Update vom 19. Mai 2026: Dieser Text erschien bereits am 17. März 2026 auf GameStar.de. Da Sonys Strategiewechsel im Hinblick auf Singleplayer-Spiele nun offiziell bekannt gegeben wurde, haben wir ihn in aktualisierter Form noch einmal veröffentlicht.
Das Leben hätte so schön sein können. Als alter Japan-Fan hatte ich mich bereits mächtig auf den PC-Port zu Sonys letztem Japan-Abenteuer Ghost of Yotei für die PS5 gefreut. Der Port zum Vorgänger Ghost of Tsushima hob das Spiel dank Frame Generation und anderer technischer Nettigkeiten schließlich noch einmal auf ein ganz neues Level. Wie schön hätte da erst Yotei am Rechner sein können.
Doch dieser Traum ist jetzt vorbei. Sony schmeißt laut Leaker-Infos die bereits fast fertige PC-Version des Spiels auf den Müll und vollzieht einen radikalen Strategiewechsel: Künftig sollen keine Singleplayer-Spiele des japanischen Konzerns mehr von der Konsole auf den PC wandern. Das hat das PlayStation-Management jetzt auch der Belegschaft verkündet. Dabei hatte Sony das Tempo seiner PC-Veröffentlichungen gerade erst deutlich angezogen.
Ich halte den Strategiewechsel für einen Fehler. Denn damit entgehen uns als Spielern nicht nur jede Menge gute Singleplayer-Titel wie ein neues Horizon oder God of War, auch finanziell könnte sich Sony damit verkalkuliert haben.
Was soll das überhaupt?
Doch warum geht Sony diesen Schritt überhaupt? Denn eigentlich hatte das japanische Unternehmen erst vor wenigen Jahren damit begonnen, seine Titel nach und nach auch auf den PC zu bringen und den Veröffentlichungsrhythmus dafür in letzter Zeit sogar beschleunigt. Was soll also die plötzliche Kehrtwende?
Der amerikanische Journalist und Branchen-Insider Jason Schreier erklärte kürzlich in einem Podcast, Sony halte die Umsätze seiner Spiele auf dem PC schlichtweg für nicht signifikant genug, als dass sich die Ports für das japanische Unternehmen wirklich lohnen würden. Die Spiele verkauften sich auf der hauseigenen Konsole deutlich besser als auf dem PC.
Allerdings dürfte für die PlayStation-Bosse deutlich mehr dahinterstecken als nur betriebswirtschaftliche Überlegungen. Denn aus meiner Sicht hat Sony nie wirklich versucht, den maximalen Gewinn aus seinen PlayStation-Exclusives zu ziehen - sonst hätten sie die Spiele nicht mit Zeitversatz, sondern gleichzeitig auf dem PC veröffentlicht. Viele Spieler warten teils jahrelang auf diese Titel, weil sie sie eben nicht auf der Konsole spielen wollen.
11:57
Ghost of Tsushima - Test-Video zur PC-Version des Open-World-Hits
Der nächste Konsolenkrieg steht bevor
Vielmehr dürfte es Sony im Falle der Exklusivspiele nun darum gehen, die eigene Marke zu verteidigen. Denn Konkurrent Xbox hat bereits bestätigt, bei der nächsten Konsolengeneration den Schritt hin zu einer Verschmelzung mit dem Windows-PC zu gehen.
PC-Spiele könnten dadurch auch auf der Xbox spielbar werden - und damit auch PlayStation-Ports. Das dürfte Sony um jeden Preis zu verhindern suchen. Eigentlich absurd - hat PlayStation den Konsolenkrieg doch eindeutig für sich entschieden.
Sony dürfte allerdings noch einen weiteren Gegner im Visier haben, der in den nächsten Jahren voraussichtlich noch deutlich mächtiger wird: Steam-Betreiber Valve drängt mit seiner kommenden Steam Machine auch in die Wohnzimmer seiner Kunden - und damit auf den traditionellen Konsolenmarkt.
Schon jetzt hat Steam sowohl den größten Spielekatalog als auch mit rund 147 Millionen monatlich aktiven Nutzern die größte Nutzerbasis aller Spieleplattformen. Dazu kommen regelmäßige Sales und Gratis-Multiplayer.Die Steam Machine könnte für PlayStation somit zum echten Problem werden.
Kein Wunder also, dass Sony seine Spiele von Steam fernhalten will und wieder auf Exklusivtitel setzt, die ihr nur spielen könnt, wenn ihr euch auch eine PlayStation kauft. Insofern ist es vielleicht gar nicht zu weit hergeholt zu behaupten, der nächste Konsolenkrieg steht uns zwischen Sony und Valve bevor.
Ihr sollt euch eine PlayStation kaufen!
Mit der Marktmacht von Steam auf dem PC hat Sony bereits jetzt ein Problem, denn in die Profitüberlegungen der PlayStation-Bosse dürfte auch hineinspielen, dass sie auf Steam für jeden Verkauf eine saftige Provision von mindestens 20 Prozent abgeben müssen.
Verkauft sich ein Titel mehrere Millionen Mal, kommt so eine hübsche Stange Geld zusammen, die Sony »verliert«. Kauft ihr dagegen nur bei Sony - und damit Konsole und Spiele aus einer Hand -, kann Sony den gesamten Verkaufswert abschöpfen. Es dürfte den Japanern also auch darum gehen, jetzt schon die Weichen zu stellen, damit sich ihre nächste Konsolengeneration gut verkauft.
Ein Verlustgeschäft dürfte die Listung der PlayStation-Titel im Steam-Shop für Sony aber nicht sein. Selbst mit den Provisionen, die Sony an Valve abgibt, nehmen die PlayStation-Macher auf Steam Hunderte Millionen ein. Allein Helldivers 2 hat sich auf Steam bislang über 13 Millionen Mal verkauft und dürfte Sony damit trotz Provision mindestens 350 Millionen Euro eingebracht haben.
Genaue Verkaufszahlen veröffentlicht Sony zwar nicht, aber auch das bestverkaufte Singleplayer-Spiel des Publishers, God of War, hat auf Steam mindestens 5 Millionen Exemplare abgesetzt und dürfte Sony damit über 150 Millionen Euro in die Taschen gespült haben. Betriebswirtschaftlich ist dieser Schachzug also vermutlich weniger sinnvoll; Sony will hier wohl schlicht und ergreifend sein eigenes Ökosystem abstecken und verzichtet dafür freiwillig auf PC-Einnahmen.
Ein riskanter Schachzug. Denn dem jüngsten Report der Marktforscher von Newzoo zufolge soll der PC-Markt in den kommenden Jahren vor allem dank Steam noch deutlich wachsen und die Konsolen sogar wieder überholen. Gut möglich also, Sony hier aufs falsche Pferd setzt, sollte sich die nächste PlayStation nicht so verkaufen, wie erwartet.
23:59
Der Konsolenkrieg ist vorbei. Wir haben verloren.
Satz mit X, das war wohl Nix(xes)
Ganz konkret sind von dieser Entscheidung auch Arbeitsplätze bedroht. Es würde mich nämlich nicht wundern, wenn demnächst die ersten Stellen bei Sonys hauseigenem Port-Studio Nixxes abgebaut werden. Denn wozu braucht man ein solches Studio, wenn man gar nicht mehr vorhat, irgendetwas zu portieren? Sony könnte den Laden also über kurz oder lang dichtmachen, wie sie es vor wenigen Wochen bereits bei ihrem Remaster-Studio Bluepoint Games getan haben.
Das wäre bedauernswert, denn das Team bei Nixxes ist ein Meister seines Faches. Die PC-Portierungen von Ghost of Tsushima, Ratchet & Clank: Rift Apart oder Marvel’s Spider-Man hoben die Grundspiele auf ein technisch neues Level und tragen die Handschrift von Menschen, die ihre Arbeit verstehen. Solch ein Studio zu schließen hieße, eine Menge Know-how einfach aufzugeben.
Sollte Sony in Zukunft doch noch einmal ein Spiel portieren, ist davon auszugehen, dass dieser Port von einem unerfahrenen externen Team übernommen wird und qualitativ deutlich schlechter ausfällt, als wir es bisher gewohnt sind. Und wer weiß, vielleicht erkennt Sony seinen strategischen Fehler ja in ein paar Jahren und rudert doch wieder längerfristig zum PC zurück ... Dann müsste man sich ein neues Port-Studio aber erstmal mühsam wieder aufbauen.
Es spricht also einiges dagegen, die PlayStation-Titel vom PC abzuziehen. Denn das Nachsehen bei der erneuten Spaltung des Spielemarktes haben nicht nur wir PC-Spieler. Auch den Entwicklern geht dadurch ein Teil der potenziellen Zielgruppe verloren.
Mich persönlich ärgert aber am meisten, dass mir in Zukunft einige echte Story-Schwergewichte durch die Lappen gehen. Mit Ghost of Tsushima, The Last of Us oder God of War hat Sony in den vergangenen Jahren in puncto Singleplayer-Spiele einige wirklich dicke Bretter gebohrt. Viele von uns haben diese Spiele nur zu gerne auf dem heimischen Rechner genossen.
Obwohl ich einige der Titel bereits zuvor auf der Konsole gespielt hatte, habe ich mir Horizon und Tsushima später sogar noch einmal für den PC gekauft, um sie technisch verbessert erneut genießen zu können. Doch ein neues Horizon oder God of War ist uns auf dem PC in Zukunft wohl nicht mehr vergönnt. Doch ob ich mir bei den aktuellen Hardware-Preisen eine Konsole der nächsten Generation kaufen werde, wage ich stark zu bezweifeln.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.