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Seite 3: Kingdom Come: Deliverance - Die Reaktion auf die Rassismus-Vorwürfe

Die Antworten von Daniel Vavra und Martin Klima

Wer sich für konkrete Belege zu den einzelnen Kritikpunkte gegen Vavra interessiert, findet im Blog-Artikel einige Twitter- und Interview-Zitate, in denen er beispielsweise mit Polygon-Journalist Arthur Gies hitzig über die Debatte diskutiert, ob es im mittelalterlichen Nord- und Westeuropa auch nicht-weiße Menschen gab (die Diskussion entbrannte über der Frage nach dem Umgang mit Minderheiten in The Witcher 3).

Außerdem finden sich noch Äußerungen von GamerGate-Sympathisanten, die Kingdom Come für dessen »männliches Weltbild« feiern. Solche Statements haben wir hier ausgeklammert, weil sich darin kein expliziter Vorwurf gegenüber Vavra findet.

Im Hinblick auf Vavras Antworten fangen wir beim wohl stärksten Kritikpunkt an: dem mutmaßlichen Ausklammern nicht-gefälliger Bevölkerungsschichten und Kulturen in Kingdom Come: Deliverance zugunsten einer »weißen Bevölkerung«. Daniel Vavra:

"Der wohl schwerwiegendste Vorwurf der aktuellen Debatte dreht sich um die Anschuldigung, dass wir das Vorhandensein von Menschen anderer Hautfarbe oder Ethnizität aktiv in unserem Spiel verleugnen würden und damit einem rassistischen Weltbild Vorschub leisten. Das ist falsch. Weder leugne ich persönlich diese Tatsache, noch beschränkt sich Kingdom Come: Deliverance auf eine, wie auch immer geartete Ethnie. Im Lauf der Geschichte [des Spiels] gibt es, basierend auf unserem Wissensstand über die historischen Ereignisse, neben Tschechen, Deutschen und jüdischen Bewohnern auch die größte Gruppierung im Spiel, die Kumanen (im Deutschen auch Kiptschak), einen turksprachigen Volksstamm aus der Eurasischen Steppe, der im Zuge der Völkerwanderung und der Verdrängung durch die Siedlungen der Ungarn seinen Weg nach Böhmen zu dieser Zeit fand.

Die Nationalität anderer Charaktere spiegelt wider, was wir über Böhmen um 1403 wissen. Dank intensiver Recherche umfasst dieses Wissen ganze Familienstammbäume und Besitzrechte. Wie bereits erwähnt, ist die Handlung von Kingdom Come: Deliverance beschränkt auf ein begrenztes Areal der heutigen Tschechischen Republik (16 km²), einem Areal, das weit im Landesinneren des europäischen Kontinents liegt. Basierend auf unseren Quellen war die Region hauptsächlich besiedelt von Menschen deren regionale Herkunft im heutigen Tschechien, Deutschland, Polen, Belgien (Wallonen) liegt. Zusätzlich sprechen die Quellen von einigen wenigen Menschen italienischer Herkunft, die hauptsächlich als Steinmetze und Architekten in den großen Städten tätig waren sowie einer jüdischen Gemeinde.

Natürlich sah die Situation zur damaligen Zeit in einigen anderen Ländern bereits heterogener aus. Länder, deren Küsten beispielsweise durch Seehandel stark bereist wurden. Die Menschen in Böhmen waren sich sicherlich auch darüber bewusst, dass es Menschen anderer Hautfarbe oder Abstammung gibt, nicht zuletzt dank der Darstellung biblischer Personen oder anderer Kunstwerke, jedoch ist es mehr als zweifelhaft, dass sie unter ihren normalen Lebensumständen im ländlichen Raum, in dem Kingdom Come: Deliverance maßgeblich angesiedelt ist, jemals direkten Kontakt hatten."

Vavra bezieht sich dabei unter anderem auf Textstellen mehrerer tschechischer Historienbücher über die historische Region, in der Kingdom Come spielt. Nach eigenen Angaben habe er ohnehin nur zehn Prozent der Quests im Spiel geschrieben - ein Großteil der Storyline stamme von anderen Mitarbeitern des Studios.

Über Sexismus, GamerGate und Faschismus

Hier spricht sich Vavra entschieden gegen die Vorwürfe aus:

"Ich wuchs in einem Land auf, das nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten von einem kommunistischen Regime beherrscht wurde. Die Nazis töteten über 300.000 Menschen alleine im Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Mein Großvater wurde in einem Arbeitslager inhaftiert, aus dem er glücklicherweise fliehen konnte. Nach dem Krieg konfiszierten die Kommunisten das Haus und den Betrieb meiner Familie und unterdrückten für weitere 40 Jahre unsere Freiheit. Ich bin kein Freund irgendeiner, wie auch immer gearteten, totalitären Herrschaft und erachte den Vorwurf, ich wäre ein Nazi oder würde irgendeiner Ideologie nahestehen, die auch nur im entferntesten in diese Richtung geht, daher als absurd, ja sogar persönlich beleidigend und verletzend. Jeder, der mir auf sozialen Netzwerken folgt, wird wissen, dass ich die antifaschistische Bewegung unserer Vergangenheit in Ehren halte und die Menschen, die mir folgen, auch immer an unsere Vergangenheit oder Ehrentage für unsere Vorfahren, die im Kampf gegen dieses Regime standen, erinnere. Ich tue dies, um die Geschichte unseres Landes und seines Kampfes gegen zwei Unrechtsregime in Erinnerung zu halten, damit meine Fans - gerade auch junge Leute - sie nicht vergessen.

Meinen Standpunkt zu GamerGate habe ich in verschiedenen Interviews unter anderem bei Kotaku dargelegt. Zusammengefasst möchte ich sagen, dass es für mich im Kern immer um die Redefreiheit und die Freiheit der Meinung und Gedanken ging. Die Freiheit für Künstler, Kunst zu erschaffen, frei von politischem Einfluss. Für mich persönlich und ich spreche hier nur für mich, sollte das Kunstwerk zunächst immer frei von politischen oder ideologischen Ansichten gesehen werden, außer die Kunst kommuniziert klar und offensiv Rassismus oder jegliche Form von Diskreditierung von Minderheiten. Solche Botschaften können, wollen und werde nicht nur ich, sondern unser gesamtes Team niemals gutheißen."

Mittlerweile habe sich Vavras Meinung über die damaligen Äußerungen allerdings geändert:

"Heute sehe ich meine damaligen Äußerungen in einem anderen Licht und möchte mich entschuldigen, falls meine Standpunkte in einzelnen Diskussionen besser von mir hätten kommuniziert werden müssen. Ich bin mir sicher, ich hätte in einzelnen Fällen eine bessere Wortwahl oder Kommunikationsform nutzen sollen. Ich wollte mit meiner Ansicht zur oben genannten Redefreiheit beitragen und meinen Wunsch, Künstlern ihr Schaffen zu lassen, ohne dass sie durch die Meinungsbildung anderer Menschen beeinflusst werden. Dies ist meine persönliche Meinung."

Zum Burzum-T-Shirt

Auch auf das T-Shirt des rechtsextremen Musikers Varg Vikernes geht Vavra ein:

"Das war dumm. Ohne Hintergedanken oder auch versteckte Botschaft. Ich höre unterschiedlichste Musikstile, doch bin im Herzen ein großer Heavy-Metal-Fan. Um meine Leidenschaft für diese Musik zu unterstreichen, hatte ich mir vorgenommen, auf der Gamescom 2017 jeden Tag ein T-Shirt zu tragen, das ein anderes, weniger bekanntes Album darstellt. Eines dieser Shirts war bedruckt mit dem Artwork des Burzum-Albums »Filosofem«. Dieses Album gilt bis heute als Meilenstein in der Entwicklung des skandinavischen Black Metal und wird weitestgehend als Klassiker dieses Genres betrachtet. Durch das Tragen des besagten T-Shirts wollte ich nichts weiter als die künstlerische Bedeutung des Albums hervorheben.

Das Album selbst ist unpolitisch, größtenteils instrumental und behandelt in den übrigen vorhanden Texten Themen wie Einsamkeit, Dunkelheit und Verlust. Es steht bis heute bei allen großen Anbietern zum Verkauf oder als Streaming im Angebot und erscheint bis heute auf vielen Listen, die die besten Black-Metal-Alben aufzählen."

Zur Person von Daniel Vavra

Executive Producer Martin Klima äußert sich uns gegenüber zu den persönlichen Hintergründen von Vavra. Solche Schilderungen widerlegen per se zwar keinen der erhobenen Vorwürfe, wir wollen sie euch aber trotzdem nicht vorenthalten:

"Ich möchte mich auch über die Person Daniel Vavra äußern. Da dies eine sehr persönliche Stellungnahme werden wird, denke ich, es ist angebracht, zunächst ein paar Worte zu meiner Person zu verlieren. Mein Vater, Jan Klima, verbrachte seine Kindheit im Konzentrationslager Theresienstadt, gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder Ivan Klima, der später ein bekannter Autor wurde. Der Rest ihrer Familie wurde in den Gaskammern getötet. Teile meiner Familie (Viktor und Otto Synek) wurden als Widerstandskämpfer hingerichtet, nach ihnen ist heute ein Platz in Prag benannt. Ich entschuldige mich, falls ich mit diesem Hintergrund zu meiner Person langweile, aber ich möchte damit unterstreichen, wie beleidigend ich es für meine Person erachte, beschuldigt zu werden, die letzten sechs Jahre meines Lebens mit einem Mann gearbeitet und verbracht zu haben, dem man eine Nähe zu rassistischem oder Neo-Nazi-Gedankengut unterstellt.

Ich kenne Daniel seit vielen Jahren und stimme nicht zwingend mit all seinen Ansichten überein. Ich widerspreche seiner strikten liberalen Weltsicht, dass Wettkampf der Motor der Gesellschaft sei, ich glaube im Gegenteil, dass die Gesellschaft mehr ist und sein sollte als nur die Summe der Individuen. Und ganz ehrlich, Heavy Metal interessiert mich überhaupt nicht. Aber starke Standpunkte zum Thema Freiheit, eine Leidenschaft für Outdoor-Aktivitäten, Paintball oder das Hören bestimmter Musik machen jemanden nicht zum Nazi.

Daniel ist immer schnell mit Worten, manchmal zu schnell und ich weiß, manchmal wünscht er sich selbst, er würde über Dinge mehr nachdenken, bevor er sie ausspricht. Er scheut nie davor zurück, seine Ansichten zu kommunizieren, egal, wie unpopulär diese sein mögen."

Daniel Vavra entschuldigt sich ausdrücklich für seine ungeschickten Äußerungen und die ganzen Probleme, die das losgetreten haben könnte:

"Ich entschuldige mich für meinen Mangel an Sorgfalt und meine Gedankenlosigkeit in meiner persönlichen Kommunikation, der in der Vergangenheit zu Missverständnissen geführt hat. Sollte ich damit Gefühle verletzt oder den Eindruck erweckt haben, eine wie auch immer geartete Ideologie zu propagieren, bitte ich dafür um Verzeihung."

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