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Partisans 1941 im Test: Taktik für alle, denen Desperados zu wenig Commandos ist

Das Taktikspiel wirkt wie eine Fortsetzung von Commandos und erzählt den Kampf gegen die Nazi-Besatzung aus russischer Sicht. Im Test lest ihr, ob es auch gegen den Genre-Primus Desperados 3 ankommt.

von Manuel Fritsch,
14.10.2020 15:00 Uhr

Partisans 1941 - Test-Video zum Taktikspiel im Commandos-Stil 8:00 Partisans 1941 - Test-Video zum Taktikspiel im Commandos-Stil

Lange Zeit war es still um Echtzeittaktik-Spiele vom Schlage eines Commandos, doch mit Shadow Tactics küsste der deutsche Entwickler Mimimi 2016 das Genre wach und schenkte ihm mit Desperados 3 einen der bisher besten Titel des Jahres. Mit Partisans 1941 möchten Alter Games und Publisher Daedalic nun an dieses Revival anknüpfen.

Der russische Entwickler orientiert sich dabei stark eben am Genre-Urvater Commandos und lässt Partisans 1941 ebenfalls vor historischem Hintergrund spielen. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 formiert sich der bewaffnete Widerstand der Zivilbevölkerung im Hinterland - und wir sind mittendrin.

Das Szenario des Zweiten Weltkriegs ist entsprechend düster und brutal. Die Gräueltaten der Nationalsozialisten an der russischen Zivilbevölkerung werden thematisiert und nicht geschönt. Auch kämpfen wir nicht gegen einen fiktiven Feind, sondern klar gegen deutlich erkennbare Wehrmachtssoldaten. Lediglich verfassungsfeindliche Symbole auf Flaggen und Abzeichen werden im Spiel durch ähnliche grafische Symbole ersetzt.

Keine Darstellung von Hakenkreuzen

Obwohl mittlerweile auch in Deutschland die Darstellung von Hakenkreuzen in Videospielen in bestimmten Fällen gestattet werden kann, verzichtet Partisans 1941 komplett darauf. Wir haben Publisher Daedalic nach den Gründen gefragt:

»Die Entwicklung des Spiels begann bereits weit vor der Änderung der Gesetzeslage zur Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole. Wir haben uns gemeinsam mit den Entwicklern dazu entschieden, auch im Nachhinein keine Hakenkreuze ins Spiel einzubauen. Einen "Freifahrtschein" gibt es weiterhin nicht, die Sozialadäquanz muss im Einzelfall nachgewiesen werden. Der Veröffentlichungsprozess wird durch die Verwendung dieser Symbole also nach wie vor verkompliziert und ggf. verzögert. Zusätzliche Komplikationen ergeben sich durch Richtlinien von Vertriebs-, aber auch Video- und Streaming-Plattformen, die teilweise noch nicht mit offiziellen Regelungen auf die neue Gesetzeslage in Deutschland reagiert haben.

Wir haben keine Bedenken, dass wir mit Partisans die Sozialadäquanz erfüllen könnten, aber eine Sicherheit, dass es zu keiner Beanstandung kommt, gibt es nicht. Daher haben wir uns entschieden, keine verfassungsfeindlichen Symbole darzustellen. Viel wichtiger finde ich ohnehin die Botschaft, dass 75 Jahre nach dem Krieg ein russischer Entwickler mit einem deutschen Publisher gemeinsam ein Spiel entwickelt, das diesen ehemaligen Konflikt und ein düsteres Kapitel der Geschichte behandelt.«

Darum geht's in der Story

Als Kommandant Sorin entkommen wir zu Beginn des Spiels nur knapp der Exekution und werden daraufhin der Anführer einer bunt zusammengewürfelten Gruppe sowjetischer Partisanen, die Angriffe und Sabotage-Missionen auf deutsche Nachschublinien plant. Jede Figur verfügt über einen Talentbaum mit einzigartigen Fähigkeiten.

Für erfolgreich erledigte Missionen erhalten die Figuren Erfahrungspunkte, die wir in ihren individuellen Skilltrees gegen neue Fähigkeiten und verbesserte Eigenschaften eintauschen. Für erfolgreich erledigte Missionen erhalten die Figuren Erfahrungspunkte, die wir in ihren individuellen Skilltrees gegen neue Fähigkeiten und verbesserte Eigenschaften eintauschen.

Kommandant Sorin kann beispielsweise leise und tödliche Angriffe mit seinem Wurfmesser durchführen. Der erst 14 Jahre alte Sanjok - der sich uns direkt zu Beginn anschließt - darf als Zivilist getarnt durch die Reihen der Hilfspolizisten laufen. Damit ist er die perfekte Aufklärungseinheit und ein nützlicher Fallenleger. Andere Kameraden können Betäubungsmittel einsetzen, Minen entschärfen oder aus großer Weite mit dem Scharfschützengewehr Feinde ausschalten.

Diese große Auswahl an Talenten wird ergänzt durch eine Reihe von allgemeinen Verbesserungen wie schnelleres Nachladen, mehr Schutz in Deckung oder leiseres Schleichen. Wen von den insgesamt acht Partisanen wir auf die jeweiligen Missionen schicken, bleibt uns überlassen, jedoch müssen wir uns auf drei Streiter begrenzen. Oft treffen wir im Verlauf einer Mission auf neue Partisanen die sich uns anschließen, so dass wir zeitweise bis zu vier Figuren parallel über die Karte bewegen.

Viele Lösungswege

Die Auftragsgebiete sind offen gestaltet und bieten viele Lösungswege, vor allem durch die freie Wahl der mitgebrachten Kämpfer. Im Vergleich zu ähnlichen Taktikspielen ist Partisans 1941 deutlich offensiver angelegt. Feuergefechte mit den Soldaten sind keine Seltenheit, jedoch empfiehlt es sich, die große Übermacht vor dem ersten Schuss deutlich zu dezimieren.

Als Partisanen arbeiten wir meist aus dem Verborgenen. Langsam anschleichen und aus dem Hinterhalt angreifen ist oft die beste Taktik. Als Partisanen arbeiten wir meist aus dem Verborgenen. Langsam anschleichen und aus dem Hinterhalt angreifen ist oft die beste Taktik.

Dazu beobachten wir aus der Tarnung heraus die Laufwege, überprüfen die Sichtkegel und schalten möglichst ungesehen einen Besatzer nach dem anderen aus. Teilweise können wir Objekte wie einen Stapel mit Baumstämmen oder einen Laster auf einer Rampe als tödliche Instrumente missbrauchen. Falls nicht, spannen wir vor dem ersten Schuss einfach eine explosive Stolperfalle auf und locken Feinde mit einem leckeren Schnaps in unseren Hinterhalt.

Besonders wichtig ist es dabei, die eigenen Einheiten vorher strategisch gut zu positionieren, denn jede Waffenart - von Pistolen über Maschinengewehre bis hin zur Schrotflinte - hat eine ideale Reichweite. Da Munition extrem rar ist, sollten die Schusswechsel so kurz und effektiv wie möglich sein, sonst liegen die Partisanen schnell mit leeren Magazinen in Deckung, ohne Schaden gemacht zu haben. Nach einem Gefecht sammeln wir neue Munition in Kisten und beim Plündern der Leichen auf. Nervig dabei ist das umständliche Inventar-Management. Die unterschiedlichen Munitionsarten müssen wir händisch hin und her verteilen.

Scheitert ein Plan, hilft das schnelle Neuladen, wie für das Genre üblich. Quicksave, Ausprobieren und Lernen durch Scheitern sind Teil des Spielkonzepts. Zusätzlich können wir in hektischen Situationen jederzeit in den Slowdown-Modus wechseln. Der erlaubt es uns, allen Einheiten parallel je einen Befehl zu geben, der dann beim Beenden dieser Ansicht ausgeführt wird. Besonders in den hitzigen Anfangsphasen eines Feuergefechts ist das perfekte Timing der Granaten oder ein gezielter Schuss mit der Scharfschützin kriegsentscheidend.

Im Taktik-Modus verlangsamt sich die Zeit, so dass wir allen Charakteren in Ruhe parallel Befehle zuweisen können, die diese dann auf Tastendruck ausführen. Im Taktik-Modus verlangsamt sich die Zeit, so dass wir allen Charakteren in Ruhe parallel Befehle zuweisen können, die diese dann auf Tastendruck ausführen.

Ruhephasen im Lager

Zwischen den insgesamt 15 Story-Missionen bauen wir unser im Wald verstecktes Lager aus, verbessern Waffen und stellen Munition her. Erst wenn wir zum Beispiel die Werkstatt haben, können wir zwischen den Missionen neue Verbandskästen herstellen oder Sprengsätze aus gefundenen Rohstoffen bauen. In dieser Phase gilt es alltägliche Probleme wie Essensrationen oder die Moral der Truppe im Blick zu behalten.

Wir entsenden Leute auf Pilzsuche, um die Vorräte aufzustocken, heilen schwere Wunden im Lazarett oder helfen der umliegenden Bevölkerung. Die Figuren erledigen diese Aufgaben von allein und melden sich am nächsten Tag zurück. Kniffligere Aufgaben wie Propaganda-Operationen oder Rettungsmissionen müssen von mehreren Partisanen übernommen werden und können auch scheitern. So vergehen zwischen den Hauptmissionen jeweils einige Tage, an denen wir nur Befehle geben. Nach jeweils drei bis vier Runden (= Tagen) geht es dann auf zur nächsten Mission.

Welche Charaktere wir aussenden, steht uns frei. Stellenweise sind aus Story-Gründen aber bestimmte Figuren bereits vorausgewählt. Welche Charaktere wir aussenden, steht uns frei. Stellenweise sind aus Story-Gründen aber bestimmte Figuren bereits vorausgewählt.

Statische Erzählung

Partisans 1941 bietet weder technisch noch spielerisch die Qualität, wie sie aktuell bei Desperados 3 zu sehen ist. Die Grafik wirkt oft sehr verwaschen und detailarm, die Szenerie bietet wenig Abwechslung. Die meiste Zeit der insgesamt rund 30 Stunden umfassenden Kampagne schleichen wir durch monotone braungrüne Wälder und Dörfer. Erst in den späteren Missionen sind wir auch mal nachts unterwegs und versuchen etwa, eine Brücke zu sprengen oder ein schwer bewachtes Lager der Nazis im Schnee zu infiltrieren.

Die Storysegmente im Lager vor Beginn einer Mission bestehen nur aus Textboxen, werden aber von guten Synchronsprechern in Russisch oder Englisch vorgetragen. Dennoch bleiben sie durch die fehlende Inszenierung statisch und unpersönlich. Auch innerhalb der Missionen ist die Erzählung steif und bietet nur kleine Szenen, bei denen die Kamera mal ein Gespräch eines deutschen Offiziers mit Gefangenen zeigt oder auf neue Missionsziele hinweist. Durch die freie Auswahl an mitgebrachten Charakteren bleiben die Figuren das ganze Spiel über sehr oberflächlich. Eine glaubhafte Beziehung der Figuren untereinander entsteht nicht.

Trotzdem: Partisans 1941 ist ein solides Taktikspiel für alle, die sich dringend ein neues Commandos wünschen, der Perspektivenwechsel auf die russische Seite ist erfrischend. Schließlich kann nicht jeder mit dem Japanszenario von Shadow Tactics oder den Cowboys aus Desperados 3 etwas anfangen. Abwechlsungsreich ist auch der etwas offensivere Spielstil im Vergleich zu den oft behäbigeren Genre-Kollegen. Der hohe Wiederspielwert und die große taktische Freiheit in der zweiten Hälfte dank der unterschiedlichen Charakter-Eigenschaften sollte Genrefans für einige Zeit gut beschäftigen.

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