Reime in der Wüste
Die nächsten Hinweise liegen nicht in einer Akte und auch nicht bei der Polizei, sondern auf Felsen in Blaine County. Dort hat Abrahams kurze Reime hinterlassen, die von seinen acht Opfern erzählen. Einer davon zählt die Morde fast wie ein Kinderlied herunter:
»One is done.
Two was fun.
Three tried to run.«
Der ganze Reim wirkt bewusst verstörend, weil er etwas Grausames in eine simple Form presst. Das erinnert nicht zufällig an klassische Slasher-Motive. Viele Fans sehen darin eine Anspielung auf Freddy Krueger und den bekannten Kinderreim aus »A Nightmare on Elm Street«.
Ein weiterer Hinweis spricht davon, dass die Behörden ihn zwar haben könnten, seine »Leute« aber nie finden würden. Gleichzeitig kündigt Abrahams an, ihnen ein Zeichen dort zu hinterlassen, wo man ihn einsperrt.
Damit führt die Spur ins Bolingbroke-Gefängnis.
Die Botschaft im Gefängnis
Im Hof des Bolingbroke Penitentiary findet sich eine weitere Botschaft. Sie verweist auf einen Ort, »where water meets land and fire once spewed forth«. Darunter ist eine Zeichnung zu sehen, die wie eine primitive Karte wirkt.
Diese Zeichnung ist der Schlüssel zum Fundort. Sie verweist auf die Inseln bei North Point, nördlich von Paleto Bay. Dort soll Abrahams die Leichen seiner Opfer versteckt haben.
Und genau hier zeigt GTA 5, wie stark seine Open World funktionieren kann. Es gibt keinen Questmarker, der euch höflich zur nächsten Station schickt. Niemand ruft an, niemand belohnt euch. Ihr müsst die Spur selbst ernst nehmen und ihr nachgehen.
Wer das tut, landet schließlich unter Wasser.
Acht Leichen im Meer
Vor der Küste bei North Point liegen acht Leichen auf dem Meeresgrund. Sie sind in Plastik eingewickelt und mit der Zahl 8 markiert. Damit bestätigt das Spiel im Grunde, dass Abrahams’ Opfer tatsächlich existieren und nicht nur Teil einer alten Zeitungsgeschichte waren.
Interessant ist dabei ein Widerspruch. Denn der Bericht im Spiel spricht von acht jungen Männern, die beim Joggen verschwanden. Die gefundenen Körper wirken jedoch weiblich. Ob das ein Fehler, eine bewusste Irritation oder einfach eine Eigenheit der Darstellung ist, bleibt offen. Gerade diese Unschärfe macht den Fall aber nur seltsamer.
Auch die schwarz-weißen Acht-Muster aus Abrahams’ Haus bekommen hier eine Bedeutung. Die Anordnung passt dazu, wie die Körper gefesselt wurden. Manche haben die Hände vorne, andere hinten. Was vorher wie zufälliges Gekritzel wirkte, wird nach dem Fund zu einem makabren System.
Das ist kein schönes Easter Egg. Es ist auch kein Geheimnis, bei dem man am Ende lachend vor dem Bildschirm sitzt. Man findet die Opfer, versteht die Hinweise und bleibt mit einem ziemlich unguten Gefühl zurück.
Nicht mit der Mine verwechseln
Der Infinity Killer hat übrigens nichts mit dem anderen bekannten Mordfall in GTA 5 zu tun, bei dem ihr in einer verlassenen Mine die Leiche von Isaac findet. Das ist das separate Murder-Mystery-Easter-Egg rund um Vinewoods Vergangenheit.
Der Fall von Merle Abrahams führt dagegen über Sandy Shores, Bolingbroke und die Gewässer nördlich von Paleto Bay. Es sind zwei unterschiedliche Geheimnisse, die nur deshalb leicht durcheinandergeraten, weil beide zu den düsteren Neben-Erzählungen von GTA 5 gehören.
Warum dieser Fall so hängen bleibt
Der Infinity Killer funktioniert so gut, weil Rockstar ihn nicht wie eine klassische Nebenmission behandelt. Statt einer klar geführten Quest findet ihr nur verstreute Hinweise, einen längst toten Verdächtigen und Opfer, die jahrelang unentdeckt geblieben sind. Die Welt ist weitergezogen, aber die Spuren dieses Falls sind noch immer da. Ihr findet davon nur noch die Reste. Ändern könnt ihr an den grässlichen Taten nichts.
Genau dadurch fühlt sich Rockstars San Andreas größer und irgendwie bedeutender an als bei anderen Titeln. Es wirkt nicht wie eine Spielwelt, die nur um Michael, Franklin und Trevor kreist. Sie hat eine Vergangenheit, eigene Verbrechen und dunkle Ecken, die niemand für euch kommentiert.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Infinity Killer auch Jahre später noch spannend bleibt. GTA 5 ist längst durchleuchtet, analysiert und auf jeder Plattform neu veröffentlicht worden. Trotzdem gibt es Geheimnisse, die sich nicht nach Sammlerkram anfühlen, sondern nach einem kurzen Blick unter die Oberfläche.
Und dort unten liegt im Fall von Merle Abrahams nichts Gutes.
Kanntet ihr den Fall des Infinity Killers schon oder seid ihr in GTA 5 jahrelang daran vorbeigefahren? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
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