Als GameStars nördlichster Redakteur war es für mich Ehrensache, dass ich mir die Polaris, die sogenannte Convention des Nordens
, mal genauer anschaue. Dabei hätten die Umstände kaum schlechter sein können. Mein Auto sprang nicht an, im Zug von Flensburg nach Hamburg haben sich zwei Erwachsene beinahe vor mir geprügelt und zu allem Überfluss hatte ich mir vorher auch noch den Magen verdorben.
Zum Zeitpunkt meiner Ankunft hätte ich also kaum genervter sein können. Und dieser ganze Aufwand dann auch noch für eine Messe mit einem Schwerpunkt auf asiatischer Popkultur und Anime? Damit wurde ich doch nie so ganz warm.
Versteht mich nicht falsch, ich hatte wirklich Lust auf die Polaris. Aber hätte ich die Umstände vorher erahnen können, wäre ich vermutlich zu Hause geblieben. Zum Glück war dem nicht so, denn im Nachhinein kann ich sagen: Die Reise hat sich wirklich gelohnt!
Ein wenig von allem
Es begann mit Shopping: Mein Abenteuer auf der Polaris begann in der Neo-Taki-Area. In dieser ging es vor allem um eines: Shopping. Es gab Merchandise zu zahlreichen Videospielen und Anime, Artikel zu japanischer Popkultur, Manga, Sprachbücher, Ausrüstung für Cosplay und sogar mehrere Tattoo-Studios!
Der für mich coolste Stehplatz war der Stand von Blood'n Brain
. Dort habe ich mich ausführlich mit Florian Möller, dem Chef des Unternehmens, unterhalten, der mir von den Vor- und Nachteilen des Selbstverlages für sein Horror-Kartenspiel Totenstadt
sowie der Zusammenarbeit mit anderen Spieleentwicklern erzählt hat.
Ganz viel Cosplay gab's auch zu bestaunen: Die Valdhaym-Area war besonders interessant für alle, die ihre liebsten Creator oder Shows erleben wollten. Außerdem gab es dort wohl einen Cosplay-Bereich. Der ist im Eifer des Gefechts leider etwas an mir vorbeigegangen.
Das war aber überhaupt nicht schlimm, denn egal, wo ich auf der Messe hingeschaut habe, waren coole Cosplays zu sehen - mal aufwendiger, mal dezenter. Meine beiden Highlights aus den jeweiligen Extremen waren ein gigantischer Space Marine sowie ein Paar, das als ihre eigenen Sims-Charaktere unterwegs war - wie cool ist das?!
Große Shows, gutes Essen und alte Spiele - ich bin glücklich
Unterhaltung auf der großen Bühne: Sehr beeindruckend fand ich die Main-Stage im Cyber-Dome, in der ich mir die Live-Show der beiden Streamer Filow und Henke angesehen habe.
Dort konnte ich etwas Kraft tanken und den gewohnt bissigen Content-Creators dabei zusehen, wie sie über mehr oder minder wichtige Fragen aus dem Publikum diskutieren. Da gab es doch tatsächlich Leute, die Pizza nicht mögen... Das erscheint mir so verrückt, da klingt die Ananas-Frage fast schon diskutabel.
Neue und alte Videospiele: In der Sandbox-Area gab es schließlich eine kleine Indie-Arena sowie Stände von Capcom, Nintendo und mehr. Dort konnte ich aktuelle und kommende Spiele austesten. Dieser Bereich hat mich sehr an die gamescom erinnert, war jedoch durch den Größenunterschied deutlich entspannter weil viel kleiner.
Auf dem Retro-Flohmarkt im ersten Stock habe ich schließlich mein hart erarbeitetes GameStar-Honorar wie durch Zauberhand in viele tolle PlayStation-Spiele umgewandelt.
4:55
The Walking Dead: Survival Instinct - Test-Video zur Zombie-Lizenzgurke
Falls ihr ab sofort nichts mehr von mir hören solltet, wurde ich vermutlich von GameStar-Redakteur Sören des Schreibtisches verwiesen. Der mag es nämlich gar nicht, dass ich schon wieder ein anderes Spiel dem neuesten Zelda-Ableger vorgezogen habe (Stimmt! Anm. d. Gegenlesers …) - und dann auch noch die Horror-Gurke The Walking Dead: Survival Instinct.
Der krönende Abschluss war dann ein vorzügliches Rickymainia-Crêpe mit Apfelmus auf dem Munchi Markt, dessen Fertigung sogar live auf Twitch verfolgt werden konnte. Mehr war bei meinem angeschlagenen Magen leider nicht drin.
Mein Fazit: Es war nicht meine letzte Polaris!
Obwohl Anime und asiatische Popkultur, mit einigen Ausnahmen, bei mir nie auf große Begeisterung stoßen konnten, habe ich der Polaris viel abgewinnen können. Das liegt vor allem daran, dass die Messe mit Gaming, Cosplay und jeder Menge unterschiedlicher Live-Events angenehm viele Themen abdeckt. Ein weiterer Grund ist die positive Atmosphäre der gesamten Veranstaltung.
Mir ist schnell aufgefallen, dass die Messe zwar voll war, im Vergleich zur gamescom in Köln jedoch deutlich entspannter und weniger eng. Und das zeigte sich auch bei den Besuchern. Diese hatten meiner Auffassung nach nämlich größtenteils richtig gute Laune. Und auch ich hatte dadurch die Lust, mir sogar Stände genauer anzuschauen, die ich ansonsten einfach ignoriert hätte.
Insgesamt war ich etwas über vier Stunden auf der Messe. Etwa eine davon habe ich mir Live-Shows angesehen. Die Atmosphäre stimmte und ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass ich mich doch so sehr für Anime und Cosplay begeistern kann. In der Gaming-Area habe ich mich selbstverständlich wie Zuhause gefühlt, auch wenn diese eher klein ausgefallen ist.
Leider gibt es auch einen gewaltigen Wermutstropfen: Mit 39 Euro für ein Tagesticket ist der Eintritt wahrlich kein Schnapper. Wer sich weder für Cosplay noch für Anime interessiert, sollte sich also wirklich gut überlegen, ob der Besuch das Geld wert ist - oder es wie ich einfach drauf ankommen lassen.
Ich werde 2025 auf jeden Fall erneut vorbeischauen und versuche, bis dahin einen Anime zu schauen, der weder auf RTL2 lief noch in Zusammenhang mit Junji Ito steht.
The Walking Dead: Survival Instinct ist nicht das einzige Spiel, das ich mir auf dem Retro-Flohmarkt der Polaris 2024 gekauft habe. Außerdem in meine Horror-Sammlung geschafft haben es Silent Hill 4: The Room und The Suffering: Ties that Bind. Und für meinen Urlaub habe ich mir dann noch Yu-Gi-Oh GX: Tag Force Evolution besorgt, das ich eigentlich schon seit Jahren mal nachholen wollte. Sören, es tut mir leid! (Darüber reden wir noch! Anm. d. Gegenlesers)
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