Krypto-Mining: Eine entlarvende Diskussion, sowohl für die Hersteller als auch für uns

78 baugleiche RTX 3080 für nur einen Miner? Der Aufreger der Woche macht auch Hardware-Redakteur Alex wütend - doch die Kritik sollte angemessen sein.

von Alexander Köpf,
10.01.2021 10:00 Uhr

Der Albtraum eines jeden, der eigentlich Cyberpunk 2077 samt Raytracing spielen wollte. Der Albtraum eines jeden, der eigentlich Cyberpunk 2077 samt Raytracing spielen wollte.

78 RTX 3080 in Reihe geschaltet - und das nur, um damit Krypto-Geld zu farmen. Die gigantische Mining-Platte mit den vielen bunt leuchtenden RTX-Karten von PNY war einer der Aufreger auf GameStar.de in dieser Woche.

Die Grafikkarten lachten uns quasi zynisch ins Gesicht und schrien: Wir sind eigentlich Gamer-Grafikkarten! Ganz ehrlich, da kocht auch mir das Blut bis hinter die Stirnlappen - und ich kann jeden verstehen, der da wutentbrannt auf den Tisch haut. Das darf doch nicht wahr sein! Oder vielleicht doch?

Alexander Köpf

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Alex schreibt seit bald zwei Jahren als Hardware-Redakteur für GameStar. In der Zeit hat es ein paar Aufreger gegeben: Denken wir nur an Ryzen 3000 zum Start zurück und deren Turbo-Taktraten, welche zwar angegeben, aber in der Praxis nicht erreicht wurden. Zuletzt kamen dann die »schwierigen« Launches von RTX 3000 und RX 6000, sowie das Ärgernis mit Botkäufern und Scalpern. Doch zu sehen, dass ein einziger Miner trotz Knappheit 78 RTX 3080 abstauben kann, setzt Alex' Meinung nach dem Ganzen die Krone auf!

Es gibt nicht nur eine Wahrheit

Zur Wahrheit gehört, dass sich gerade Nvidia im Zuge der Botkäufe rund um die RTX 3080 explizit entschuldigt und versprochen hat, den Bestellungen nachzugehen und dafür zu sorgen, dass die Karten »in die Hände rechtmäßiger Kunden kommen« (via PC Gamer).

Eine geschickte Formulierung, denn »rechtmäßig« kann sehr vieles bedeuten. In erster Linie dürften sich dadurch aber normale, spielende Kunden angesprochen gefühlt haben - ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Ebenso zur Wahrheit gehört, dass das alles Profit- und/oder Dividenden-orientierte Unternehmen sind. Können wir ihnen also wirklich vorwerfen, nach den gleichen Prinzipien vorzugehen wie jedes andere große Unternehmen? Ich würde sagen: Ja und nein!

Hardware-Guides auf GameStar Plus

Ihr rutscht trotz aller Widerstände auf der Warteliste für eine RTX 3000 oder RX 6000 nach oben und wollt davor euer restliches System noch darauf vorbereiten? In unseren Plus-Guides erfahrt ihr, was es unbedingt sein sollte und wo ihr euch noch Zeit lassen könnt:

Kritik sollte Maß und Ziel kennen

Ja, weil wir meiner Meinung nach eine Erklärung seitens der Hersteller verdienen, wie ein einziger Miner an 78 baugleiche RTX-3080-Karten kommen kann, während viele Spieler noch nicht mal eine einzige zu Gesicht kriegen.

Ob das wirklich alles Botkäufe waren, weiß ich nicht zu sagen. Höchstwahrscheinlich war der Miner aber nicht am Strand gestanden und die Karten sind einfach angespült worden - Strandrecht sozusagen.

Ja, weil die problematischen Hardware-Launches im vierten Quartal 2020 zeigen, dass die Hersteller dringend ihr Vorbesteller-System hinterfragen und verbessern müssen, wenn es sich, wie auch bei den zahlreichen Konsolen-Scalpern, derart leicht austricksen lässt.

Nein, weil wir als Gamer die Kirche im Dorf lassen sollten. Wir können nicht erwarten, exklusive Vorverkaufsrechte an Grafikkarten zu bekommen - das widerspricht den, wie ich finde, grundsätzlich durchaus sinnvollen Prinzipien der Marktwirtschaft.

Nein, weil wir uns zumindest meiner Meinung nach auch nicht so einfach moralisch über andere erheben sollten. Klar, man kann Krypto-Mining als eine Perversion eines ohnehin schon perversen Geldsystems ansehen. Zudem begünstigt es Leute, die eh genug Geld haben, nur um daraus noch mehr Geld zu machen.

Kurse für Krypto-Währungen explodieren: Wann die aktuelle Mining-Welle wieder vorbei sein wird, ist schwer zu sagen, denn im Moment steigen die Kurse rasant an:

Die nächste Mining-Welle ist da   300     3

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Die nächste Mining-Welle ist da

Krypto-Mining schafft dabei nicht einmal einen echten Gegenwert - von den Belastungen für Mutter Natur ganz zu schweigen. Aber unser geliebtes Hobby verbraucht ebenfalls eine Menge Strom. Und rein rational betrachtet, werden die wenigsten von uns wirklich jetzt schon ganz dringend eine RTX 3080 benötigen - es ist ein Luxusproblem in einer Luxusgesellschaft.

Also ja, wir dürfen Unternehmen kritisieren, wenn sie nicht halten, was sie versprechen. Aber so ein klein wenig müssen wir uns auch an die eigenen Nasen fassen. Wer schimpft nicht gern, wenn er betroffen ist und schweigt, wenn es ihm gut geht?

Was für Fragen und Probleme sich uns mit der ersten Krypto-Mining-Welle aufdrängten, könnt ihr euch im GameStar-Plus-Video von 2017 ansehen:

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