Ein neues Mass Effect sollte Andromeda ignorieren, aber nicht vergessen

Meinung: BioWare arbeitet aktuell an einem neuen Mass Effect. Details kennen wir noch keine. Andromeda fortzusetzen, wäre jedoch der falsche Weg.

von Fabiano Uslenghi,
08.11.2020 17:45 Uhr

Es war eigentlich nur eine Randnotiz. Praktisch nebenbei kündigte BioWare am N7-Day, dem 7. November 2020, eine Fortsetzung von Mass Effect an. Das erste Lebenszeichen der Reihe, seitdem nach dem kontroversen Mass Effect: Andromeda alles auf Eis gelegt wurde. Wir werden irgendwann in dieses grandiosen Universum zurückkehren dürfen und wer weiß, was für Abenteuer uns diesmal erwarten!

Bis es aber soweit ist, werden sicherlich noch einige Jahre ins Land ziehen. Und wir dürfen an dieser Stelle auch nicht vergessen, dass die lange Funkpause gute Gründe hatte. Mit Andromeda hat BioWare die Reihe - drastisch ausgedrückt - an die Wand gefahren. Und zwar in dem Sinne, dass man offenbar nicht mehr sicher war, wie es überhaupt noch vorwärts gehen kann.

Der Autor:
Wie so viele andere auch war BioWare für Fabiano früher eine unangefochtene Rollenspiel-Größe. Mit Baldur's Gate, Knights of the Old Republic und natürlich Mass Effect konnte das Studio sein Herz erobern und schien gegen jede Form der Kritik gefeit. Dieses Bild hat sich über die Jahre aber gewandelt. Andromeda hat Fabiano glücklicherweise erst nach zahlreichen Patches durchgespielt - wurde letztlich aber trotzdem davon enttäuscht. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass das Studio sich wieder aufraffen kann und Mass Effect ist doch ein guter Ort, um damit anzufangen.

Diese Frage stellen sich nach der Ankündigung natürlich auch viele Fans: Wie soll oder kann es mit Mass Effect weitergehen? Ich habe dazu eine klare Meinung: Andromeda darf für die weiteren Pläne nicht mehr berücksichtigt werden. Doch die Entwickler sollten sich trotzdem ein Beispiel an dem Schwarzen Schaf der Reihe nehmen.

Bioware zieht die Notbremse - Video: Wie geht es jetzt mit Mass Effect weiter? 9:27 Bioware zieht die Notbremse - Video: Wie geht es jetzt mit Mass Effect weiter?

Andromedas wundervolles Scheitern

Gut. Das klingt jetzt im ersten Moment noch widersprüchlich. Ist es aber keineswegs. Denn die Idee hinter Andromeda war fantastisch und bot viel zu viel Potenzial, um einfach fallengelassen zu werden. Aber nach über drei Jahren macht es für mich keinen Sinn mehr, die Geschichte von Pathfinder Ryder fortzusetzen.

Im Grunde hielt sich Mass Effect: Andromeda verständlicherweise die Option auf einen direkten Nachfolger offen. Ich will an dieser Stelle nicht zu tief in die recht umfangreiche Geschichte einsteigen, aber um es kurz zu machen (Spoiler-Warnung): Nachdem wir den zerstörerischen Plan der sogenannten Kett vereitelt haben, teast eine letzte Szene deren baldige Rückkehr an. Gleichzeitig wurde noch irgendwas zur Quarianer-Arche angedeutet, doch der entsprechende DLC dazu ist nie erschienen.

Allgemein befindet sich BioWare nach Andromeda und Anthem nicht in der besten Position. Doch vielleicht kann noch vor Mass Effect ein neues Dragon Age für Besserung sorgen. Unser Redakteur Peter hat bei GameStar-Plus darüber gesprochen, was Dragon Age 4 leisten muss:

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Mir ist es inzwischen aber relativ egal, wie die Geschichte rund um Ryder möglicherweise weitergehen könnte. Für die Dauer von Andromeda war ich investiert genug, um meinen Spaß zu haben. Die Bedrohung durch die Kett, das Aufspüren der mysteriösen Remnant-Zivilisation und selbst die Gefährten konnten mich emotional dann aber nicht so sehr binden wie einst Shepards Kampf gegen die Reaper.

Die Angaran sind eine Alienspezies, die in der Andromeda Galaxie lebt. Zusammen mit den schurkischen Kett sind es auch die einzigen Aliens, die Ryder auf ihrer Reise ins unbekannte kennenlernt. Die Angaran sind eine Alienspezies, die in der Andromeda Galaxie lebt. Zusammen mit den schurkischen Kett sind es auch die einzigen Aliens, die Ryder auf ihrer Reise ins unbekannte kennenlernt.

Was mir aber nach wie vor ein Kribbeln unter die Fingerspitzen jagt, ist diese grundlegende Erforscher-Fantasie hinter Mass Effect: Andromeda. Ich habe mich so sehr darauf gefreut, eine neue Galaxie zu erkunden. Als Weltraum-Entdecker ganz neue Alien-Spezies und ihre Planeten kennenzulernen.

Zu sehen, wie sich diese unterschiedlichen Wesen miteinander arrangieren. In Andromeda gab es aber letztlich nur zwei neue Völker und eines davon waren »die Bösen«. So sehr Kroganer, Asari oder Salarianer zu Mass Effect gehören, ich wollte so viel Neues sehen! Wieder diese Faszination spüren, die schon das erste Mass Effect ausstrahlte. Daran ist Andromeda gescheitert.

Ein zweiter Versuch

Was bedeutet das nun für einen neuen Teil? Ich rechne nicht damit, dass wir in den Heleus Cluster der Andromeda Galaxie zurückkehren. Diese Altlast würde ein Vorankommen von Mass Effect nur ausbremsen.

Die erste Konzeptzeichnung gibt nur ein paar Indizien, wo die Reise für Mass Effect hingeht. Das Schiff sieht für die Reihe ungewöhnlich aus und trägt ersten Vermutungen nach und den unrühmlichen Namen »Mudskipper«. Wir sehen aber auch ein paar bekannte Elemente. Eine der Silhouetten scheint ein Salarianer zu sein. Die erste Konzeptzeichnung gibt nur ein paar Indizien, wo die Reise für Mass Effect hingeht. Das Schiff sieht für die Reihe ungewöhnlich aus und trägt ersten Vermutungen nach und den unrühmlichen Namen »Mudskipper«. Wir sehen aber auch ein paar bekannte Elemente. Eine der Silhouetten scheint ein Salarianer zu sein.

Mass Effect sollte sich dennoch ein Beispiel an Andromeda nehmen und neue Galaxien erforschen. Doch diesmal auch wirklich aufs Ganze gehen und eine komplette neue galaktische Gesellschaft aus dem Boden stampfen. Uns daran erinnern, was der Vorteil der unendlichen Weiten der Galaxie bringt. Hier ist alles denkbar! Mass Effect muss sich nicht verzweifelt an den etablierten Strukturen und Völkern der Vorgänger festklammern. Die Milchstraße und ihre Bewohner kennen wir zur Genüge.

Und tatsächlich gibt mir das erste Artwork zum neuen Mass Effect auch bereits Hoffnung. Das Schiffsdesign entfernt sich sehr stark von der Normandy und der Tempest aus Andromeda. Das Schiff wirkt viel bulliger. Weniger elegant. Man scheint sich nicht wieder auf bekannte Designs wie in Andromeda zu verlassen. Zusätzlich weckt der schier endlose Horizont den Entdeckerdrang. Natürlich sagt dieses Artwork noch wenig über das fertige Spiel aus. Mir zeigt das aber: BioWare denkt in die richtige Richtung.

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