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Leisure Suit Larry 2 im Test: Aus der Zeit gefallen

Im zweiten Teil des Point-and-Click-Adventures kalauert sich Larry Laffer durch ein brandneues Setting, doch die Witze und Rätsel fallen eher altbacken aus.

von Nina Kiel,
23.10.2020 16:30 Uhr

Larry Laffer verschlägt es dieses Mal in die Karibik auf der Suche nach seiner Geliebten. Larry Laffer verschlägt es dieses Mal in die Karibik auf der Suche nach seiner Geliebten.

Der alte Schwerenöter Larry Laffer kommt einfach nicht zur Ruhe: Nachdem er in Leisure Suit Larry: Wet Dreams Don't Dry eine unfreiwillige Zeitreise unternahm und sich plötzlich im Jahr 2018 wiederfand, wird er im Nachfolger nun zum Auserwählten einer alten Prophezeiung, für einen Geheimagenten gehalten und muss ganz beiläufig jahrhundertealte Mysterien entschlüsseln, während er nach seiner vermissten Geliebten Faith sucht.

Willkommen im Kalau'a-Paradies

Das deutsche Studio CrazyBunch hat sich also auch diesmal einiges einfallen lassen, um Larry und seine Fans auf Trab zu halten. Obwohl Wet Dreams Dry Twice direkt an die Ereignisse des Vorgängers anknüpft, ist kein Vorwissen nötig, um den jüngsten Irrungen und Wirrungen folgen zu können - Spieler und Spielerinnen des Erstlings werden allerdings einige Charaktere wiedererkennen und vermutlich besser verstehen können, warum unser Held keine Mühen scheut, um die Frau seines Herzens wiederzufinden.

Diese ist irgendwo im Kalau'a-Archipel verschwunden, einer Gruppe karibischer Inseln, die als zentraler Handlungsort dient. Nachdem Larrys Reichweite zunächst auf einzelne Orte beschränkt ist, öffnet sich die Spielwelt nach einigen Stunden zunehmend und kann relativ frei bereist werden.

Im späteren Spielverlauf können wir uns relativ frei durch das Archipel bewegen – und das dank Schnellreisefunktion ziemlich fix. Im späteren Spielverlauf können wir uns relativ frei durch das Archipel bewegen – und das dank Schnellreisefunktion ziemlich fix.

Passend zum neuen Setting passiert das diesmal nicht mit Taxen, sondern mit Larrys selbstgebautem Floß, das ihn per Schnellreisefunktion binnen weniger Sekunden von einer Insel zur nächsten bringt. Ebenso wie viele andere Aktionen lässt sich auch diese über Larrys liebgewonnenes PiPhone ausführen, das neben dem Inventar nun eine praktische Tagebuch-App bereithält, in der die zahlreichen zu erledigenden Aufgaben wie in einem klassischen Questlog aufgelistet sind.

Diese Neuerung erweist sich - wie auch das übersichtlichere Inventar - als ausgesprochen nützlich, da man angesichts der immer größer werdenden Zahl von übergeordneten Zielen, kleineren Fetch-Quests und Gegenständen ansonsten schnell den Überblick verliert. Zusätzlich ist die in Larrys Multifunktionsgerät hausende KI-Assistentin Pi auch diesmal mit Rat und Tat zur Stelle, wenn der verwirrte Junggeselle mal wieder nicht weiß, wo's lang geht.

Rätselhafte Designentscheidungen

Genretypisch verbringen wir einen Großteil der Spielzeit damit, Items miteinander zu kombinieren, sie an passenden Stellen einzusetzen oder bestimmten Charakteren zu überbringen, um voranzukommen. Erstere passen auch diesmal wieder zum eindeutig zweideutigen Humor, für den die Larry-Reihe bekannt ist, und so laufen wir zeitweise mit Plastiktentakeln, wollüstigen Quietscheentchen und Keuschheitsgürteln durch die vielfältigen Schauplätze.

Im Vergleich zum Vorgänger fällt das Inventar deutlich übersichtlicher aus, was angesichts der Vielzahl merkwürdiger Gegenstände eine wichtige Verbesserung ist. Im Vergleich zum Vorgänger fällt das Inventar deutlich übersichtlicher aus, was angesichts der Vielzahl merkwürdiger Gegenstände eine wichtige Verbesserung ist.

Die glänzen durch knallige Farben, Detailverliebtheit und bieten viel zu sehen - so viel, dass die Übersichtlichkeit etwas zu leiden droht und deshalb eine fest ins Spiel integrierte Hilfsfunktion gerade recht kommt: Wie auch schon im Vorgänger, können wir uns per Druck auf die Leertaste alle interaktiven Elemente anzeigen lassen und vermeiden so, Wichtiges zu übersehen.

Doch trotz dieser Hilfestellungen fühlt man sich mitunter etwas verloren, und das ist vor allem dem in seiner Qualität schwankenden Rätseldesign zuzuschreiben. Das nämlich fällt teilweise unnötig kompliziert aus und lässt bisweilen jegliche Logik vermissen. Besonders verwirrend wird es, wenn plötzlich ein ganz anderer Lösungsweg für ein im Prinzip identisches Rätsel gefordert ist.

Ein Beispiel: Larry muss an zwei verschiedenen Stellen defekte Kabel reparieren. Während er das beim ersten Mal naheliegenderweise mit einem Stück Aluminium bewerkstelligt, lässt sich beim zweiten Rätsel partout kein metallischer Gegenstand einsetzen. Stattdessen muss man einen Umweg nehmen, um... an eine Wurst zu kommen, die man als Stromleiter einsetzt. Plausibel ist das nicht - und zugleich durch die Wiederholung des Rätselaufbaus etwas langweilig.

Einige der besonders stark verklausulierten Knobelpartien wirken dabei wie Versuche, die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen - das gilt besonders dort, wo viel stumpfes Hin- und Hergelatsche nötig ist, was vor allem in den ersten paar Spielstunden gehäuft vorkommt. So stellt sich leider gelegentlich mehr Frust als Lust ein, und der wird durch den infantilen Humor noch verstärkt.

Der alte Herr versteht die Welt nicht mehr

Um das vorwegzunehmen: Die Autorin dieser Zeilen weiß einen guten Peniswitz durchaus zu schätzen und stimmt gerne auch mal in ein »er hat Spalte gesagt - höhö!« ein, doch Gags wie diese erschöpfen sich nun mal schnell. Das Repertoire von Wet Dreams Dry Twice beschränkt sich zwar nicht allein darauf, verlässt sich aber allzu oft auf plumpe Zweideutigkeiten und wirkt dadurch etwas einfallslos.

Das gilt auch für die wandelnden Witze in Form der NPCs, die in der Regel kaum mehr sind als in Menschenform gepresste Stereotype, von der lesbischen Kannibalin und wortwörtlichen Männerfresserin bis zum Star-Trek-Fan, der jeden Blödsinn mitmacht, wenn man ihn nur mit genug Technobabble dazu animiert.

Klischees machen müde

Hardcore-Trekkies, Mexikaner mit Sombreros und Hippie-Damen, die vom Sonnenlicht leben: Wet Dreams Dry Twice lässt kaum ein Klischee aus. Das sorgt für schnelle Lacher, aber auch für viel Vorhersehbarkeit und erschöpft sich nach einer Weile.

Allzu oft fühlt man sich wie ein alter Mann, der kopfschüttelt und voller Unverständnis durch die moderne Welt zieht. Was im Vorgänger noch passte, da Larry im wahrsten Sinne aus der Zeit gefallen war, funktioniert hier nicht mehr so recht - auch, weil sich das Spiel denkbar einfache Ziele für seine Witze sucht. Ja, ja, Influencer und Influencerinnen sind Menschen mit übertriebener Anspruchshaltung, die keine »richtige Arbeit« leisten, die Hippie-Frau spricht leiernd und lebt von Sonnenlicht, und der pansexuelle Fetischist bespringt alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Nun wird das dahinterstehende, erzkonservative Weltbild zwar auf die Schippe genommen, aber einige Gags dürften sich dementsprechend nur älteren Semestern erschließen, die genau mit diesem Weltbild aufgewachsen und die mutmaßliche Hauptzielgruppe des Spiels sein dürften.

Kennste, kennste, kennste?

Diesen Eindruck untermauern die zahlreichen, überwiegend etwas in die Jahre gekommenen popkulturellen Referenzen. Die sind als nette Details überall im Spiel verstreut und vor allem dort gelungen, wo sie auf alte Larry-Titel verweisen, etwa in der berühmten Fließband-Sequenz nach einem der zahlreichen möglichen Bildschirmtode.

Auch Verweise auf Serien, Filme und Musik sind zunächst nett, weil sie emotionale Anknüpfungspunkte bieten und wir uns clever fühlen, wenn wir besonders viele davon identifizieren können, nur: Mehr als ein »Kenn' ich!« rufen sie nie hervor, verweisen nicht über sich hinaus. So bleibt's denn bei der wenig revolutionären Erkenntnis, eine ähnliche Mediensozialisation wie die Entwicklerinnen und Entwickler durchlaufen zu haben.

 In einem Larry-Spiel darf Sex natürlich nicht fehlen. Der wird in kurzen Zwischensequenzen dargestellt und wechselt zwischen lustig und lüstern. In einem Larry-Spiel darf Sex natürlich nicht fehlen. Der wird in kurzen Zwischensequenzen dargestellt und wechselt zwischen lustig und lüstern.

Wenn das aber zutrifft und man Lust auf ein klassisches Point&Click-Adventure mit eher seichtem Humor hat, ist Wet Dreams Dry Twice trotz einiger Makel keine schlechte Wahl, denn das Spiel besticht durch die hübsche Inszenierung, ein frisches Setting und auch einige nette Rätsel, die erst für angenehmes Kopfzerbrechen, dann für Lacher sorgen. Wer allerdings mit der Larry-Reihe noch nie etwas anzufangen wusste, wird auch mit diesem neuen Ableger garantiert nicht warm.

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