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Seite 5: Kingdom Come: Deliverance - Die Reaktion auf die Rassismus-Vorwürfe

Das komplette Statement von Daniel Vavra

Jetzt gerade sollte ich eigentlich daran sitzen, gemeinsam mit unserem internationalen Team unseren Traum eines Spieles zu verwirklichen, an dem wir alle seit Jahren gemeinsam arbeiten. Leider hat sich in den vergangenen Tagen eine Diskussion entwickelt, die sich auf meine Person bezieht und Dinge, die ich gesagt beziehungsweise getan habe. Sie wird von Menschen geführt, denen ich nie persönlich begegnet bin oder die noch nie die Chance hatten, selbst einen Blick auf Kingdom Come: Deliverance zu werfen.

In der Vergangenheit habe ich Dinge schlecht kommuniziert oder nicht sorgfältig genug über meine Äußerungen nachgedacht. Speziell in den sozialen Medien wie Twitter kann so etwas - das habe ich gelernt - sehr gefährlich sein. Diese Kommentare können aus dem jeweiligen Kontext herausgenommen und neu zusammengefügt werden.

Wenn sich die Diskussion nur um mich als private Person drehen würde, fände ich die Anschuldigungen und die Wortwahl immer noch verletzend, würde aber von einer Reaktion absehen und es akzeptieren. Jetzt haben wir aber einen Punkt erreicht, an dem nicht mehr nur ich alleine betroffen bin, sondern mehr als 150 Menschen, die nichts mit meinen Fehlern und Entscheidungen zu tun haben. Menschen, deren harte Arbeit und Zukunft gefährdet wird. Menschen, die hunderte Stunden, Crunch-Time und Herzblut in eine Vision investiert haben, ein Spiel zu erschaffen, dessen Erfolg durch die überspitzte Diskussion nun gefährdet wird.

Ich kann nicht akzeptieren, dass Leute, die mich in das Zentrum jedweder Diskussion stellen, generell alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Teams hier bei Warhorse in einen Topf werfen. Oder unser Spiel verurteilen, auf Basis ihrer Annahmen über meine Person oder Weltsicht.

Ich entschuldige mich für meinen Mangel an Sorgfalt und meine Gedankenlosigkeit in meiner persönlichen Kommunikation, der in der Vergangenheit zu Missverständnissen geführt hat. Sollte ich damit Gefühle verletzt oder den Eindruck erweckt haben, eine wie auch immer geartete Ideologie zu propagieren, bitte ich dafür um Verzeihung. Ich möchte die Gelegenheit auch nutzen, um über die aktuell strittigen Punkte zu sprechen.

Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Böhmens im Mittelalter und in Kingdom Come: Deliverance

Der wohl schwerwiegendste Vorwurf der aktuellen Debatte dreht sich um die Anschuldigung, dass wir das Vorhandensein von Menschen anderer Hautfarbe oder Ethnizität aktiv in unserem Spiel verleugnen würden und damit einem rassistischen Weltbild Vorschub leisten. Das ist falsch. Weder leugne ich persönlich diese Tatsache, noch beschränkt sich Kingdom Come: Deliverance auf eine, wie auch immer geartete Ethnie. Im Lauf der Geschichte gibt es, basierend auf unserem Wissensstand über die historischen Ereignisse, neben Tschechen, Deutschen und jüdischen Bewohnern auch die größte Gruppierung im Spiel, die Kumanen (im Deutschen auch Kiptschak) einen turksprachigen Volksstamm aus der Eurasischen Steppe, der im Zuge der Völkerwanderung und der Verdrängung durch die Siedlungen der Ungarn seinen Weg nach Böhmen zu dieser Zeit fand.

Die Nationalität anderer Charaktere spiegelt wider, was wir über Böhmen um 1403 wissen. Dank intensiver Recherche umfasst dieses Wissen ganze Familienstammbäume und Besitzrechte. Wie bereits erwähnt, ist die Handlung von Kingdom Come: Deliverance beschränkt auf ein begrenztes Areal der heutigen Tschechischen Republik (16qkm), einem Areal, das weit im Landesinneren des europäischen Kontinents liegt. Basierend auf unseren Quellen war die Region hauptsächlich besiedelt von Menschen deren regionale Herkunft im heutigen Tschechien, Deutschland, Polen, Belgien (Wallonen) liegt. Zusätzlich sprechen die Quellen von einigen wenigen Menschen italienischer Herkunft, die hauptsächlich als Steinmetze und Architekten in den großen Städten tätig waren sowie einer jüdischen Gemeinde.

Natürlich sah die Situation zur damaligen Zeit in einigen anderen Ländern bereits heterogener aus. Länder, deren Küsten beispielsweise durch Seehandel stark bereist wurden. Die Menschen in Böhmen waren sich sicherlich auch darüber bewusst, dass es Menschen anderer Hautfarbe oder Abstammung gibt, nicht zuletzt dank der Darstellung biblischer Personen oder anderer Kunstwerke, jedoch ist es mehr als zweifelhaft, dass sie unter ihren normalen Lebensumständen im ländlichen Raum, in dem KCD maßgeblich angesiedelt ist, jemals direkten Kontakt hatten.

Wir haben uns bereits während der Vorbereitung zu den Arbeiten am Spiel intensiv mit Historikern und historischen Quellen auseinandergesetzt. Als die ersten Vorwürfe laut wurden, habe ich diesen Diskurs erneut aufgenommen und intensiviert, um sicher zu stellen, dass wir Geschichte nicht in irgendeiner veränderten Form abbilden.

Die meiste vorliegende Literatur ist auf tschechisch, dennoch hier einige Zitate:

German settlement in Prague is first mentioned in the Privilege of Sobieslaw II for Prague Germans from the second half of the 12th century, however the Privilege notes that they have been present in Prague since the time of Vratislaus II. The document also indirectly mentions a Prague Romance settlement (Walloons, possibly also Italians).

We know about no settlements of other nations in Prague. Outside of Prague it was individual Germans or Jews settled along the trade routes or small groups of foreigners in monasteries and chapters. (Klápšt?, 2005: 354; Žemli?ka, 1997: 211-217).

Overwhelming majority of the male population (female population is likely similar) is biologically rooted in Central Europe for about ten thousand years. It sharply reveals the difference between linguistic and biological identity: while the linguistic identity was formed in early Middle Ages and is undeniably Slavic, that is East European, the biological origin of the population of South Bohemia is local. In laymen terms, these people "came from nowhere". (Between life, death and identity: Archaeology and genetics about the origins of Southern Czechs in Netolice; Jaromír Beneš, Emanuel Ž?árský, History and Present (D?jiny a sou?asnost)7/2011)

Politik und GamerGate

Ein weiterer Punkt, der von den Kritikern an meiner Person vorgebracht wird, ist ihre Interpretation meiner politischen Weltsicht und mein Verhalten im Rahmen des GamerGate-Diskurses. Ich selbst sehe mich als liberale Person, deren höchstes Gut die maximale persönliche Freiheit aller Menschen ist, solange diese Freiheit nicht die Rechte und die Unversehrtheit anderer Menschen beeinträchtigt.

Ich wuchs in einem Land auf, das nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten von einem kommunistischen Regime beherrscht wurde. Die Nazis töteten über 300.000 Menschen alleine im Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Mein Großvater wurde in einem Arbeitslager inhaftiert, aus dem er glücklicherweise fliehen konnte. Nach dem Krieg konfiszierten die Kommunisten das Haus und den Betrieb meiner Familie und unterdrückten für weitere 40 Jahre unsere Freiheit. Ich bin kein Freund irgendeiner, wie auch immer gearteten, totalitären Herrschaft und erachte den Vorwurf, ich wäre ein Nazi oder würde irgendeiner Ideologie nahestehen, die auch nur im entferntesten in diese Richtung geht, daher als absurd, ja sogar persönlich beleidigend und verletzend. Jeder, der mir auf sozialen Netzwerken folgt, wird wissen, dass ich die antifaschistische Bewegung unserer Vergangenheit in Ehren halte und die Menschen, die mir folgen, auch immer an unsere Vergangenheit oder Ehrentage für unsere Vorfahren, die im Kampf gegen dieses Regime standen, erinnere. Ich tue dies, um die Geschichte unseres Landes und seines Kampfes gegen zwei Unrechtsregime in Erinnerung zu halten, damit meine Fans - gerade auch junge Leute - sie nicht vergessen.

Meinen Standpunkt zu GamerGate habe ich in verschiedenen Interviews unter anderem bei Kotaku dargelegt. Zusammengefasst möchte ich sagen, dass es für mich im Kern immer um die Redefreiheit und die Freiheit der Meinung und Gedanken ging. Die Freiheit für Künstler, Kunst zu erschaffen, frei von politischem Einfluss. Für mich persönlich und ich spreche hier nur für mich, sollte das Kunstwerk zunächst immer frei von politischen oder ideologischen Ansichten gesehen werden, außer die Kunst kommuniziert klar und offensiv Rassismus oder jegliche Form von Diskreditierung von Minderheiten. Solche Botschaften können, wollen und werde nicht nur ich, sondern unser gesamtes Team niemals gut heißen.

Heute sehe ich meine damaligen Äußerungen in einem anderen Licht und möchte mich entschuldigen, wenn meine Standpunkte in einzelnen Diskussionen hätten besser von mir kommuniziert werden müssen. Ich bin mir sicher, ich hätte in einzelnen Fällen eine bessere Wortwahl oder Kommunikationsform nutzen sollen. Ich wollte mit meiner Ansicht zur oben genannten Redefreiheit beitragen und meinen Wunsch, Künstlern ihr Schaffen zu lassen, ohne dass sie durch die Meinungsbildung anderer Menschen beeinflusst werden. Dies ist meine persönliche Meinung.

Das T-Shirt

Das war dumm. Ohne Hintergedanken oder auch versteckte Botschaft. Ich höre unterschiedlichste Musikstile, doch bin im Herzen ein großer Heavy-Metal-Fan. Um meine Leidenschaft für diese Musik zu unterstreichen, hatte ich mir vorgenommen, auf der gamescom 2017 jeden Tag ein T-Shirt zu tragen, das ein anderes, weniger bekanntes Album darstellt, zu tragen. Eines dieser Shirts war bedruckt mit dem Artwork des Burzum Albums Filosofem. Dieses Album gilt bis heute als Meilenstein in der Entwicklung des skandinavischen Black Metal und wird weitestgehend als Klassiker dieses Genres betrachtet. Durch das Tragen des besagten T-Shirts wollte ich nichts weiter als die künstlerische Bedeutung des Albums hervorheben.

Das Album selbst ist unpolitisch, größtenteils instrumental und behandelt in seinen Texten Themen wie Einsamkeit, Dunkelheit und Verlust. Es steht bis heute bei allen großen Anbietern zum Verkauf oder als Streaming im Angebot und erscheint bis heute auf vielen Listen, die die besten Black-Metal-Alben aufzählen.

Für mich persönlich am bedeutendsten ist, dass mein Gewissen rein ist. Ich unterstütze keinerlei Form von Extremismus, ganz im Gegenteil, basierend auf meiner persönlichen Lebenserfahrung stelle ich mich strikt dagegen. Ich habe zwei Töchter, denen ich nichts als das Beste für die Zukunft wünsche und dass sie in Freiheit ihr Leben führen können.

Ich selbst habe tatsächlich auch nur rund zehn Prozent der Quests im Spiel selbst geschrieben, der Rest wurde von den sieben anderen Designern beigesteuert, die als Privatpersonen viele Dinge des Lebens vielleicht anders sehen und beurteilen als ich. Wir leben und arbeiten zusammen, weil wir tolerante, vernünftige Menschen sind, die andere Meinungen akzeptieren und in offenem Austausch kommunizieren.

Ich weiß, dass Kingdom Come: Deliverance ein großartiges Stück Unterhaltung ist an dessen Verwirklichung ein großes internationales Team mitwirkt. Ich bin überaus dankbar Teil dieses Teams sein zu dürfen.

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