Hand aufs Herz: Ich hatte ursprünglich gar keinen Bock auf Disclosure Day. Welch Frevel! Ich weiß, ich weiß … Denn dass Steven Spielberg mal wieder einen Kinofilm inszeniert und dann auch noch im Genre Sci-Fi, müsste ja eigentlich jeden Cineasten hellhörig machen.
Aber ich will euch ja nichts vorspielen – Disclosure Day ist schlichtweg nicht die Art von Sci-Fi, für die mein Herz schlägt. Ich mag es retrofuturistisch, düster und dreckig, vielleicht sogar mit einer Prise Cyberpunk. Für Star Wars, Warhammer 40K, Cowboy Bebop, Firefly, Dune, Alien oder Guardians of the Galaxy bin ich beispielsweise immer zu haben.
Sci-Fi wie Disclosure Day ist mir zu geerdet, zu nah an der Realität und an der Gegenwart und damit – ich will wirklich nicht gemein sein – langweilig?
Und trotzdem kann ich guten Gewissens sagen: Spielbergs neuester Film hat mich regelrecht an den Kinositz gefesselt! Zumindest in den ersten 60 Minuten, denn danach wird es … zäh.
Aber eins nach dem anderen. Ich will euch erstmal darauf vorbereiten, was euch mit Disclosure Day überhaupt erwartet, um was geht und was ihr über den Film eben nicht wissen solltet.
Worum geht es in Disclosure Day?
Das Wichtigste zuerst: Schaut euch am besten keinen Trailer zu dem Film an – vor allem nicht die neuesten. Wenn es unbedingt sein muss, dann belasst es bei dem Video, das ihr unter diesem Abschnitt findet. Denn in jedem darauffolgenden Trailer wird schon recht viel gezeigt und verraten. Zu viel.
Deswegen halte ich mich auch mit der Inhaltsangabe kurz. Ihr solltet eigentlich nur wissen: Dreh- und Angelpunkt von Disclosure Day macht die Fernsehmeteorologin Margaret (Emily Blunt) aus, die während eines Live-Auftritts plötzlich in einer außerirdischen Sprache zu sprechen beginnt. Darauf wird auch der Chef der mysteriösen Geheimorganisation WARDEX namens Noah Scanlon (Colin Firth) aufmerksam.
Wie genau der Cybersecurity-Experte Daniel Kellner (Josh O’Connor), dessen Freundin Jane (Eve Hewson) oder ein Mann namens Hugo (Colman Domingo) darin verwickelt sind, wäre schon wieder zu viel verraten. Lasst euch nur nicht von den ersten zehn bis 15 Minuten von Disclosure irritieren: Ihr sitzt schon im richtigen Film.
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Disclosure Day: Im neuen Sci-Fi-Film von Steven Spielberg ergreifen Aliens von einer Nachrichtensprecherin Besitz
Ein Plädoyer für die menschliche Empathie
Aber bei den Bildern, die ihr von den ersten Sekunden an präsentiert bekommt, würdet ihr eh nicht auf die Idee kommen, aus dem dunklen Kinosaal zu stolpern. Denn Steven Spielberg hat erneut einen Film geschaffen, der vor Spannung und Atmosphäre nur so trieft.
Wie bei einer guten Folge Akte X lebt Disclosure Day von seinem großen Mysterium, das über die Laufzeit von 145 Minuten immer größere und gewaltigere Ausmaße nimmt, bis die Spannung kaum mehr auszuhalten ist. Ein gewohnt grandioser Soundtrack des legendären Komponisten John Williams passt hier wie ein Kornkreis ins Getreidefeld.
Vor allem hat mich beeindruckt, mit was für simplen, aber umso effektiveren Mitteln Spielberg die Welt von Disclosure greifbar und echt wirken lässt. Denn wir erfahren nicht viel über die Umstände, warum die Lage auf der Leinwand so verzweifelt und hoffnungslos ist. Gleichzeitig bekommen wir aber genügend Bruchstücke, um uns die Gründe für die Weltuntergangsstimmung zusammen zu puzzeln.
Durch all das schimmert aber immer wieder eine positive und vor allem optimistische Botschaft durch: Spielberg und sein Drehbuchautor David Koepp (Jurassic Park, Mission: Impossible) liefern ein Plädoyer für Empathie und das menschliche Miteinander. Und auch, wie staatliche Institutionen das zu totschweigen oder sogar unterdrücken versuchen.
Ein holpriger Ritt zum Finale
Hier kommen wir gleich zu meinem großen Problem von Disclosure Day: Um diese Botschaft voranzutreiben, macht es sich der Film spätestens nach einer Stunde etwas arg einfach. Spielberg und Koepp haben ein klares Ziel vor Augen, auf das sie geradlinig zusteuern. Und dafür gibt es gleich mehrere Kniffe, die jeglichen Anspruch an Realismus oder Logik hinter sich lassen und stattdessen einem Freifahrtschein gleichkommen.
Nennt mich gerne zynisch, aber ab dieser Stelle wird mir Disclosure Day zu naiv und macht es sich einen ganzen Ticken zu einfach. Der langsame und intensive Aufbau weicht einem Expositions-Schwall nach dem anderen und lässt die Raffinesse der vorangegangenen 60 Minuten vermissen.
Auch das eigentliche Ende des Films dürfte nicht nur mich enttäuscht zurücklassen: Was wahrscheinlich zum Ziehen unserer eigenen Schlüsse anstoßen soll, wirkt viel eher so, als hätten Spielberg und Koepp selbst keine befriedigende Antwort auf eines der brennendsten Mysterien gewusst.
Fairerweise kann man argumentieren, dass es bei Disclosure Day eher um den Prozess der Wahrheitsfindung als um die eigentliche Wahrheit geht. Aber zumindest mich haben die letzten Momente des Filmes genauso irritiert wie die arg künstlich wirkenden CGI-Tiere.
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