Minecraft Mittelerde: Was das Mega-Projekt nach zehn Jahren bietet - und was noch kommt

MCME ist der älteste Build-Server in Minecraft. Zum 10-jährigen Jubiläum haben wir uns das Projekt angeschaut und mit dem Head Developer Eriol gesprochen.

von Stephanie Schlottag,
08.11.2020 15:40 Uhr

Natürlich dürfen die Argonath auch im Minecraft-Mittelerde nicht fehlen. Natürlich dürfen die Argonath auch im Minecraft-Mittelerde nicht fehlen.

Minecraft Middle Earth verkörpert einen Traum: Auf dem Build-Server soll Mittelerde so nachgebaut werden, dass es Tolkien stolz gemacht hätte. Und daran arbeiten Hunderte Menschen seit mehr als zehn Jahren. Wir haben dem Riesen-Projekt selbst einen Besuch abgestattet und mit Eriol Eandur, Head Developer von MCME, gesprochen. Im Gespräch erzählt er uns Dinge, die waren, Dinge, die sind und einige Dinge, die vielleicht noch sein mögen.

Was genau will MCME eigentlich schaffen? Alle Länder, Städte und Festungen nachbauen, die Tolkien für Mittelerde erdacht hat und die ihr aus Filmen und Büchern kennt. Jedes Gebäude soll euch offen stehen, von der Hobbithöhle bis zur Orkfestung.

Neben dem riesigen Mittelerde-Nachbau gibt es noch weitere Server von MCME, etwa für PvP und PvE. Außerdem laufen regelmäßig besondere Events, zum Beispiel wurde die Schlacht um Helms Klamm nachgespielt - ein Video dazu seht ihr unten. Richtiges Rollenspiel gibt es zwar nicht, es geht vor allem ums Erkunden und Anschauen. Aber MCME ist trotzdem viel mehr als »nur« ein riesiges Mittelerde-Museum in Klötzchenform. Das eigentlich Spannende ist, was den ältesten Build-Server von Minecraft am Leben hält: eine besondere Community, die jeden mit offenen Armen empfangen will.

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Was steckt alles schon im Minecraft-Mittelerde?

Das, was ihr aus der »Herr der Ringe«-Trilogie kennt, ist schon ziemlich vollständig: Ihr startet eure Reise im Auenland, erkundet frei die Königreiche Rohan und Gondor oder streift durch Lothloriens dämmerige Wälder. Wenn ihr wollt, folgt ihr sogar den Spuren der Hobbits bis an Mordors Grenze - wortwörtlich, denn die Macher haben die Abdrücke ihrer haarigen Füße als Wegweiser eingebettet.

Als wir uns auf dem Server einloggen, müssen wir erstmal ein Quiz absolvieren. Niemand braucht sich dafür in die Tolkien-Lore einlesen, es geht nur um die simplen Server-Regeln - was zum Beispiel im Chat erlaubt ist und was nicht. Haben wir alles richtig beantwortet, werden wir in Bilbos gemütliche Höhle teleportiert. Von dort aus wandern wir völlig frei in die Welt hinaus, erkunden Dörfer, Wälder und Bauernhöfe. Fast alle Türen stehen uns offen, also erkunden wir nicht nur die Landschaft, sondern auch das Innenleben Dutzender Häuser.

Jedes einzelne Gebäude in MCME ist von Hand gebaut und komplett eingerichtet. Die Möbel sehen dabei haargenau so aus, wie man sie sich in einem mittelirdischen Bauernhaus oder einer Werkstatt vorstellt. Beim Bäcker brennt Feuer im Ofen, beim Schwertschmied hängen Waffen an der Wand. Diese Detailverliebtheit hat allerdings einen Preis, wie Eriol selbst sagt:

"Die Sorgfalt und Details richtig hinzubekommen, sind uns viel wichtiger als Geschwindigkeit. Deswegen dauert natürlich auch alles seine Zeit."

Unser Gesprächspartner: Eriol ist seit 2014 bei MCME dabei. Angefangen hat er dort ohne Baufähigkeiten, aber als begeisterter Tolkien-Fan. Heute ist er Administrator und Head Developer und zum Beispiel zuständig für die Plug-Ins.

Das ist der Hauptgrund, warum die Arbeit an MCME auch nach zehn Jahren Bauzeit noch lange nicht abgeschlossen ist: Qualität steht für die Macher vor Quantität. Wie ernst die Macher es mit der Detailverliebtheit meinen, zeigt einer der imposantesten Orte in Minecraft-Mittelerde.

Auch das Elbenreich Lothlorien ist bereits Teil von MCME. Bildquelle: MCME Auch das Elbenreich Lothlorien ist bereits Teil von MCME. Bildquelle: MCME

Ein glorreiches Beispiel: Minas Tirith

Minas Tirith ist eine besonders weiße Perle im prall gefüllten Schmuckkästchen von MCME. Die Feste dürfte jedem in Erinnerung sein, der Die Rückkehr des Königs gesehen hat: Hier kämpfte Gondors Heer gegen die Ork-Armee von Mordor.

Während wir uns der nachgebauten Stadt in MCME zum ersten Mal nähern, ploppen die Mauern und Tore erst nach und nach auf. Der Server braucht einige Sekunden, um abertausende Blöcke zu laden. Dann aber zeigt sich Minas Tirith in seiner vollen Pracht.

Die weißen Mauern der Stadt ragen so weit in den Himmel auf, dass wir ihren Rand kaum noch erkennen können. Hinter dem ersten Stadttor öffnet sich uns der Platz, auf dem Gandalf und Pippin im Film zum ersten Mal auf Faramir treffen. Wir erkennen sofort die gewaltige Reiterstatue aus der Vorlage, die uns überragt wie ein Steinriese. Auch bisher ungesehene Teile der Stadt wissen zu beeindrucken: Überall hängen die Banner von Gondor, der berühmte Weiße Baum schmückt Masten und Türme. Die Straßen sind von Läden gesäumt, mittelalterliche Schilder werben für Waffenschmiede oder Schänken.

Wir finden gleich mehrere Marktplätze mit bunten Ständen, die Stoffe, Waffen oder Speisen präsentieren. Und als wir zum ersten Mal die Zitadelle betreten, die die gesamte Stadt überragt, erwarten wir beinahe, dass uns Wachen mit Flügelhelmen aufhalten. Allerdings gibt es keine Bewohner, auch keine NPCs, wir sind bei unserem Ausflug ganz alleine unterwegs. Das ist das einzige, was wir manchmal vermissen - umso mehr hoffen wir darauf, dass es hier tatsächlich irgendwann Rollenspiel geben wird.

In den Filmen hatten wir wenig Gelegenheit, die Schönheit der Weißen Stadt zu bewundern, in MCME umso mehr. Minas Tirith war der wohl aufwändigste Build bisher. Und die Mühe hat sich definitiv gelohnt:

Minas Tirith in MCME Bild: MCME

Minas Tirith aus der Luft Bild: MCME

Minas Tirith in der Dämmerung Bild: MCME

Der weiße Baum bei Nacht Bild: MCME

Es gibt aber noch viel mehr zu sehen: Alleine in Gondor erwarten euch beispielsweise noch Osgiliath und die Küstenstadt Dol Amroth.

Was soll in MCME noch passieren?

Vieles ist schon geschafft, aber noch längst nicht alles, sagt Eriol:

"Von dem, was man so aus den Herr-der-Ringe-Filmen kennt, ist der überwiegende Teil schon fertig. Aber wir wollen noch viel weiter gehen und auch die Orte bauen, die in der Trilogie nicht vorkommen, sondern nur in den Büchern - zum Beispiel Rhûn, die Heimat der Ostlinge. Wir haben also noch eine ganze Menge vor."

Wir wollten wissen, was das Team als Vorlage für Projekte verwendet, zu denen es keine Filmszenen gibt. Eriol erklärt, dass die Inspiration auch aus anderen Medien kommt:

"Wir nutzen alles Mögliche als Quelle. Natürlich die Bücher, offizielle Illustrationen, die Filme, aber zum Beispiel auch Videospiele wie Mordors Schatten. Wichtig ist uns dabei, dass alles vom Stil zusammenpasst und den Gesetzen der Physik folgt. Auch wenn es Fantasy ist, braucht es einen gewissen Realismus."

Pläne für die Zukunft: Das Team von MCME werkelt ständig weiter, zum Beispiel an Mordor oder an Orten aus der Hobbit-Trilogie. Und es gibt noch mehr zu tun als neue Builds: Laut Eriol sollen ältere Gebiete, etwa Rohan und das Auenland, nochmal komplett überarbeitet werden. Auch Rollenspiel steht auf der Wunschliste, wird aber garantiert nicht in den nächsten zwei Jahren eingebaut werden, dazu wäre der Aufwand zu groß.

Wer sollte MCME besuchen? Wenn ihr euch für Tolkiens Welt begeistert und gerne mal selbst durch Mittelerde wandern wollt, dann lohnt sich ein Besuch auf dem Build-Server auf jeden Fall. Für die Tour per Pedes solltet ihr genügend Zeit mitbringen, vom Auenland bis an Mordors Grenze sind es etwa drei Stunden Echtzeit-Marsch - und dann habt ihr nur eine einzige Strecke gesehen. Zum Glück gibt es die praktische Warp-Funktion, die euch direkt an jeden fertigen Ort bringt (hier gibt's eine Liste).

Doch was für Tolkien-Fans noch viel interessanter sein dürfte: Bei MCME versammelt sich eine aktive Community von Mittelerde-Begeisterten, die sich über alle Neulinge freut. Ganz egal, ob ihr mitbauen oder einfach nur ein paar Runden drehen wollt.

Wie steht es eigentlich um die Zukunft von Minecraft? Darüber haben Michael Graf und Christian Schmidt ausführlich im GameStar-Podcast gesprochen.

GameStar-Podcast - Plus-Folge 59: Zehn Jahre Minecraft   19     19

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Die Gemeinschaft hält Mittelerde am Leben

Zu diesem Thema kehrt Eriol in unserem Gespräch immer wieder zurück: Wie wichtig die Menschen sind, die hinter MCME stehen und das Projekt überhaupt möglich machen. Egal ob auf dem Server oder im Discord-Channel, jeder soll sich willkommen fühlen, solange er oder sie sich an die Regeln hält. Und tatsächlich haben wir diese Erfahrung auch selbst gemacht.

Keine Minute, nachdem wir den Server zum ersten Mal betreten, begrüßen uns mehrere Mitglieder und bieten uns sofort Unterstützung an (wir waren übrigens anonym unterwegs). Egal, welche Frage im Chat auftaucht, sie wird schnell und vor allem freundlich beantwortet. Ein weiterer Besucher weiß zum Beispiel nicht, wie Warp in Minecraft funktioniert und bekommt innerhalb weniger Sekunden eine ausführliche Anleitung.

Guides liefern Informationen zu jedem wichtigen Ort auf der Karte, ein FAQ beantwortet die wichtigsten Fragen und die Mitglieder stehen als Ansprechpartner bereit. Hilfe und Austausch gibt's auch auf dem Discord-Channel mit über 10.000 Mitgliedern. Und wer über »All things Tolkien« reden möchte, ist bei MCME natürlich bestens aufgehoben. Für Eriol ist diese Gemeinschaft das Besondere an dem Mega-Projekt:

"Unsere tolle Community macht uns einzigartig. Uns ist wichtig, eine sichere, freundliche Umgebung für alle zu haben. Wir haben auch schon mal Väter auf dem Server, die mit ihren Kindern Mittelerde erkunden. (…) Unsere Spieler kommen aus sehr vielen Ländern, von den USA über Europa bis Australien."

Wollt ihr selbst mitbauen, statt MCME nur zu besuchen? Neuankömmlinge sind willkommen, egal, ob sie aktiv helfen oder nur die Welt erkunden wollen. Ihr beginnt als Abenteurer und könnt Jobs annehmen, also simple Projekte unter Anleitung eines Designers. Serversprache ist Englisch, aber Grundkenntnisse genügen. Außerdem es gibt Mitglieder, die euch auf Deutsch weiterhelfen. Und ihr müsst kein Tolkien-Crack oder erfahrener Builder sein, es reicht, sich für Mittelerde zu interessieren. Eriol betont, dass es keine strenge Hierarchie gibt:

"Unsere Rollen sind eigentlich kein Rang-System. Rank ist zwar ein üblicher Begriff, aber die verschiedenen Rollen sind eher Zuständigkeiten oder Verantwortung, die wir Spielern mit der notwendigen Erfahrung und den notwendigen Fertigkeiten anvertrauen. Für fast alle Rollen muss man sich daher auf dem Forum bewerben. Was wir vermeiden möchten, ist, dass Spieler auf andere herabblicken, weil sie einen höheren Rang haben."

Wenn ihr über MCME auf dem Laufenden bleiben wollt: Bei Instagram gibt es regelmäßig Updates und neue Bilder, auf YouTube findet ihr Videotouren. Und auf der offiziellen Webseite bekommt ihr natürlich auch die Serveradresse, um selber beizutreten.

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