Der September strotzt dieses Jahr vor hochkarätiger Spiele-Releases, da nur kaum ein Publisher wagen will, im Herbst unter die Räder des GTA-Hypetrains zu geraten. Wer es sich leisten kann, verlegt vor. So hält es auch Capcom mit Onimusha: Way of the Sword; das Action-Adventure wurde jüngst auf Anfang September vorgezogen.
Kurz vor gamescom war der japanische Publisher in der GameStar-Redaktion zu Gast, um uns sein Line-up für die kommende Messe zu präsentieren. Als Japan-Experte fiel mir dabei das Los zu, mein Können mit dem Katana unter Beweis zu stellen und zu prüfen, was das Comeback der altgedienten Schnetzel-Reihe auf dem Kasten hat.
Die Herausforderung von Kollege Phil: Ein No-Death-Run. Wenn ich es schaffen würde, die drei Bosse zu fällen und das Ende der Demo zu erreichen, ohne ins Gras zu beißen, würde er die nächste Füllung der Süßigkeiten-Schublade übernehmen. Es stand also viel auf dem Spiel.
Gestorben bin ich tatsächlich nicht – zumindest bei den letzten beiden Bossen der Demo. Ich finde, das zählt.
Disclaimer: Capcom war mit einer rund 2-stündigen Demoversion für die PS5 Pro bei uns zu Gast, die wir nicht frei aufnehmen konnten. Das gezeigte Bildmaterial wurde von Capcom zur Verfügung gestellt. Das gemeinsame Mittagessen im Rahmen des Termins wurde von Capcom gezahlt. Auf unsere redaktionelle Berichterstattung hat das natürlich keinen Einfluss.
Kein Urlaubs-Setting
Aber fangen wir erstmal ganz vorne an. Onimusha: Way of the Sword ist der jüngste Serienteil einer altehrwürdigen, aber seit 20 Jahren brachliegenden Action-Reihe von Capcom. In der Serie schlüpfe ich stets in die Rolle eines berühmten japanischen Schwertkämpfers – im neuesten Teil bin ich der legendäre Duellant Miyamoto Musashi, von dem man sagt, er sei in 62 Kämpfen ungeschlagen.
Way of the Sword spielt während der frühen Edo-Periode in der ehemaligen Hauptstadt Kyoto, deren Glanz durch Jahrhunderte des Krieges allerdings stark gelitten hat. Stattdessen breitet sich eine düstere Verderbtheit über die Hauptstadt aus: Denn die Tore zur Hölle haben sich geöffnet und die Straßen werden von den dämonischen Genma heimgesucht.
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Onimusha: Way of the Sword - Wir schnetzeln uns als legendärer Samurai im alten Japan durch Horden von Dämonen
Wie und warum, das muss ich im Laufe des Spiels herausfinden. Fest steht jedoch, dass ich der Einzige bin, der den Dämonen etwas entgegenzusetzen hat, denn eine mysteriöse Macht hat mir zu Beginn des Spiels einen Oni-Handschuh verpasst. Mit dem sammle ich die Seelen besiegter Dämonen und nehme so deren übernatürliche Fähigkeiten in mir auf.
Tödlich-schneller Klingentanz
Die Kämpfe gegen die Ausgeburten der Hölle standen bei Onimusha (auf Deutsch etwa »Dämonenkrieger«) schon immer im Vordergrund. Die Genma erscheinen in allen möglichen Formen – von gefräßig-sabbernden Ogern bis hin zu hopsenden Köpfen sind hier wirklich einige Absonderlichkeiten dabei.
Und manche von ihnen sind richtig raffiniert: Ein Genma, der einen Schrein besetzt hält, gaukelt den Betenden vor, dass ihre Probleme verschwänden, wenn sie ihm ihre Gliedmaßen opfern. Die Jahre des Bürgerkriegs haben die Leute verzweifelt gemacht, sodass viele auf die Manipulation des Dämons hereinfallen. Zeit also, dass ich hier mal zum Frühjahrsputz ansetze.
Ich begegne den Genma mit dem genretypischen Mix aus Schwerthieben, präzisen Paraden und gut getimten Ausweichmanövern – zusätzlich kann Musashi gegnerische Hiebe ablenken, was Feinde mächtig Ausdauer kostet. Das grundlegende Schema aus roten und blauen Angriffen ist aber altbekannt; die Kämpfe gehen wunderbar flüssig von der Hand und vermitteln glaubhaft die tödliche Schnelligkeit der Samurai-Klingen.
Mit seiner düsteren Fantasy-Version des alten Japans erinnert das neue Onimusha optisch zwar stark an Sekiro: Shadows Die Twice. Der Capcom-Titel ist allerdings deutlich weniger strafend als sein FromSoftware-Cousin. Statt eines knallharten Soulslikes habe ich es hier eher mit einer Lite-Variante zu tun; die meisten Gegner mähe ich mühelos nieder.
Präzises Timing ist aber dennoch wichtig, denn die Hiebe der Bosse haben Wucht. Wer eine Parade verpasst oder zu spät zur Seite rollt, liegt schnell mit dem Gesicht am Boden – wie es mir beim ersten Boss der Demo garantiert nicht passiert ist, ähem … Na gut, na gut, vielleicht schon. Das schiebe ich aber mal darauf, dass ich mit der Steuerung noch nicht vertraut war. Danach lief nämlich alles wie am Schnürchen und man könnte argumentieren, dass ich meinen No-Death-Run geschafft habe.
Taktik und Umgebung
Es reicht übrigens nicht, einfach nur die gegnerische Lebens- und Ausdauerleiste herunterzuhauen. Während des Kampfes muss ich darauf achten, mit meinem Handschuh regelmäßig die herabfallenden Genma-Seelen in der Umgebung aufzusaugen – sie stellen unter anderem meine Ausdauer und Gesundheit wieder her, gewähren mir aber auch Skillpunkte. Einige Bossgegner bedienen sich jedoch ebenfalls an den Seelen und heilen sich während der Kämpfe wieder hoch. Die Duelle bekommen so eine taktische Komponente.
Ebenfalls cool: Ähnlich wie in Sifu berücksichtigt das Kampfsystem von Onimusha meine Umgebung und wie ich zum Gegner stehe. Anstürmende Feinde kann ich in andere Gegner hineinschubsen; stolpert ein Feind in eine Wäscheleine, fällt ihm ein Laken auf den Kopf und der Kollege ist für ein paar Sekunden blind.
Rätsel light
Die zweite Gameplay-Säule von Onimusha neben den Kämpfen sind die Rätsel. Einfach so zum Ziel marschieren kann ich im alten Japan nur selten; häufig sind Wege durch Hindernisse versperrt. Mal muss ich einen großen Würfel verschieben, mal ein paar Steine mit einem gezielten Pfeil zu Fall bringen, mal ein paar entflohene Stein-Buddhas einsammeln.
Insgesamt sind die Rätsel aber nicht allzu komplex und mit ein bisschen Köpfchen schnell zu lösen. Sie dienen in Way of the Sword eher als nette Abwechslung zwischen den Kämpfen und nehmen deutlich weniger Raum ein als in anderen Capcom-Releases wie Resident Evil: Requiem oder Pragmata.
Zudem ist das Spiel recht linear; ich verstehe auch ohne Karte früher oder später, wo ich lang muss. Durch das Rätseln und Erledigen von Bossen arbeite ich mich Stück für Stück durch die verschiedenen miteinander verbundenen Zonen von Kyoto vor und reinige die Hauptstadt von der dämonischen Verderbtheit.
Technik und Grafik
Die technische Umsetzung des Spiels scheint zumindest anhand der Demo gelungen. Way of the Sword bleibt auf der PS5 Pro auch in hektischen Kämpfen mit mehreren Gegnern angenehm flüssig und ruckelt nicht. Wie es um die PC-Version bestellt ist, kann ich hingegen erst zum Release beurteilen; beim Anspieltermin hatte Capcom nur die PlayStation-Fassung dabei.
Die optische Gestaltung des Spiels fällt dagegen zwiegespalten aus. Der Anfang der Demo in einer surrealen Oni-Dimension fasziniert mich mit seinem fantastischen Look. Die herumschwebenden Felsblöcke erinnern mit ihren Gold-Adern an per Kintsugi (mit Gold und Lack-Kleber) repariertes japanisches Porzellan; die Wege werden von verfallenen Schrein-Torii und Steinlaternen gesäumt.
In anderen Gebieten hätte es allerdings ruhig etwas mehr Farbe sein können. Die von der Verderbtheit gezeichneten Bereiche Kyotos versinken in einem wenig einladenden Grau-Braun, das nicht unbedingt Lust auf den nächsten Japan-Urlaub macht. Dabei sind die Tempel und Schreine Kyotos in der Realität unter anderem für ihre kräftigen Farben bekannt.
Allerdings habe ich während der Demo nur rund zwei Stunden der Kampagne des neuen Onimusha gesehen. Wie der Rest des Spiels aussieht, weiß ich zum aktuellen Zeitpunkt schlichtweg nicht. An der Performance sollte es zumindest nicht scheitern. Denn in seiner Kerndisziplin, den Schwertkämpfen, macht Onimusha optisch bereits jetzt eine verdammt gute Figur.
Fazit der Redaktion
Mit Onimusha: Way of the Sword holt Capcom eine seiner ältesten Klingen wieder aus der Vitrine. Und tatsächlich ist die auch nach 20 Jahren noch scharf. Dank Neuerungen am Seelen-System fühlt sich Onimusha auch nach all den Jahren noch frisch an. Die zackigen Kämpfe verwöhnen das Auge; der gelungene Mix aus leichteren Gegnerhorden zum Wegmetzeln und knallharten Bossen motiviert langfristig und gibt mir das Gefühl, ein wahrer Samurai zu sein
Ob die Story faszinieren kann, steht hingegen noch auf einem anderen Blatt. In der Demo werden mir jede Menge Namen aus der japanischen Geschichte um die Ohren geworfen, die mich als Kenner zwar aufhorchen lassen – den meisten Spielern dürften diese Details aber herzlich egal sein. Auch die Technik am PC und die stellenweise noch matschige Optik sorgen aktuell noch für Fragezeichen.
Die richtigen Zutaten für ein verdammt gutes Samurai-Spiel hat das neue Onimusha allerdings jetzt schon an Bord – auch weil der unfreiwillige Handschuhträger Miyamoto Musahi dank seines trockenen Humors einfach ein verdammt sympathischer Charakter ist.
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