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Seite 2: Imperator: Rome im Test - Die Paradox-Formel

Die Schönheit der Karte

Paradox-Strategiespiele sind absolut nicht für spektakuläre Schlachtdarstellungen bekannt, wohl aber für wunderschöne Artworks.Paradox-Strategiespiele sind absolut nicht für spektakuläre Schlachtdarstellungen bekannt, wohl aber für wunderschöne Artworks.

Die augenfälligste Entwicklung zeigt Imperator: Rome jedoch bei der Darstellung der Spielwelt. Die stufenlos zoombare Karte gehört zu den eindrucksvollsten Kartendarstellungen, die wir je in einem Strategiespiel gesehen haben. In der höchsten Zoomstufe ähnelt die Karte einem historischen Globus - einen bunten Flickenteppich zeigend, der die kleinteilige antike Staatenwelt darstellt.

Je näher wir an das Geschehen heranzoomen, umso transparenter wird die Farbgebung. In der kleinsten Zoomstufe sind die Felder, Wälder, Seen, Flüsse und Städte erkennbar. Man kann sich darin verlieren, den fruchtbaren Verlauf des Nils, die zerklüftete dalmatinische Küste oder das afghanische Hochland zu erkunden (siehe die Vergleichsbilder unterhalb).

Mittlere Zoomstufe In mittlerer Zoomstufe lassen sich die Standorte der Armeen, Flotten und Häfen (Leuchttürme) erkennen

Nahe Zoomstufe Aus nächster Nähe erkennen wir alle Details der Landschaft – hier sogar die Pyramiden am Nil.

Unterteilt ist diese riesige Spielwelt in tausende kleine Stadtgebiete. Während in Europa Universalis 4 beispielsweise Sizilien noch aus drei Provinzen besteht, waren es in Hearts of Iron 4 immerhin schon neun, in Imperator: Rome hingegen ist Sizilien in 23 (!) Städte gegliedert. Vor allem in den Feldzügen zahlt sich diese Kleinteiligkeit aus: Das Taktieren wird dadurch deutlich anspruchsvoller, da man die unterschiedlichen Terrains, Flussüberquerungen, unwegsamen Gebiete und die Kontrollzonen der Festungen noch intensiver berücksichtigen kann.

Der Vater aller Dinge

Die Kriegsführung mit dem Ziel der Expansion ist dementsprechend auch das zentrale Spielelement von Imperator: Rome. Wer jedoch komplexe innenpolitische Mechaniken oder rollenspielerisch interessante Charakterinteraktionen erwartet, wird enttäuscht werden. Das alles ist zwar vorhanden, trägt aber nicht das Spielerlebnis. Wer nicht expandieren will, wird sich langweilen.

Die Schlacht von Nuceria ist in vollem Gange. Der Tooltip für die Schadensberechnung der einzelnen Einheiten ist jedoch kaum verständlich.Die Schlacht von Nuceria ist in vollem Gange. Der Tooltip für die Schadensberechnung der einzelnen Einheiten ist jedoch kaum verständlich.

Zum Glück wurden dementsprechend die Regeln und Einflussmöglichkeiten auf die Kriegsführung erweitert. Es gibt immerhin neun unterschiedliche Truppentypen zur Auswahl (u.a. Bogenschützen, schwere Infanterie, Kamelreiter, Streitwagen und Elefanten), die nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip Stärken und Schwächen haben. Wir können die Zusammensetzung der Schlachtreihen und Flanken bestimmen sowie aus diversen Taktikkarten auswählen. Mit sogenannten Militärtraditionen lassen sich die eigenen Armeen weiter spezialisieren.

Paradox-typisch werden die Schlachten automatisch berechnet, ohne dass der Spieler Einfluss nehmen kann. Geblieben ist jedoch auch die dröge und schwer verständliche Darstellung der Schlachtverläufe. Da hätten sich die Entwickler ruhig stärker an den grafisch opulenten Raumschlachten in Stellaris orientieren dürfen.

Ständige Bedrohung

Glücklicherweise besteht die Herausforderung von Imperator: Rome jedoch nicht nur im Überwinden der Gegner und dem »Anmalen« der Karte in der Farbe der eigenen Nation. Denn je größer ein Reich ist, umso mehr muss man auf die Loyalität der eigenen Bevölkerung und die der wichtigen Charaktere im Staat achten. Um die Bevölkerung in den Provinzen zufrieden zu stimmen, braucht man gute Gouverneure. Man kann mit Garnisonstruppen für Ruhe sorgen und gewährt mittels Provinzerlassen eine höhere Autonomie. Oder man kann durch Einfuhr von Luxusgütern die Menschen bei Laune halten.

Das Charakterfenster: Jede Figur hat Fähigkeiten, Eigenschaften, Vermögen sowie unterschiedliche soziale Beziehungen.Das Charakterfenster: Jede Figur hat Fähigkeiten, Eigenschaften, Vermögen sowie unterschiedliche soziale Beziehungen.

Charaktere wie Adlige wollen, dass ihre Familien gerecht an den Staatsämtern beteiligt werden, sie lassen sich aber auch durch Triumphzüge schmeicheln oder mit Gold bestechen. Wenn alles nichts hilft, können tyrannisch veranlagte Spieler die illoyalen Subjekte einkerkern, verbannen oder gar hinrichten - was allerdings dem eigenen Ansehen nicht gut bekommt und möglicherweise für neue Staatsfeinde sorgt.

Wem diese Balance zwischen Expansion und innerer Stabilität nicht gelingt, muss mit Befreiungskriegen abtrünniger Kulturen oder gar mit einem großen Bürgerkrieg rechnen. Die illoyalen Charaktere spalten sich dann ab und nehmen einen Teil der Truppen mit sich. Dann geht es um Alles oder Nichts: Entweder man kann die Gegenseite besiegen, oder es droht das Game Over. Aus dieser latenten Gefahr bezieht das Lategame von Imperator: Rome seine Spannung.

Die drei Regierungsformen

Jeder Staat in Imperator: Rome gehört zu einer von drei grundsätzlichen Regierungsformen: Republik, Monarchie oder Stamm. Die Regierungsform bestimmt dabei wichtige Spielmöglichkeiten.

Die Republik: Die Anführer von Republiken werden alle fünf Jahre neu bestimmt und können erst nach zehn Jahren wiedergewählt werden. Außerdem muss der Senat wichtigen Entscheidungen zustimmen. Überstimmt man diesen, steigt die Tyrannei.

Die Monarchie: Der Herrscher regiert zwar lebenslang, allerdings kann es beim Tod zu Erbstreitigkeiten kommen, die ein Land bis in den Bürgerkrieg führen können. Dafür mischt sich aber kein Senat ein.

Der Stamm: Stämme bestehen aus unterschiedlichen Clans, deren Anführer man loyal halten muss. Clans haben eigene benutzbare Truppen, die aber auch gefährlich werden können. Dezentral organisierte Stämme haben die Möglichkeit, ihr Land zu verlassen und sich in einem neuen Gebiet wieder anzusiedeln.

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