Diablo hat momentan die Angewohnheit, mich immer wieder zu überraschen. Sage ich und stelle mir dabei vor, wie mir Herr des Schreckens diebisch grinsend einen banalen Streich spielt. Wie er durch ein feuriges Portal aus den brennenden Höllen in mein Zimmer schleicht, nur um mir eine Gummispinne ins Bett zu legen.
Aber meine Gedanken schweifen ab. Ich meine damit eigentlich, dass ich ständig kalt erwischt werde, wenn es um Diablo-Spiele geht. Bei Diablo Immortal haben mich erst die Levelgrenzen und danach die Dreistigkeit des Pay2Win-Modells ziemlich überrascht. Und gerade, als sich diese Überraschung wieder gelegt hat, schau ich mir die Xbox-Konferenz an und werde von der Enthüllung des Totenbeschwörers komplett verblüfft.
Denn ich war nur so halb darauf eingestellt, dass es tatsächlich an diesem Abend passiert. Dann gab es aber eine Menge neuer Spielszenen zu Diablo 4 zu sehen. Plötzlich saß ich da und lauschte gebannt den weiterführenden Ausführungen der Teammitglieder. Totenbeschwörer ist ja schön und gut, aber gerade nach Immortal verzehre ich mich nach konkreten Infos zum spielerischen Kern.
Ich will wissen, ob ich dieser Serie noch trauen kann. Doch dazu gab es wenig Neues – zumindest auf den ersten Blick.
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Diablo 4 enthüllt fünf Minuten brandneues Gameplay und Release-Zeitraum
Die wichtigsten drei Sekunden
Ehrlich gesagt haben mich das gezeigte Gameplay und die Kommentare der Entwicklerinnen und Entwickler fast schon angeödet. Die Spielszenen beeindrucken, gar keine Frage. Diablo 4 sieht fantastisch aus, die Welt versprüht genau die Atmosphäre, die ich mir gewünscht habe. Und ich persönlich bin auch ein großer Freund davon, wie viel Fokus das Team auf das Aussehen der Charaktere legt. Sei es durch einen wirklich detailreichen Editor oder eben mit einer Vielfalt an Item-Designs, die ja sogar je nach Region in der offenen Welt ganz anders aussehen sollen.
Doch die meiste Zeit drehte sich die Gameplay-Präsentation um Inhalte oder Schlagworte, die für mich ganz persönlich in einem Diablo gar keine große Rolle spielen. Open-World-Features, lokale Events, Weltbosse, PvP, Crossplay, Social Experience – all das lässt mich ziemlich kalt. Nach Diablo Immortal habe ich vom ganzen Shared-World-Konzept die Nase erstmal gestrichen voll.
Doch gerade als meine Aufmerksamkeit drohte, sich stärker dem Cheeseburger zuzuwenden, den ich gerade verspeiste, tauchte doch noch etwas auf. Etwas, das mich daran erinnerte, warum ich immer noch Hoffnung für Diablo 4 habe: das Paragonbrett.
Lediglich drei Sekunden lang blendete Blizzard das nun hübsch gemachte Brett ein, das sie uns bereits vor einigen Monaten in ihrem Blog präsentierten. Ein Brett, das selbst nach Level 50 verspricht, mich mit hunderten neuen Skills zu ködern und der Möglichkeit, meinen Charakter-Build immer weiter zu spezialisieren. Denn hieran wird sich zeigen, ob Diablo 4 mich wieder für die Reihe begeistern kann.
Klage gegen Activision Blizzard
Activision Blizzard sieht sich aktuell einer Klage wegen Sexismus und ungleicher Behandlung von weiblichen Mitarbeitern ausgesetzt. Falls die Missstände für eure Kaufentscheidung eine Rolle spielen, haben wir für euch alle Infos zur Sexismus-Klage in einem ausführlichen Artikel zusammengefasst. Unsere Haltung und Konsequenzen zu den Vorgängen könnt ihr in einem Leitartikel zum Blizzard-Skandal von GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge nachlesen.
Hier muss Diablo 4 glänzen
Diablo ist für viele Leute aus vielen Gründen solch eine beliebte und auch emotionale Spieleserie. Sei es die einzigartige Lootspirale, der befriedigende Kampffluss, die Atmosphäre, der endlose Grind - für mich ist es die Möglichkeit, meinen Charakter auf meine Art zu spielen. Ich war schon immer ein größerer Freund davon, mit verschiedenen Skills herumzuexperimentieren als Items nachzujagen.
Und damit steh ich nicht alleine da, denn die Abhängigkeit von Sets und die geringen strategischen Entscheidungsmöglichkeiten durch Level-Ups sind beides Dinge, für die Diablo 3 vor allem von Fans der ersten beiden Spiele kritisiert wird. Und was Diablo Immortal nur noch weiter verschärft hat, indem alles an Items und Edelsteinen hängt. Eben die Dinge, die aufgrund von zufälligen Chancen besser zum Free2Play-Modell passen.
Auf der Strecke bleibt dabei das Experimentieren. Die Diversität innerhalb einer Klasse. Ich will die realistische Chance sehen, dass meine Zauberin sich von allen anderen unterscheidet, dass mein Totenbeschwörer ganz andere Untote erweckt, als der Totenbeschwörer von Maurice. Hier muss Diablo 4 endlich wieder zeigen, was die Serie leisten kann. Und da ist ein kleiner Hinweise wie ein zumindest auf den kurzen Videoblick komplexes und vielseitiges Paragonbrett ein sehr gutes Zeichen.
Auch der neue Totenbeschwörer zeigt abermals, wie viel Varianz die Klassen bereits von sich aus mitbringen, ohne von Items oder Sets abhängig zu sein. Der Totenbeschwörer hat sein Buch der Toten, mit dem ich ganz frei die Anzahl und Kategorie der Leichen festlege, die ihm hinterherlaufen.
Die Jägerin kann sich auf unterschiedliche Kampftaktiken spezialisieren und so entweder mächtige Kombos ausführen, Schwächen ausnutzen oder in ein Schattenreich eintreten. Die Zauberin darf jeden ihrer Zauber auch passiv ausrüsten und so ganz neue Synergien herbeiführen. Und wer weiß, wie viel Abwechslung noch alles durch die Skills an sich geplant ist?
Dass Diablo 4 uns immer wieder vor die Nase hält, wie wichtig in diesem Spiel Builds sind und wie unabhängig aktive Fähigkeiten von verschiedenen Items geplant werden können, ist für mich der größte Hoffnungsfunken.
Trotzdem nur eine Hoffnung
Tatsächlich ist die Situation um Diablo 4 ziemlich einzigartig. Denn mir geht es folgendermaßen: Alles was ich über Diablo 4 weiß, müsste mich eigentlich komplett optimistisch stimmen. Ich habe mir aufmerksam jedes neue Quartalsupdate durchgelesen, lasse keine neue Meldung aus und schau mir jedes Gameplay-Video mindestens dreimal an. Und alles, was ich davon bisher gesehen habe, sieht durch die Bank sehr, sehr gut aus.
Natürlich nerven mich Schlagworte wie Shared World oder Social Experience, gerade nachdem mir Immortal gezeigt hat, wie sehr mich dieses Konzept abschreckt. Aber Immortal ist auch noch mehr MMO als es Diablo 4 werden soll und hat keine echte Open World, weshalb viele Spielerinnen und Spieler in kleinen Hubs zusammengepfercht werden. Da tritt man sich eben etwas öfter auf die Füße.
Davon abgesehen zeigt mir Diablo 4 aber immer nur das, was ich persönlich für den besten Weg halte. Und da steht die Aussicht auf echte Varianz bei den Fähigkeiten und Klassen-Builds nun mal ganz vorne. Trotzdem spreche ich davon, dass es nur einen Funken Hoffnung gibt.
Das würde ich unter normalen Umständen nicht so formulieren. Unter normalen Umständen hätte ich gesagt: »Es sieht ganz danach aus, als würde Diablo 4 ein grandioses Action-RPG werden«. Nur kommt Diablo 4 eben von Blizzard und dieses Studio hat seinen Vertrauensvorschuss bei mir bis auf weiteres verspielt. Dafür wiegen die Skandale der letzten Jahre zu schwer, sind die Narben aus meinem Test von Diablo Immortal zu frisch.
All die kleinen Hinweise auf die Vielfalt beim Ausbau meiner Klasse machen mir zwar Hoffnung, mehr aber leider auch nicht. Doch selbst ein wenig Hoffnung ist in diesem Fall ein Luxus, den ich mir gerne erlaube.
Und wer weiß, vielleicht überrascht mich Diablo 4 bei seinem Release ja erneut. Nur diesmal im Positiven.

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