Jetzt mit Plus alles auf einer Seite lesen

Jahres-Abo
4,99€

pro Monat

12 Monate

Günstigster Preis
Zugang zu allen exklusiven Artikeln, Videos & Podcast-Folgen
Werbefreiheit auf GameStar.de & GamePro.de
Auf geht's
Quartals-Abo
5,99€

pro Monat

3 Monate

14% gegenüber Flexi-Abo sparen
Zugang zu allen exklusiven Artikeln, Videos & Podcast-Folgen
Werbefreiheit auf GameStar.de & GamePro.de
Auf geht's
Flexi-Abo
6,99€

pro Monat

1 Monat

Monatlich kündbar
Zugang zu allen exklusiven Artikeln, Videos & Podcast-Folgen
Werbefreiheit auf GameStar.de & GamePro.de
Auf geht's

Inhaltsverzeichnis
1
2

Six Days in Fallujah: Das macht den Irak-Shooter so heikel

Ein Shooter soll die blutigste Schlacht des Zweiten Irakkriegs nachstellen. Eine spannende Idee, deren Ausführung allerdings Historiker wie Iraker kritisieren.

von Dom Schott,
04.03.2021 05:00 Uhr

Der Militär-Shooter Six Days in Fallujah birgt politischen Sprengstoff. Wie glaubwürdig kann ein Spiel Kriegsverbrechen nacherzählen? Und sollte es das überhaupt? Der Militär-Shooter Six Days in Fallujah birgt politischen Sprengstoff. Wie glaubwürdig kann ein Spiel Kriegsverbrechen nacherzählen? Und sollte es das überhaupt?

Im Dezember 2004 stürmten US-amerikanische und britische Truppen die irakische Stadt Fallujah. Es war der Auftakt des einmonatigen Häuserkampfes gegen die lokalen Widerstandstruppen, der als die blutigste Schlacht des Zweiten Irakkrieges erinnert werden sollte: In etwas mehr als 30 Tagen verloren über 1.800 Menschen ihr Leben, darunter 800 Zivilisten und mehr als 100 US-Soldaten.

Fünf Jahre nach der Schlacht kündigten Publisher Konami und das texanische Entwicklerteam Atomic Games Six Days in Fallujah an: Ein Spiel, das den brutalen Häuserkampf in der irakischen Stadt als ultra-realistischen Shooter inszenieren sollte. »Unser Ziel ist es, den Menschen zumindest ein wenig verständlicher zu machen, wie es ist, ein US-Soldat in einem modernen Krieg zu sein.« So beschreibt Entwicklungschef Peter Tomte einem Kamerateam des Nachrichtensender ABC News die Idee seines Spiels.

Das Interview wird Tage später Teil eines Fernsehbeitrags mit dem Titel »Grausames Fallujah-Spiel geht zu weit« landesweit ausgestrahlt - eine Umschreibung, die den Nerv der amerikanischen Öffentlichkeit trifft. Denn vor allem für die Angehörigen von US-Veteranen und Kriegsverwundeten geht Six Days in Fallujah in der Tat zu weit.

Link zum YouTube-Inhalt

Es kommt zu einem öffentlichen Aufschrei, der das Spiel als geschmacklos anprangert und die Einstellung der Entwicklung aus Respekt vor den Kriegsversehrten fordert. Und der Protest wirkt: Konami stampft im April 2009 das Projekt ein, Entwicklerteam Atomic Games geht zwei Jahre später bankrott.

Eigentlich sollte hier die Geschichte von Six Days in Fallujah enden. Doch dann die große Überraschung im Februar 2021, rund 13 Jahre nach der ersten Ankündigung: Das Spiel soll nun doch erscheinen, überarbeitet vom Entwicklerteam Highwire Games, bei dem ehemalige Halo- und Destiny-Entwickler mitmischen. Ein Trailer zeigt, worauf sich Spieler einstellen können: Abermals stehen die Häuserkämpfe in der irakischen Stadt im Vordergrund, kommentiert und nacherzählt von US-Veteranen, die mit schwerem Blick zur Kamera sprechen.

Aber ist das wirklich eine gute Neuigkeit? Oder hätte ein Spiel, das eine der blutigsten Schlacht der jüngeren Kriegsgeschichte als Shooter inszeniert, lieber in der Versenkung bleiben sollen? Um darauf Antworten zu finden, sprach GameStar mit einem Historiker und zwei Irakern, die selbst die Folgen des Krieges zu spüren bekamen. Ihre Perspektiven auf das Spiel zeigen, warum die Wiederbelebung von Six Days in Fallujah zumindest kritisch gesehen werden muss.

Im neuen Reveal-Trailer von Six Days in Fallujah wird der Spieler direkt angesprochen: Er kämpft Seite an Seite mit den (digitalen) US-Soldaten in brutalen Häuserkämpfen. Action, Action, Action! Im neuen Reveal-Trailer von Six Days in Fallujah wird der Spieler direkt angesprochen: Er kämpft Seite an Seite mit den (digitalen) US-Soldaten in brutalen Häuserkämpfen. Action, Action, Action!

Ein Kriegsspiel ohne Kontext

Dr. Nico Holden ist Historiker und verfolgt aufmerksam die Entwicklungen rund um Six Days of Fallujah. Er blickt der Rückkehr des Shooters vor allem wegen einer Entscheidung des Entwicklerteams skeptisch entgegen - nämlich sich ganz auf die Häuserkämpfe in der Stadt zu konzentrieren, die aus der Sicht der US-Soldaten beschrieben wurden: