Was gerade in Battlefront 2 abgeht, sollte allen ein Zeichen sein

Meinung: Star Wars: Battlefront 2 erreicht mit seiner Kostenlos-Aktion unglaubliche Download-Zahlen. Doch dahinter steckt mehr als nur die günstige Gelegenheit.

von Dimitry Halley,
26.01.2021 18:25 Uhr

Star Wars: Battlefront 2 erlebt gerade eine dritte Renaissance. Star Wars: Battlefront 2 erlebt gerade eine dritte Renaissance.

In meinen kühnsten Träumen hätte ich's nicht für möglich gehalten. Fast vier Jahre nach dem (katastrophalen) Release von Star Wars: Battlefront 2 platzt unsere abendliche Teamspeak-Runde aus allen Nähten, weil so viele Bekannte mit mir die Klonkriege gewinnen wollen. Alte Freunde aus meiner Heimat Trier, die sonst eher Call of Duty zocken. Leute aus der Redaktion, die das Spiel seit Jahren nicht angefasst haben. Kollegin Mary bringt sogar ihren Freund mit, ein anderer Kumpel seinen Nachbarn.

Wo ich sonst wie Gil aus den Simpsons meinem Umfeld kostenlose Waschmaschinen verspreche, damit sie Battlefront eine Chance geben, rinnt mir jetzt ein Schweißperlchen die Schläfe hinab, weil ich keine Ahnung habe, ob Battlefronts Gruppen-Feature überhaupt ein Dutzend Personen zulässt.

Und was da in meinem Bekanntenkreis abgeht, findet überall in der Gaming-Welt statt: Unglaubliche 19 Millionen Menschen haben sich Battlefront 2 während Epics Gratis-Aktion heruntergeladen. Nur auf dem PC. Zum Vergleich: Zum Launch 2017 verkaufte EA bloß sieben Millionen Exemplare. Auf allen Plattformen.

Dass Battlefront 2 plötzlich abgeht wie der Todesstern, hat natürlich einen offensichtlichen Grund: Für lau geht immer. Dass Kostenlos-Aktionen die Spielerzahlen ankurbeln, ist weiß Gott keine neue Erkenntnis. GTA 5 brachte damals die Server zum Einsturz, und in den Steam Charts lässt sich für diverse Spiele schon an der Spielerkurve leicht ablesen, wann Free Weekends stattfanden.

Doch ich behaupte: Hinter Battlefronts kometenhaftem Erfolg steckt noch mehr als das. Und dieses »mehr« zeichnet ein interessantes Bild vom aktuellen Zustand des Shooter-Genres, von Star Wars und der Konkurrenz.

Mehr zu Star Wars: Falls ihr mehr zum aktuellen Zustand von Star Wars und dessen Zukunft wissen wollt, dann kann ich euch wärmstens unseren frisch aufgenommenen Plus-Podcast zu Star Wars 2021 ans Herz legen.

Battlefront 2 hat sich perfekt in Position gebracht

Bringen wir den simpelsten Punkt gleich hinter uns: Star Wars: Battlefront 2 hat sich perfekt in Position gebracht, jetzt erfolgreich zu sein. Mittlerweile kennt selbst der letzte Jawa im Outer Rim die Comeback-Story des Spiels. Nach dem katastrophalen Lootbox-Launch hielt Entwickler Dice dem Spiel die Treue und brachte Update für Update kostenlose neue Inhalte, die es jetzt zu einem der besten Star-Wars-Spiele überhaupt machen. Und das ergibt so bizarre Situationen.

Auf die grandiosen Clone Commandos mussten Fans zwei Jahre warten. Auf die grandiosen Clone Commandos mussten Fans zwei Jahre warten.

Wenn meine Kumpels lautstark rumzetern, wie unflexibel das Squad-System ist, werfe ich immer nur ein: »Leute, als Fan der ersten Stunde musste ich ein Jahr auf so ein Squad-System warten.«

Und die Kumpels dann: »Naja, wenigstens gibt es Droidekas, die sind cool.«

»Auf die musste ich auch ein Jahr warten! Und auf Anakin, Obi-Wan, Count Dooku, den mordsmäßig coolen Conquest-Modus. Ich habe Wochen überstanden, in denen der Imperator im Alleingang jedes Match beherrscht hat, weil er durch Wände blitzen konnte. Dice musste ihn sogar zeitweise komplett entfernen.«

Das gehört alles der Vergangenheit an. Battlefront 2 ist auch 2021 kein perfektes Spiel, aber ein wunderbar runder Star-Wars-Multiplayer. Und genau als solcher passt es perfekt in die Gegenwart.

Der Autor: GameStar-Redakteur Dimi gönnt jedem Menschen da draußen von ganzem Herzen die eigene Sicht auf das Star-Wars-Universum. Liebt die Sequels, liebt die Prequels, liebt Jar Jar Binks, denn Star Wars ist für alle da. Für ihn persönlich war allerdings spätestens nach Episode 9 der Zauber verfolgen. Und es grenzt an ein Wunder, dass 2020 doch noch so viel neue Hoffung aufkeimte. Spätestens das Finale von The Mandalorian hat seine Liebe erneut entfacht. Und dass er mit mehr Menschen denn je feierabends Battlefront 2 zocken kann, kommt ihm da gerade recht.

Die Leute haben Hunger

Die wenigsten in unserer Battlefront-Runde sind Star-Wars-Fans. Kollege Fabiano. Ich. Mein bester Freund nähert sich dem Thema gerade an. Das war's. Wieso hat der Rest also so viel Bock auf den Krieg der Sterne? Ganz einfach: Weil es im restlichen Shooter-Genre gerade mau aussieht. Zumindest für diese Art Shooter. Denn zwischen all den Battle-Royale-, Hardcore- und E-Sport-Emporkömmlingen fehlt eine ordentliche Casual-Schießerei.

Spiele wie Battlefield erzeugen ein ganz eigenes Shooter-Gefühl, das anders funktioniert als Arena-Shooter und Hardcore-Spiele. Spiele wie Battlefield erzeugen ein ganz eigenes Shooter-Gefühl, das anders funktioniert als Arena-Shooter und Hardcore-Spiele.

Wir sehen das in unseren Abrufzahlen auf GameStar.de. Black Ops: Cold War erregt weit, weit weniger Interesse als Warzone, ist aber der einzige launige Casual-Shooter (ohne Battle Royale), der 2020 erschien. Escape from Tarkov, Valorant, Rainbow Six: Siege, Counter-Strike und all die anderen Platzhirsche sprechen eine andere Multiplayer-Zielgruppe an als Battlefield. Und umgekehrt sehen wir an den gigantischen Abrufzahlen für Phils jüngste Battlefield-6-Prognose: Junge, Junge, sind die Leute hungrig nach dieser Art Shooter.

Battlefront 2 bietet einfach nur filmreife, atmosphärische, zugängliche Schlachtfeld-Action. Die Veteranen in meinem Freundeskreis müssen bloß drei Runden spielen, bevor sie in den Top 10 landen. Battlefront fordert kaum smartes Teamwork, kaum Wissen über Aufsätze, Waffen, Helden oder Schurken. Außerdem gibt es nach vier Jahren Patches keine Balancing-Fuckups, die beispielsweise ein Call of Duty: Warzone aktuell noch dauernd plagen. Mehr dazu erfahrt ihr hier:

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Star Wars ist wieder im Aufwind

Doch unter den 19 Millionen Neueinsteigern dürften sich auch viele Star-Wars-Fans befinden. Der Krieg der Sterne hat gerade Hochkonjunktur - ein Wendepunkt nach einer ziemlich düsteren Periode. Denn ob ihr die Sequel-Filme (Episode 7 bis 9) nun mögt oder nicht: Die 2010er-Jahre waren so oder so keine einfache Zeit für die Star-Wars-Marke. Deutlich weniger Spiele als im Jahrzehnt zuvor, die besten davon auch erst in den letzten drei Jahren, sinkende Kinozahlen bis hin zum ersten kommerziellen Star-Wars-Kinoflop überhaupt:

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Doch in den letzten Monaten folgte ein Knaller auf den anderen: Jedi: Fallen Order, Star Wars: Squadrons, die siebte Clone-Wars-Staffel, das fulminante Finale der zweiten Mandalorian-Staffel. Gerade letzteres schlug unglaublich positive Wellen. Selbst die ärgsten Gegner von Disneys Star Wars klatschen Mando (manchmal zähneknirschend) auf YouTube Beifall. Ebenfalls klasse: Auch andere Entwicklerstudios dürfen jetzt wieder Star-Wars-Spiele machen. Und der neue High-Republic-Roman stürmte just erst die Bestseller-Liste der New York Times. Falls ihr euch dafür interessiert, schaut mal in unser High-Republic-Special rein:

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Das Problem ist nur: Im Gaming-Bereich gibt es für all diese neu erwachte Begeisterung kaum Ventile. Wer Fallen Order durch hat, dem bleibt bloß Squadrons als aktuellstes Star-Wars-Spiel. Und Hardcore-Space-Sims haben es bei all denen schwer, die in den 90ern eher Babyrassel als Steuerknüppel in der Hand hielten.

Battlefront 2 ist der perfekte Fix und gleichzeitig der perfekte Beweis, welch gigantischen Erfolg jetzt gerade ein komplett neues Mainstream-Spiel im Star-Wars-Universum feiern könnte. Wenn es doch nur eines gäbe! Ironischerweise zeigt ausgerechnet Battlefronts überbordender Erfolg das immense Shooter-Vakuum, das derzeit existiert. Und das sollte allen Entwicklern da draußen ein Signal sein: Die Zeit ist reif für mehr Star Wars - und mehr Battlefield-ähnliche Shooter.

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