Lootboxen - Suchtgefahr: Schweden strebt Gesetzesänderung an

Werden Lootboxen bald verboten? Auch in Schweden denkt man inzwischen über eine Gesetzesänderung nach, um strengere Regeln für Glücksspiel in Videospielen einzuführen.

von Michael Herold,
08.02.2018 13:25 Uhr

In FIFA 18 lassen sich für Echtgeld Fifa Points kaufen, mit denen man wiederum zufällig befüllte Sammelkartenpakete erwerben kann.In FIFA 18 lassen sich für Echtgeld Fifa Points kaufen, mit denen man wiederum zufällig befüllte Sammelkartenpakete erwerben kann.

Lootboxen könnte es schon bald an den Kragen gehen: Nachdem wir erst vor Kurzem über ein mögliches Verbot in Deutschland berichtet haben, denkt nun auch Schweden darüber nach, Lootboxen als Glücksspiel einzustufen. Bereits 2019 könnte es dort ein entsprechendes Gesetz geben, dass für deutlich strengere Regulierungen im Bereich Gaming sorgen würde.

Gegenüber dem Radiosender P3 erklärte der schwedische Minister für öffentliche Verwaltung Ardalan Shekarabi, dass gerade der gesamte Glücksspiel-Markt überprüft wird und in diesem Rahmen auch Lootboxen untersucht werden müssten:

"Wir arbeiten daran, so schnell wie möglich die Kontrolle über den Glücksspiel-Markt zurückzugewinnen. Außerdem wollen wir sicherstellen, dass schwedische Verbraucherschutzgesetze bei allen Akteuren in Kraft treten, die Glücksspiel betreiben. [...] Ich habe deswegen vor, unsere Regierung darum zu bitten, das Phänomen Lootbox genauer unter die Lupe zu nehmen und nachzuschauen, ob unsere Gesetze geändert werden müssen, um den Verbraucherschutz zu stärken."

Erzeugen Lootboxen Sucht?

Damit stößt Shekarabi in eine ähnliche Richtung wie die Jugendschutz-Kommission der deutschen Landesmedienanstalten. Diese will hierzulande ebenfalls untersuchen, inwiefern Hersteller von Videospielen auf Mechanismen der Glücksspielindustrie zurückgreifen, um Lootboxen, DLCs und ähnliches zu verkaufen.

Laut Shekarabi können Lootboxen durchaus ähnliche Probleme hervorrufen wie Glücksspielsucht:

"Es ist offensichtlich, dass es viele Menschen gibt, die an Spielsucht leiden und deshalb auch bei solchen Mechaniken [wie Lootboxen, Anm. d. R.] hängen bleiben und Geld verlieren."

Dass Lootboxen geradezu süchtig machen können, beweisen Fälle wie der des 19-jährigen Reddit-Users Kensgold, der knapp 14.000 Dollar für Mikrotransaktionen ausgegeben hat. In einem offenen Brief an EA, Dice und andere Entwickler beschrieb er sein Verhalten als Sucht und bat um mehr Rücksicht gegenüber den Spielern. In Schweden wurde zudem erst vor Kurzem über Oscar Hansson berichtet, der umgerechnet mehrere Tausend Euro für Sammelkarten im Ultimate Team Modus von FIFA ausgegeben hat. Auch Hannsson sprach von einem Suchtverhalten.

Plus-Report: Machen Lootboxen süchtig?

Wie die Politik in Zukunft auf das Thema Lootboxen reagieren wird, ist allerdings noch vollkommen offen. Während Länder wie Deutschland, Schweden, Australien oder Belgien gegen die Mechanik in Videospielen vorgehen wollen, sehen andere Nationen wie Neuseeland oder Großbritannien in den Ingame-Käufen kein Glücksspiel.

Deutsche Entwickler über Lootboxen - »Die Spieler sind selbst dran Schuld.« PLUS 23:05 Deutsche Entwickler über Lootboxen - »Die Spieler sind selbst dran Schuld.«


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