Kingdom Come: Deliverance nominiert für Computerspielpreis - Warum es erneut Kritik gibt und was Historiker dazu sagen

Das Mittelalter-Rollenspiel von Warhorse ist beim diesjährigen DCP nominiert, auf Twitter sorgte dies für die altbekannte Diskussion um Geschichtsrevisionismus. Was ist an den Vorwürfen dran?

von Fabiano Uslenghi,
08.03.2019 19:25 Uhr

Kingdom Come: Deliverance steht erneut in der Kritik. Ein Jahr nach den Rassismus-Vorwürfen werden wieder Stimmen laut.Kingdom Come: Deliverance steht erneut in der Kritik. Ein Jahr nach den Rassismus-Vorwürfen werden wieder Stimmen laut.

Kingdom Come: Deliverance war bei seinem Release vor über einem Jahr ein kontroverses Thema. Der Blogeintrag von Jan Heinemann kritisierte das Spiel und besonders den Creative Director Daniel Vavra vom tschechischen Entwicklerstudio Warhorse scharf und warf ihnen Geschichtsrevisionismus vor.

Auf Twitter wird nun eine erneute Diskussion auf dieser Grundlage geführt. Auslöser war die Nominierung von Kingdom Come für den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie "Beste internationale Spielwelt". Die Kritik kommt von SZ-Redakteur Nicolas Freund, der sich in einem Tweet direkt an den DCP wand.

»Kein Grund für einen Eklat«:
Das sagt Journalist Christian Schiffer zur Nominierung von Kingdom Come

Was wird jetzt kritisiert?

Freund beschwerte sich in einem Tweet vom 4. März an den Twitter-Account des DCP darüber, dass Kingdom Come für den Deutschen Computerspielpreis nominiert sei. Darin hieß es:

"Kingdom Come: Deliverance ist nominiert für den Deutschen Computerspielpreis? Auch noch für "Beste Internationale Spielwelt"? Ein Spiel, dessen Entwickler es als Feature verkauft, dass darin keine Schwarzen vorkommen? Sonst geht's aber noch?"

Der Tweet wurde inzwischen wieder gelöscht, mit dem Hinweis, dass die Thematik komplexer sei, als in seinem ursprünglichen Tweet dargestellt wurde.

Trotzdem traf die Kritik nicht auf taube Ohren und wurde vielfach diskutiert. Dabei klangen erneut viele der Argumente an, die auch bereits vor einem Jahr während der ursprünglichen Rassismus-Debatte rund um Warhorse Verwendung fanden.

Demnach betreibe Kingdom Come Geschichtsrevisionismus, da mit historischer Authentizität geworben und gleichzeitig die Abwesenheit schwarzer Personen mit diesem Anspruch gerechtfertigt wurde. Zudem würde sich das Rollenspiel nicht kritisch mit dem Konzept einer marodierenden ausländischen Armee auseinandersetzen, sondern die Invasoren viel mehr als plumpe Bösewichte inszenieren.

Olaf Zimmermann, Juryvorsitzender des DCP und Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, ließ die Kritik an der Nominierung nicht unbeantwortet. Er verwies auf Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes, wonach nicht indizierte Computerspiele wie Kingdom Come unter dem Schutz der Kunst- und Meinungsfreiheit stehen.

Das haben wir dazu berichtet

Wir haben uns bereits beim erstmaligen Aufkommen der Kritik im Detail mit den Vorwürfen befasst und versucht dabei herauszukristallisieren, inwieweit die Vorwürfe berechtigt sind. Dabei ließen wir neben den Kritikern auch Warhorse Executive Producer Martin Klima (Foto links) und Vavra selbst zu Wort kommen. Ziel war es, beiden Seiten eine Stimme zu geben. Dort findet ihr auch unser eigenes Statement zu der nicht ganz unkomplizierten Lage.

Kingdom Come: Deliverance - Die Reaktion auf die Rassismus-Vorwürfe

Natürlich wollten wir aber auch unabhängige Personen zu Wort kommen lassen, die dieses sehr heikle Thema vielleicht besser einordnen können oder eine andere Perspektive bieten. Deshalb haben wir für GameStar-Plus Kingdom Come einer ausführlichen historischen Analyse unterzogen, bei der verschiedene Historiker und Professoren zu Wort kamen, die sich mit der Epoche, in der Kingdom Come spielt, sehr gut auskennen.

Historische Analyse: Zwischen Realität und Verklärung

Die Historiker gaben uns eine Übersicht darüber, wie akkurat die in in dem Spiel dargestellten Gegebenheiten sind und ob die von Warhorse entworfene Welt womöglich rassistische Tendenzen aufweist - beispielsweise aufgrund eines Mangels an nicht-weißen NPCs. Solltet ihr Plus noch nicht abonniert haben (und wir raten euch sehr dazu), dann findet ihr die wichtigsten Erkenntnisse auch in einem frei zugänglichen Artikel zusammengefasst.

Kingdom Come: Die wichtigsten Erkenntnisse der Historiker-Analyse

Ist GameStar nicht politisch genug? - Video: Reaktion auf die Vorwürfe rund um Kingdom Come: Deliverance 16:09 Ist GameStar nicht politisch genug? - Video: Reaktion auf die Vorwürfe rund um Kingdom Come: Deliverance

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Foren-Diskussion zur Nominierung von Kingdom Come für den DCP

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