thema 10 Jahre Counter-Strike.

Mehr zum Thema 10 Jahre Counter-Strike:

» Counter-Strike: Ein »Killerspiel«?
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