Physische Spiele-Disks sorgen momentan nicht nur bei GTA 6 für Diskussionen. Auch Sony wird aktuell scharf kritisiert, nachdem das Unternehmen den Plan vorgestellt hat, ab 2028 Spiele für die PlayStation nur noch digital zu vertreiben.
Das zieht nun sogar eine Klage über fast eine halbe Milliarde nach sich, ausgeführt von der niederländischen Verbraucherschutzorganisation Stichting Massaschade & Consument (via Fortune). Die Vereinigung vertritt insgesamt 1,7 Millionen PlayStation-Nutzer in Holland und argumentiert, dass die 30 Prozent, die Sony anteilig bei Verkäufen im PlayStation Store enthält, dem Markt ohne physische Disks schaden werden.
Denn wenn es keinen gesunden Wettbewerb zwischen anderen Händlern mehr geben kann, soll so gewissermaßen ein digitales Monopol entstehen, das auch die Spieler vom Weiterverkauf oder dem Erwerben günstiger Gebrauchtspiele ausschließt.
Erschafft Sony so ein Monopol für (digitale) PlayStation-Spiele?
Ersteres könnte sich sogar für Sony selbst als Problem erweisen, denn der Publisher schneidet sich so ein wenig ins eigene Fleisch. Das Magazin Fortune hat mit dem Wirtschaftswissenschaftler Andrew Ching gesprochen, der die Situation ebenfalls kritisch bewertet. Der Experte gibt an, dass Sony bislang stets so gegen kartellrechtliche Vorwürfe argumentiert hat, dass es genügend Wettbewerb gibt. Das Unternehmen hat sich dabei konkret auf den physischen Spielehandel bezogen.
Fällt dieser Vertriebsweg jetzt weg, kann Sony nicht mehr so einfach behaupten, es handle sich beim PlayStation Store um kein Monopol. Wird das nun nach den Änderungen festgestellt, könnte Sony rechtlich dazu verpflichtet werden, entweder seine Gebühren zu senken oder wieder alternative Vertriebswege zuzulassen - etwa über andere digitale Händler und Shops. Das ist auch das, was die Klage neben dem Schadensersatz fordert. Es werden also keine physischen Disks erzwungen
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Allerdings bedeutet auch diese Klage jetzt nicht automatisch, dass Sony kartellrechtlich belangt wird - auch ohne Disks nicht. Denn Sony kann immer noch argumentieren, dass die Spieler jederzeit zu einer anderen Plattform wie etwa zur Nintendo Switch oder Xbox Series wechseln könnten, weshalb es sich nicht um ein echtes Monopol handle.
Ob der Vorwurf nun berechtigt ist, ist also Auslegungssache. Theoretisch wäre Sony ohne physische Disks unausweichlich, wenn es um PlayStation-Spiele geht, weil das Unternehmen dann Verkauf und Preisgestaltung komplett kontrolliert. Das wäre dann ein Monopol. Das Gleiche gilt aber nicht, wenn man sich auf den Videospielmarkt insgesamt bezieht, weil die Spieler ja auf andere Plattformen ausweichen können.
Die Spieler wollen digital
, aber auch Sony profitiert
Begründet hat Sony den Schritt weg von der physischen Disk übrigens damit, dass die meisten Spieler und Spielerinnen sie schlichtweg nicht mehr kaufen. Über 80 Prozent der Spiele-Käufe für die PlayStation sollen bereits digital ablaufen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass damit immer noch fast 20 Prozent der Spiele als physische Box über die Ladentheke gehen.
Ching ergänzt hier ebenfalls, dass auch die emotionale Komponente für viele eine Rolle spielt. Selbst Spieler, die keine Gebrauchtspiele kaufen oder verkaufen, werden hier einer Möglichkeit beraubt, die sie vorher theoretisch gehabt hätten. Das macht die Empörung nachvollziehbar, auch wenn die reinen Zahlen ein anderes Bild zeichnen.
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Hinzu kommt, dass Sony auch massiv von der Änderung profitieren würde, weil viele Kosten eingespart werden, wenn keine Disks mehr produziert werden müssen. Und wie bereits weiter oben erwähnt, dürfte es das Unternehmen auch freuen, dass kein Weiterverkaufen von Gebrauchtspielen mehr möglich sein würde. Um einen selbstlosen Schritt den Spielern zuliebe handelt es sich also sicher nicht.
Laut Ching könnte Xbox die Chance nutzen und gegenüber den Spielern bekräftigen, dass man weiterhin auf physische Disks setzen werde - was wiederum den einen oder die andere zum Wechseln bewegen könnten. Allerdings ist fraglich, wie realistisch dieser Schritt gerade ist mit allen Entlassungen und Änderungen bei Microsoft. Alles Wichtige dazu lest ihr in der Link-Box gleich hier unten. Alternativ bietet auch unser Video zur Thematik einen guten Überblick.
Nichts gehört uns mehr
: Die Reddit-Community macht ihrem Ärger Luft
Ironischerweise hat Sony vor über 10 Jahren genau diesen Schritt gemacht und sich für physische Disks ausgesprochen, während die Konkurrenz exklusiv auf digitalen Vertrieb setzen wollte. Nun steht das Unternehmen genau dafür in der Kritik. Die Spieler machen ihrem Ärger unter anderem auf Reddit Luft, wo etwa dieser Post über 30.000 Upvotes und knapp unter 1.700 Kommentare gesammelt hat.
Link zum Reddit-Inhalt
Viele gehen auf die (möglichen) rechtlichen Konsequenzen ein oder betonen, wie spielerfeindlich das Konzept ist. Andere bringen aber auch emotionale Beispiele, die in den Rechnungen kaum zur Geltung kommen - etwa, das Gefühl, eine physische Version von Skyrim unter dem Weihnachtsbaum zu finden oder wie es Kindern ohne schnelles Internet in Zukunft gehen soll, die vielleicht Spiele aus der lokalen Bücherei leihen.
Andere spinnen den Gedanken noch weiter und fragen sich, ob wir irgendwann an den Punkt kommen, dass Spiele wie kürzlich viele Filme und Serien im PlayStation Store einfach ohne Vorwarnung wieder aus unseren digitalen Bibliotheken entfernt werden.
Wie steht ihr dazu, kauft ihr gerne physische Disks - neu oder gebraucht - um Spiele wirklich zu besitzen oder seid ihr bereits primär auf digitale Versionen umgestiegen? Schreibt es uns in die Kommentare!
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