Ich bin 26 Jahre alt, aber beim Schauen von Skeleton Crew fühle ich mich wie ein Kind. Mit großen Augen will ich jedes Detail der Piratenbasis auf Port Borgo in mich aufsaugen. Mit kindlicher Neugier frage ich mich, zu welchem unbekannten Ort der Galaxis mich wohl die nächste Folge führt.
Der Trick von Skeleton Crew ist dabei so simpel wie effizient: Es setzt auf die gleichen Motive und Elemente, die schon Episode 4 bis 6 zu legendären Filmen gemacht haben.
Das Gefühl von Abenteuer
Ich kann durchaus verstehen, dass die kindlichen Helden zunächst irritieren. Aber hey, bei Harry Potter stört es auch niemanden, und Luke Skywalker war in Episode 4 ebenfalls nur zarte 19 Jahre alt, lebte noch bei seinen Pflegeeltern und kannte nichts anderes als den heimischen Hof auf Tatooine und die nähere Umgebung.
Aber es war eben genau diese jugendliche Naivität und die Lust aufs Abenteuer, die mich so mitfiebern ließen. Luke verließ zum ersten Mal Tatooine, und ich war bei ihm.
Genau dieses Gefühl transportiert auch Skeleton Crew. Die Kids haben nicht den Hauch einer Ahnung, in was sie da geraten sind. Und mir geht es genauso. Gemeinsam mit ihnen entdecke ich neue Orte, die ich noch nie gesehen habe. Gemeinsam mit ihnen stolpere ich von einer aberwitzigen Situation in die nächste und fiebere mit, wie sie sich aus dem Schlamassel befreien.
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Skeleton Crew: Der erste Trailer zur neuen Star-Wars-Serie ist da - und ganz anders als erwartet
Obi-Wan Kenobi, Boba Fett oder Mandalorianer Din Djarin kennen sich im Star-Wars-Universum naturgemäß deutlich besser aus als ich – kein Wunder also, dass sich ihre Abenteuer für mich immer auch ein bisschen nach Routine anfühlen.
Skeleton Crew lässt mich mein liebstes Universum mit Kinderaugen neu entdecken und das fühlt sich so viel mehr nach einem spannenden Abenteuer an als die drölfzigste Auseinandersetzung mit einer Schmugglerbande, die eh keine Chance gegen einen Superhelden hat, von dem ich weiß, dass er aus Lore-Gründen eh überleben muss.
Viel Nostalgie, aber keine Kopie
Skeleton Crew verzichtet also bewusst auf gewohnte Star-Wars-Charaktere und -Schauplätze, aber nicht auf gewohnte Motive. Dadurch schafft es bei mir den Spagat, sich gleichermaßen frisch und wohlig vertraut anzufühlen.
In nahezu jeder Folge finde ich etwas, das mich an die Original-Trilogie erinnert. Und das fängt schon in den ersten Minuten an. Die Kids graben auf ihrem Heimatplaneten etwas aus, das zwar verdächtig nach Raumschiff aussieht, aber jeden Moment zu Staub zerfallen könnte.
Luke hätte an der Stelle wohl geschockt gesagt: »Hilfe, die Mühle ist ja nur Schrott.« Immerhin war das seine erste Reaktion, als er Han Solos Millennium Falke in Episode 4 gesehen hat.
Wo ich gerade bei Han Solo bin: Jod Na Nawood - ein Pirat und Mentor der Kinder - erinnert mich stark an meinen Lieblings-Schmuggler. Der Charme, die selbstbewusste Ausstrahlung und die frechen Sprüche. Ich bin ziemlich sicher, dass Jod auf »Ich liebe dich« genauso lässig wie Han Solo mit »Ich weiß« antworten würde.
Eine gewisse Ähnlichkeit besteht schon und die geht über das Aussehen hinaus. Die beiden teilen nämlich nicht nur die Vorliebe für Hemden mit tiefem Ausschnitt.
Auch ein Droide, der immer wieder leiden muss, findet in Skeleton Crew seinen Platz. Den Job des jammernden C-3PO übernimmt der knallharte Piraten-Droide SM-33. Selbst seine Kampferfahrung kann ihn nicht vor dem einen oder anderen Missgeschick retten. Weshalb er mir genauso schnell ans Herz wächst wie seine legendären Droiden-Vorgänger.
Das liegt auch daran, dass die Szenen mit SM-33 oft humorvoll sind, aber nie albern. Für mich bis heute einer der wichtigsten Unterschiede von Episode 4 bis 6 zu den anderen Filmen der Hauptreihe.
Die nostalgischen Verbeugungen vor der Original-Trilogie machen Skeleton Crew aber nicht zu einer billigen Kopie, sondern verbinden bekannte Elemente mit einer völlig neuen Idee. Das Piraten-Motiv steht von Anfang bis Staffelende im Fokus. Und das hat es im Star-Wars-Universum so noch nicht gegeben.
Eine Serie wie eine Schmusedecke
Skeleton Crew bringt noch etwas anderes zurück, das ich in den meisten anderen modernen Star-Wars-Produktionen vermisse – ja, sogar im ansonsten unbestritten herausragenden Andor. Das lässt sich nur schwer analysieren, aber sehr wohl fühlen. Nach einer Folge Skeleton Crew hatte ich eigentlich immer ein Lächeln im Gesicht.
Nach einer Folge Andor fühlte ich mich dagegen oft, als hätte mich ein imperialer Sicherheitskonzern verschluckt, zerkaut und danach wieder ausgespuckt.
Skeleton Crew erzählt eine bewusst einfache Geschichte ohne doppelten Boden und großen Interpretationsspielraum. Dafür hüllt es mich in eine warme Decke aus Freundschaft und Zusammenhalt. Es geht nicht darum, eine Galaxie zu retten oder einen Krieg zu führen. Die Kinder wollen nur wieder nach Hause finden.
Trotz ihrer Angst wachsen sie durchgehend über sich hinaus. Und obwohl sie eigentlich permanent übers Ohr gehauen und ausgenutzt werden, verlieren sie nie den Glauben oder die Hoffnung. Oder wie Heldin Fern es formuliert: »Sogar an den schlimmsten Orten gab es auch gute Leute.«
Eine simple Botschaft, aber für mich einfach eine sehr schöne. Gerade in diesen Zeiten.
Lasst euch also nicht von den kindlichen Helden abhalten und probiert Skeleton Crew zumindest zwei Folgen lang aus (die erste Folge ist blöderweise die mit Abstand schwächste). Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass die Serie auch euer Herz erobern kann.
Okay, vielleicht nicht ganz uneigennützig, schließlich steigen mit jedem Abruf auch die Chancen auf eine zweite Staffel. Und über die würde ich mich einfach wahnsinnig freuen. Wie ein kleines Kind.
Seit dem 15. Januar 2025 könnt ihr euch die gesamte erste Staffel von Skeleton Crew auf Disney Plus im Abo anschauen. Wenn ihr euch die Serie schon angesehen habt und ihr in ein paar Theorien versinken möchtet, dann findet ihr im obigen Kasten passende Artikel dazu.
Die nächste Star-Wars-Serie ist mit Andor Staffel 2 auch nicht mehr fern. Die startet nämlich am 22. April 2025 auf Disney Plus.
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