Diablo 2: Resurrected - Wenn »Nein« ein gutes Zeichen ist

Meinung: Das Teufelchen ist aus dem Sack: Diablo 2 bekommt mit Resurrected ein waschechtes Remaster. Im Interview wird schnell klar: Blizzard will aus seinen Fehlern lernen.

von Dimitry Halley,
20.02.2021 00:01 Uhr

Die neuen Versionen der alten Klassen sehen zum Anbeißen gut aus, sollen sich aber exakt wie früher spielen. Die neuen Versionen der alten Klassen sehen zum Anbeißen gut aus, sollen sich aber exakt wie früher spielen.

Stellt euch bitte mal für einen Augenblick vor, Blizzard und die Community wären ein leidenschaftliches Liebespärchen, bei dem es in den letzten Jahren kriselt. Also beschließen die beiden Turteltäubchen, zur Paartherapie zu gehen. Dort kommen die Vorwürfe dann endlich mal lautstark auf den Tisch.

Community: »Immer versprichst du mir das Blizzard-Blaue vom Himmel und dann kommt ja doch nichts! Warcraft 3 Reforged versemmelt seine Zwischensequenzen, hat Bugs und fehlende Funktionen, dann tut's dir plötzlich leid, dass du nicht liefern kannst, du gelobst Besserung und ein Jahr später ist immer noch fast nichts passiert!«

Blizzard: »Komm schon, du bist unfair! Warcraft 3 war doch eine coole neue Kampagne, was willst du denn?«

Community: »Und was war mit Diablo Immortal? Ich wollte ein richtiges Diablo und dann zeigst du mir so ein Handyspiel und raunzt mich an, weil ich es nicht direkt toll finde?!«

Blizzard: »Das richtige Diablo 4 kommt doch! Außerdem ist Immortal gar nicht schlecht, das weißt du selbst.«

Community: »Ja, aber davon hast du damals nichts erzählt, weil du ja immer Geheimnistuerei betreibst.«

Blizzard: »Komm schon, hast du denn kein Smartphone?«

Was rät man so einem Pärchen? Ganz offensichtlich herrscht hier vor allem ein Kommunikationsproblem. Denn Blizzard hat Recht. Weder Diablo Immortal noch Warcraft 3: Reforged sind per se schlechte Spiele. Da haben andere Publisher sich viel derber in die Nesseln gesetzt. Wie auch bei CD Projekt Red mit Cyberpunk 2077 wurde hier vor allem zum falschen Zeitpunkt das Falsche versprochen.

Blizzard muss die eigene Spieldesign-Philosophie nicht grundlegend über Bord werfen, sondern in erster Linie die Kommunikation verbessern. Und genau das scheinen sie mit Diablo 2: Resurrected zu versuchen - indem sie im Interview sehr, sehr oft »Nein« sagen. Ein Glück.

Mehr zu Blizzards größerer Remaster-Strategie, den Plänen für die Zukunft und warum es Hoffnung für Warcraft 3: Reforged gibt, lest ihr im Interview mit den Firmenchefs:

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Der Autor
Als Dimi zum ersten Mal Diablo 2 beim großen Bruder eines Schulkumpels erlebte, hielt er es für das absolut beste Spiel, das er selbst nicht spielen konnte. Gut, er war auch 11 oder 12 und ließ sich von so ziemlich allem begeistern. Aber Diablo 2 zeigte ihm etwas, das er vorher noch nie erlebt hatte: Rollenspiele im Internet. Gemeinsam mit anderen Monster wegdreschen, Charaktere leveln, mordsmäßig coole Schwerter, Äxte und Rüstungen einsacken. Nachmittag für Nachmittag schaute er beim Diablo-Spiel zu - und selbst als Zuschauer wurde schnell klar: Dieses Spiel bedeutet der Community immens viel. Und Blizzard muss beweisen, dass sie das verstanden haben.

Wieso Interview nicht gleich Interview ist

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In den letzten sieben Jahren habe ich viele Interviews geführt. Mit kleinen Indie-Studios, großen Triple-A-Publishern und allem dazwischen. Deshalb spreche ich da aus Erfahrung. Wenn ich einen Interviewraum betrete und neben den Gesprächspartnern noch mindestens zwei oder drei PR-Leute da sitzen, dann weiß ich: Das hier wird eine stramme Angelegenheit.