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Mit Spannung erwartet, am lautesten gehasst: Was mit Christopher Nolans Odyssey passiert, geht uns alle an

Einmal mehr kommt es zu einem Kulturkampf, der uns am Ende allen schadet.

Nils ist sehr gespannt, wie sich Nolans Die Odyssee in Anbetracht der großen Diskussionen an den Kinokassen schlagen wird. (Hintergrundbild: Universal Pictures) Nils ist sehr gespannt, wie sich Nolans Die Odyssee in Anbetracht der großen Diskussionen an den Kinokassen schlagen wird. (Hintergrundbild: Universal Pictures)

Einer der am meisten erwarteten Filme des Jahres steht kurz vor dem Release: Ab dem 16. Juli läuft Christopher Nolans Die Odyssee in den Kinos. Doch viele Menschen äußern bereits im Vorfeld großen Unmut gegenüber dem Film.

Der jüngste Countdown-Trailer liegt aktuell ungefähr bei 80.000 Likes und 750.000 Dislikes. Der erste Trailer erreichte demgegenüber 612.000 Likes bei 164.000 Dislikes, der zweite 356.000 Likes bei 386.000 Dislikes.

Was ist der Grund für die wachsende Ablehnung? Und wieso ist das etwas, das uns meiner Meinung nach alle angeht?

Warum der Film schon im Vorfeld teilweise so stark kritisiert wird

Im Kern geht es um Details der Umsetzung von Homers literarischer Vorlage, bei der es sich größtenteils um Fiktion handelt. Sie stammt nach aktuellem Stand ungefähr aus der Zeit um 700 vor Christus, wobei nicht sicher geklärt ist, ob es überhaupt einen einzelnen Autor beziehungsweise einen Dichter Homer gab.

Folgende Aspekte des Films stoßen besonders oft auf Kritik:

  • Die Besetzung (Lupita Nyong’o als Person of Color spielt Helena von Troja, der eher kleine Elliot Page ist im Film ein griechischer Krieger, Zendaya mit afroamerikanischem Vater verkörpert Athene)
  • Die Sprache (moderne Wörter wie Dad statt Vater, klar hörbare US-Akzente)
  • Die Schiffe und die Kostüme (Odysseus Schiff sieht laut Kritikern eher wie ein Wikingerschiff statt wie eine griechische Galeere aus, die Kostüme und Rüstungen wirken teils vergleichsweise modern)

Während die Kritik an modernen Kostümen oder einem bestimmten Akzent meist einen historischen Hintergrund hat, wirkt Kritik am Cast des Films auf mich (zu) oft rassistisch motiviert, was völlig inakzeptabel ist.

Damit reiht sich Die Odyssee ein in eine immer länger werdende Liste von Filmen und Serien, die dieses Schicksal ereilt.

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Ein politischer Kulturkampf, der keiner sein sollte

Von Snow White über Die kleine Meerjungfrau und Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht bis hin zu The Acolyte hat es in den letzten Jahren immer häufiger Kritik an der Besetzung von Filmen und Serien gegeben, die sich auf die Herkunft und körperliche Merkmale des Casts bezieht.

Eine Rachel Zegler mit kolumbianischen Wurzeln als Schneewittchen? Wo kommen wir denn da hin! Eine dunkelhäutige Halle Bailey als Arielle? Welch Frevel! Elben und Zwerge, die keine helle Hautfarbe haben? J.R.R. Tolkien würde sich im Grabe umdrehen!

In Zeiten mit einem Donald Trump als US-Präsident kommt so eine Art von Kulturkampf nicht überraschend. Gleiches gilt für das Befeuern solcher Narrative durch Personen wie Elon Musk, der Vorwürfe gegen Nolan bei X als Wahr bezeichnet, laut denen er keine weiße Person als Helena gecastet habe, um nicht als Rassist bezeichnet zu werden.

Warum Nolan sich wirklich für sie entschieden hat, machte er gegenüber Elle folgendermaßen klar:

Die Stärke und die Gelassenheit waren für die Figur der Helen so wichtig. Und bei Lupita sieht das ganz mühelos aus. Ich bin mir sicher, dass es einer enormen Disziplin und viel Training bedarf, um diese Art von Gelassenheit auszustrahlen und die Emotionen zu spüren, die unter der Oberfläche der Figur brodeln – die verschiedenen Schichten der Figur, die direkt darunter liegen. Es ist einfach unglaublich, mit ihr zusammenzuarbeiten, und ich wollte unbedingt, dass sie diese Rolle übernimmt.

Nun könnte man jetzt sagen, dass Nolan & Co. ihre wahre Motivation verschleiern. Doch das ist nicht nur ein Totschlagargument, das sich kaum beweisen oder widerlegen lässt, sondern es lenkt auch von dem ab, um das es eigentlich gehen sollte: die Qualität des Films.

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Kritik am Cast an sich ist nicht das Problem

Um das nochmal klar zu sagen: Wir sprechen hier von der cineastischen Umsetzung einer über 2.500 Jahre alten fiktiven Vorlage, die primär der Unterhaltung dienen soll (und dem Verdienen von Geld).

Ich finde es völlig legitim, Kritik an der Besetzung, der Sprache, den Kostümen oder anderen Aspekten dieser Umsetzung zu äußern. So holt mich persönlich das bislang zu sehende Videomaterial zu dem Film beispielsweise weder in Bezug auf die Charaktere noch die Inszenierung der weltberühmten Geschichte wirklich ab.

Doch daraus ein Politikum zu machen und Nolan und seiner Crew zu unterstellen, dass sie bestimmte Entscheidungen nicht getroffen haben, um den bestmöglichen Film zu erschaffen, sondern aufgrund von Wokeness, befeuert einmal mehr den beschriebenen Kulturkampf, der unserer Gesellschaft nicht guttut.

Was wirklich zählt, ist auf dem Platz

Wenn ich mir einen Film ansehe, dann steht der Unterhaltungswert im Vordergrund. Insbesondere bei der Verfilmung eines fiktiven Werkes wie der Odyssee, das noch dazu in einer Zeit spielt, die weit, weiter hinter uns liegt.

Ob Person X für Rolle Y eine gute Wahl war, hängt für mich gleichzeitig einzig und allein davon ab, wie überzeugend die Person diese Rolle im Kontext des Films ausfüllt. Das kann durch äußere Merkmale erschwert werden. Sicher weiß ich das aber erst, wenn ich den Film gesehen habe.

Ein Umstand, der neben dem für Nolan vielversprechenden Vorverkauf von Tickets und den ersten äußerst positiven Reviews mit erklärt, wieso er selbst mit all dem Drama recht gelassen umgeht (via The Telegraph):

Das gehört dazu. Schau mal, diese Gespräche werden von Leuten geführt, bevor sie den Film überhaupt gesehen haben – sowas ist stets irrelevant, weil niemand, der diese Gespräche geführt hat, überhaupt weiß, wie genau der Film eigentlich aussieht [...]. Man muss den Originaltext würdigen, indem man ihn so kraftvoll interpretiert, wie es einem persönlich nur möglich ist. Und am Ende des Tages können Fans immerhin die Aufrichtigkeit unseres Versuchs schätzen, die bestmögliche Verfilmung auf die Leinwand zu bringen – selbst wenn wir etwas gemacht haben, was nicht ihren Vorstellungen entspricht.

In einem Punkt muss ich Nolan aber widersprechen: Für irrelevant halte ich die beschriebenen Diskussionen keineswegs, ganz im Gegenteil.

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Miteinander, nicht gegeneinander

Auch wenn es sich bei den Kritikern an Nolans Film, die damit einen Kulturkampf befeuern und die Grenzen hin zum Rassismus und zur Transphobie klar überschreiten, um eine laute Minderheit handeln sollte, ist es so oder so wichtig, sie ernst zu nehmen und nicht als irrelevant abzutun.

Nicht in dem Sinne, ihnen freundlich nickend zuzuhören. Sondern in dem Sinne, ihnen klare Widerworte zu geben und einem Abrutschen der Gesellschaft immer weiter nach rechts nicht tatenlos zuzusehen.

Kommentare im Forum: Um die Diskussion besser moderieren zu können, haben wir die Kommentare in unser Forum verlegt. Den passenden Thread findet ihr hier.

Deshalb geht uns die Kritik an Nolans Odyssee auch alle an, denn mit einer Reihe immer mehr vergleichbarer Fälle steht sie beispielhaft für eine gesellschaftliche Entwicklung, die kein respektvolles Miteinander und keinen konstruktiven Diskurs fördert, sondern die einen Kulturkampf befeuert, der in unserer Welt keinen Platz haben sollte.

Es hilft weder, ganz schnell Du bist woke! zu schreien noch Du bist ein Nazi!. Und wenn solche Schreie schon laut werden, nur weil eine Helena-Darstellerin nicht weiß ist oder der Schauspieler eines griechischen Soldaten als Transgender-Person nicht so kräftig gebaut ist wie viele andere Männer, dann läuft etwas gewaltig schief.

Das heißt nicht, dass man bei der Diskussion über die Besetzung eines Films äußerliche und körperliche Merkmale des Casts außen vor lassen muss. Entscheidend sind aber letztlich das Endergebnis und die Art und Weise, in der man über die Besetzung oder anderes Aspekte des Films diskutiert.